Wo schreibt ... ?

Wo entstehen eigentlich all die großartigen Bücher, mit denen wir täglich arbeiten, die wir in unseren Verlagen veröffentlichen und voller Spannung lesen? Wir waren neugierig und haben bei unseren Autorinnen und Autoren nachgefragt. In unserer neuen Serie „Wo schreibt … ?“ erzählen sie in loser Folge von dem Ort, an dem Geschichten ihren Anfang nehmen.

Übersicht
Wo schreibt J. Courtney Sullivan?
Wo schreibt H. M. van den Brink?
Wo schreibt René Freund?
Wo schreibt Matt Ruff?
Wo schreibt Anton Badinger?
Wo schreibt Michael Ondaatje?
Wo schreibt Ernst Paul Dörfler?
Wo schreibt Marko Dinić?
Wo schreibt Thomas Girst?
Wo schreibt Philipp Blom?
Wo schreibt Kurt Palm?
Wo schreibt Bettina Balàka?
Wo schreibt Sandra Hoffmann?
Wo schreibt Karen Köhler?
Wo schreibt Anna Hope?
Wo schreibt Peter Balko?
Wo schreibt Jutta Bauer?
Wo schreibt Niklas Maak?
Wo schreibt Hubert Achleitner?

Teil 19 | Hubert Achleitner | flüchtig

Von flüchtiger Ordnung

Das “Stuhl-Foto” links: “Flüchtig war auch die Ordnung auf dem Schreibtisch… nach dem Schreiben ist vor dem Schreiben – also Chaos.”

Das “Ziehharmonika-Foto” rechts: “So manches Kapitel ist auch hier entstanden – damals standen aber noch keine Ziehharmonikas herum, sondern Unterlagen, Skizzen, Landkarten…”

Das Buch

Hubert von Goiserns literarisches Debüt: Ein musikalischer Roman über Liebe, Sehnsucht und das flüchtige Glück.

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Der Autor

Hubert Achleitner, bekannt als Hubert von Goisern, wurde 1952 in Bad Goisern geboren. Er gilt als prononciertester Vertreter der „Neuen Volksmusik“ und Erfinder des sogenannten „Alpenrock“.

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Teil 18 | Niklas Maak | Technophoria

Ein aufgegebener Schreibtisch

“Ich liebe leere Schreibtische. Leider hält sich dieser Zustand bei meinem Schreibtisch nicht lange, der Tisch wächst, egal, wie groß er ist, schneller als ein Dschungel mit allem Möglichem zu, mit aufgeschlagenen Büchern, Zetteln mit Notizen, alten Fotos, Zeitungsausrissen. Zu wissen, dass in irgendwelchen Kisten interessante Materialien lagern, die ich, weil ich sie nicht mehr sehe, vergessen habe, macht mich nervös; ich muss beim Schreiben alles nebeneinanderliegen haben. Wenn ich Dinge stapele, sinken die unteren Bücher und Zettel und Bilder sofort einem gefährlichen Vergessen entgegen, weswegen nur Zettel, die bereits verarbeitet wurden, in Kisten landen. Ich habe gedacht, mein Schreibtisch ist vielleicht einfach zu klein und mir einen größeren gekauft, aber auch der große Schreibtisch wucherte rasend schnell mit Auslagen voll, und an einem bestimmten Punkt wanderten die Papiere und Notizen und Materialien vom Tisch über hektisch aufgepflanzte Beistelltische bis hinunter auf den Boden und fluteten dort alles so gründlich, dass ich Probleme bekam, überhaupt bis zum Schreibtisch vorzudringen. Freunde, die Berufe haben, in denen man hauptsächlich telefoniert und keinerlei Papier benötigt, kamen vorbei und schüttelten den Kopf: Wie man in so einem Chaos arbeiten könne; dann, das Mobiltelefon triumphierend in die Luft haltend: Hier! Alles drin, was ich brauche! Aber die Dinge wucherten weiter durch den Raum, bis er nur noch auf Zehenspitzen zu durchschreiten war. Diesen Moment zeigt das Foto, das Tobias Heyl machte. In diesem Moment, als das Arbeitszimmer von Ideen und Materialien vollständig überwuchert war, beschloss ich, es zu verlassen und mir hinten in der Kammer einen sehr kleinen Schreibtisch aufzustellen. Wenn ich morgens mit dem Schreiben beginne, gehe ich ins überschwemmte Arbeitszimmer, nehme (wie jemand, der eine kleine Tasche fürs Wochenende packt) nur wenige Bücher, Bilder und Zettel mit, die ich zum Schreiben für den Tag brauche. Spätestens ein paar Stunden später gehe ich dann wieder nach vorn und untersuche die archäologische Landschaft, die sich dort ausbreitet, auf Ideen, die ich vergessen haben könnte. So gesehen zeigt das Foto gar nicht meinen Schreibtisch, sondern ein Lager, in dem unter anderem ein aufgegebener Schreibtisch begraben ist.”

Das Buch

Unsere Zukunft hat bereits begonnen. Ein Roman zu den großen Fragen unserer Zeit: wild, melancholisch und hinreißend zugleich.

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Der Autor

Niklas Maak, Jahrgang 1972, studierte in Hamburg und Paris Kunstgeschichte, Philosophie und Architektur und lebt in Berlin. Seit 2001 ist er Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für Kunst und Architektur.

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Teil 17 | Jutta Bauer | Kater Liam

Ein Arbeitsplatz in einer großen alten Fabrik

“Mein Arbeitsplatz ist in einer großen alten Fabrik, wo früher Desinfektionsmittel hergestellt wurden. Ein großer Raum mit schönen alten Balken und hoher Decke und offener Küche. Wir teilen ihn zu dritt. Im ganzen Hof sind wir 18 Künstler in einer großen Ateliergemeinschaft. Außer uns gibt es dort noch das Kulturzentrum Goldbekhaus, ein Gartenrestaurant, eine Foodsaving Station. Unter mir ist die Kinderetage mit Babygruppen am Tag und afrikanischem Tanz z.B. am Abend. Also immer was los. Und selbst, wenn es bei mir oben ganz ruhig ist, -was ich natürlich brauche zum Arbeiten, spüre ich doch das Leben drumherum irgendwie.Illustration und Geschichten ausdenken ist eine einsame Arbeit. Deshalb ist es schön, wenn man für die Pausen Gesellschaft hat. Meistens kochen wir mittags was zusammen und danach trolle ich mich wieder an meinen Arbeitstisch mit dem Blick auf den Kanal. Das klingt nach Idylle, ist es auch,… aber keine gekaufte. So einen Platz könnte sich keiner von uns am Immobilienmarkt einfach kaufen oder mieten. Es gehört der Stadt Hamburg und wir haben die Erhaltung für die Kultur erkämpft vor mehr als 30 Jahren. Sonst gäbe es die Fabrik nicht mehr und hier wäre ein Glaskasten mit teuren Büros, einer Bank oder so. Deshalb bin ich auch etwas stolz darauf. Das ist mein Platz auf der Welt.”

Das Buch

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Ein charmanter und kluger Katzenblick auf den Menschen und seine Welt – von Jutta Bauer augenzwinkernd erzählt und illustriert für alle Katzen-Liebhaber

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Die Autorin

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Jutta Bauer, 1955 in Hamburg geboren, ist eine der vielseitigsten Illustratorinnen für Bilder-und Kinderbücher.

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Teil 16 | Peter Balko | Zusammen sind wir unbesiegbar

Writting in the nature

“I like to write outside: feel the wind and trees, drink coffee, listen to trains and (sometimes) black metal music.
I also write in my favorite cafes or in a cottage in Sitnianska Lehôtka. This photos come from an autumn garden next to my studio in Bratislava.”

Das Buch

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Pointiert, leuchtend, geheimnisvoll: Peter Balko erzählt in seinem warmherzigen Debütroman die Geschichte von Tom Sawyer und Huckleberry Finn an der ungarisch-slowakischen Grenze.

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Der Autor

Peter Balko

Peter Balko, geboren 1988 in Lučenec/Lošonc, der sich bereits als Drehbuchautor einen Namen gemacht hat, erhielt für sein Romandebüt zahlreiche Preise und ist einer der meistbeachteten slowakischen Autoren der Gegenwart.

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Teil 15 | Anna Hope | Was wir sind

Ein Schuppen am Ende des Gartens

“Das ist ein Foto von dem Schuppen am Ende meines Gartens, wo ich meistens schreibe. Wir haben ihn gebaut, als wir vor ein paar Jahren in unser Haus gezogen sind. Der Schuppen ist auf einen kleinen Tümpel ausgerichtet und direkt daneben steht ein Rotdorn, den man auch auf dem Foto sieht. Im Frühling erblüht er in einem unglaublichen Pink. Außerdem sieht man diese kleinen Blumen mit den Hütchen im Vordergrund. Ich vergesse immer ihren Namen, aber irgendwie erinnern sie mich an „Ein Sommernachtstraum“. Es ist schön, im Frühling und im Sommer die Bienen zu beobachten, wie sie von Blüte zu Blüte fliegen. Im Herbst und im Winter wird es ein bisschen feucht, und der Weg, der vom Haus zum Schuppen führt, kann ein bisschen rutschig werden, aber ich liebe es, die heimatlichen Gefilde zu verlassen und dorthin zu kommen.

Hier habe ich den größten Teil von „Was wir sind“ geschrieben – am Morgen bin ich immer als Erstes mit meinem Kaffee zum Schuppen gegangen und dort habe ich dann vier Stunden am Stück gearbeitet, bis meine Tochter aus der Betreuung zurückkam. Es gibt einen fest installierten Computer, an dem ich am liebsten schreibe, und einen alten Arbeitstisch – das ist alles, neben einer kleinen Ölheizung und einem Teppich. Wenn ich in einem Manuskript stecke, pflastere ich die Wand mit Notizen. Ich mag es aufzublicken und zu sehen, wie ein Roman langsam Gestalt annimmt, und aus dem Fenster zu blicken und meine Phantasie schweifen zu lassen. Ich empfinde es als großes Privileg, solch einen friedlichen Ort zum Schreiben zu haben.”

Das Buch

Was ist aus dem Menschen geworden, der du einmal sein wolltest? – Anna Hope über drei ungleiche Frauen und ihre gemeinsame Zeit in London, über Freundschaft und die intimen Fragen eines jeden Lebens

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Die Autorin

Anna Hope wurde in 1974 in Manchester geboren. Sie studierte Englische Literatur in Oxford und Schauspiel an der Royal Academy of Dramatic Art. 2014 stand sie mit “Wake” auf der Shortlist des National Book Award für den besten Debütroman. Anna Hope lebt in Sussex bei London.

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Teil 14 | Karen Köhler | Miroloi

Hier ist mein Herzkopf

“Ich schreibe an unterschiedlichen Orten, für meinen Roman MIROLOI habe ich beispielsweise sehr viel in Griechenland recherchiert und mir dort immer eine abgelegene Taverne mit Blick aufs Meer zum Schreiben gesucht. Wenn ich ein Aufenthaltsstipendium habe, nehme ich aus meinem Arbeitszimmer Bilder und Karteikarten mit, die ich an den fremden Wänden aufhänge. Mein Arbeitsraum in Hamburg ist mein Herzstück. Er liegt außerhalb der kleinen Wohnung, die ich mit meinem Freund teile. Hier schreibe, nähe, bastele, male, zeichne, webe, nähe, klebe, sticke, stricke und häkele ich.

Für MIROLOI habe ich eine ganze Zimmerwand vollgehängt mit Fotos, Illustrationen, Fundstücken, Karten, Federn und Knochen. Die Wand ist mit dem Text gewachsen und irgendwann war sie völlig zugewuchert. An der übereckliegenden Wand hatte ich sehr streng eine 3-Akt-Struktur mit Karteikarten installiert. Für jede Strophe gab es eine Karte. Als Florian Kessler zum Lektorat nach Hamburg kam, habe ich ihn in meinen Arbeitsraum eingeladen, obwohl es ein sehr intimer Ort für mich ist. Als er das Zimmer betrat meinte er: Krass, ich habe das Gefühl, ich bin gerade in Deinem Kopf gelandet. Bittesehr: Hier ist mein Herzkopf.”

Das Buch

Voller Hingabe, Neugier und Wut erzählt „Miroloi“ von einer jungen Frau, die sich auflehnt: Gegen die Strukturen ihrer Welt und für die Freiheit. Eine Geschichte, die an jedem Ort und zu jeder Zeit spielen könnte; ein Roman, in dem jedes Detail leuchtet und brennt.

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Die Autorin

Karen Köhler hat Schauspiel studiert und zwölf Jahre am Theater in ihrem Beruf gearbeitet. Heute lebt sie auf St. Pauli, schreibt Theaterstücke, Drehbücher und Prosa. Ihre Theaterstücke stehen bei zahlreichen Bühnen auf dem Spielplan.

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Podcast mit Karen Köhler

In unserem “Hanser Rauschen”-Podcast erzählt Karen Köhler, was Geschichten für sie bedeuten, welche Fragen mit ihrem Selbstverständnis vom Autorinsein einhergehen und weshalb dringend mehr weibliche Stimmen in der Literatur gebraucht werden. Und sie hat außerdem zwei Buchempfehlungen im Gepäck, die man nach ihren leidenschaftlichen Worten sofort selbst lesen möchte.

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Teil 13 | Sandra Hoffmann | Das Leben spielt hier

Unordnung macht mich im Kopf ungeordnet

“Ich habe zwei Schreibtische, einen Stadtschreibtisch, das ist dieser kleine hier, und einen Landschreibtisch, der ist größer und schaut vollkommen ins Grüne. Manchmal kommen da Rehe vorbei. Einmal sogar ein Fasan. Vom Stadtschreibtisch aus sehe ich manchmal einen Zeppelin; als die Kirche mal ein Gerüst hatte, liefen darauf Arbeiter herum, als sei das gar nichts, auf so einem hohen Gerüst herumzulaufen. Ich finde das ist ziemlich was. Ich habe Höhenangst.

Meine Schreibtische sind nie leer. Wahrscheinlich weil ich mich auch nie leer fühle. Eher manchmal zu voll. Deshalb sind sie auch nie voll; und, weil Unordnung mich im Kopf ungeordnet macht.”

Das Buch

Sich öffnen macht verwundbar, bedeutet aber auch Heilung. Sandra Hoffmann schreibt mit beeindruckender erzählerischer Kraft von der ersten großen Liebe.

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Die Autorin

Sandra Hoffmann lebt als freie Schriftstellerin in München. Sie unterrichtet kreatives & literarisches Schreiben u.a. für das Literaturhaus München und an Universitäten. Außerdem schreibt sie für das Radio und für Zeitungen. Und sie surft.

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Podcast mit Sandra Hoffmann

Was haben Surfen und Schreiben gemeinsam? Darüber spricht die Autorin Sandra Hoffmann mit ihrer Lektorin Christiane Schwabbaur in der aktuellen “Hanser Rauschen”-Folge. Und sie erzählt, warum es nie zu spät ist, sich einer neuen Herausforderung zu stellen.

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Teil 12 | Bettina Balàka | Die Tauben von Brünn

Unter Beobachtung

“Da ich eigentlich lieber in der freien Natur als am Schreibtisch bin, habe ich mir ein bisschen Natur an den Schreibtisch geholt. Ich glaube nicht, dass es allzu viele Schriftsteller gibt, die von sich behaupten können, bei ihrer Arbeit von einem Landeinsiedlerkrebs (oben rechts) und einer Dachmoschusschildkröte (man sieht sie aus ihrer im Wasser schwebenden Korkhöhle gucken) beobachtet zu werden. Natürlich beobachten wir uns wechselseitig, so kann auch ich Zeugin werden, wie die Schildkröte einen unaufmerksamen Fisch verspeist oder der Krebs ein neues Häuschen anzieht.

Mein Schreibtisch ist ein antikes Stück aus China (ein Geschenk meines Bruders) und hat eine magische Wirkung auf mich: Wenn ich an ihm sitze, bin ich sofort fokussiert. Mein Arbeitsgetränk ist grüner Tee, wahrscheinlich, weil ich als Teenager „Green Tea“ von Joseph Sheridan Le Fanu las und seither das Gefühl habe, dass dieses Getränk innere Augen öffnen kann. Die Katze ist sehr rücksichtsvoll und bringt nichts von meinen Büchern und Sächelchen durcheinander, ruht sich aber gerne auf dem Notebook aus.”

Das Buch

Ein Brieftaubenzüchter, ein Lotteriegewinn und die Geschichte eines großen Betrugs: Bettina Balàka erzählt die Geschichte des berühmt-berüchtigten Wieners Johann Karl von Sothen.

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Die Autorin

Bettina Balàka, geboren 1966 in Salzburg, studierte Englisch und Italienisch und lebt nach mehreren Auslandsaufenthalten in Wien. Sie schreibt Romane, Lyrik, Erzählungen und Essays.

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Teil 11 | Kurt Palm | Monster

Von willkommenen Ablenkungen

“Mein Wiener Schreibtisch hat eine Größe von 100 × 60 cm und das Schöne an diesem Schreibtisch ist, dass es draußen immer etwas zu beobachten gibt. Mindestens zweimal am Tag kommt beispielsweise unsere Hauskrähe Lucie vorbei und klopft ans Fenster, oder die Falken, die im Turm der Laurentiuskirche leben, ziehen ihre Kreise, und ab und zu lässt sich sogar ein Specht blicken. Das sind vor allem dann willkommene Ablenkungen, wenn mir nichts einfällt, was öfter der Fall ist, als mir lieb ist. Aber so ist das Leben. Oder zumindest so ähnlich.”

Das Buch

Polit-Groteske, Krimi-Satire und herzzerreißende Liebesgeschichte: Kurt Palm ist mit “Monster” nicht nur die lang erwartete Fortsetzung des Bestsellers “Bad Fucking” gelungen – er legt noch eins drauf.

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Der Autor

Kurt Palm wurde mit der gefeierten TV-Produktion “Phettbergs nette Leit Show” (1994-96) bekannt. Sein Bestseller “Bad Fucking” (2010) wurde 2011 mit dem Friedrich Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Krimi des Jahres ausgezeichnet und war auch als Film erfolgreich.

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Teil 10 | Philipp Blom | Eine italienische Reise

Das Papier wächst auf rätselhafte Weise über alles

“Mein Schreibtisch, ein Möbelstück zum Arbeiten, der Ort, an dem ich einen Großteil meiner Zeit verbringe. Der Tisch selbst ist eine Antiquität, Ikea circa 1995, seitdem ständig im Gebrauch. Der Stuhl ist von ca. 1900 und viele Male repariert, nicht zu gemütlich, so schlafe ich nicht ein. Der gegenwärtige Zustand ist relativ aufgeräumt, normalerweise muss man Archäologie betreiben, um unter Papierstapeln etwas zu finden. Zwischen größeren Arbeitsvorhaben wird einmal gründlich aufgeräumt, dann ist es etwa 30 Minuten so, wie es eigentlich sein sollte. Dann wächst das Papier auf rätselhafte Weise wieder über alles.”

Das Buch

Philipp Blom erforscht die Geschichte seiner Geige. Sie handelt von Migration, der Lebenswelt der Handwerker, aber auch von Venedig, der damaligen Musikhauptstadt. Die Suche nach dem namenlosen Geigenbauer liefert den Schlüssel zu einer ganzen Epoche – die unserer Gegenwart gar nicht so fremd ist.

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Der Autor

Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien und schreibt regelmäßig für europäische und amerikanische Zeitschriften und Zeitungen. Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter ein Stipendium am Getty Research Institute in Los Angeles und der deutsche Sachbuchpreis.

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Teil 10 | Thomas Girst | Alle Zeit der Welt

Von der Gartenlaube zu Transatlantikflügen

“Tatsächlich ist ein Großteil von “Alle der Zeit der Welt” auf Transatlantik- und anderen Langstreckenflügen entstanden. Es ist unglaublich wenn einen zehn Stunden lang maximal der neugierige Sitznachbar nerven und man sonst vollends ungestört arbeiten kann. Aus Brooklyn hatte ich zwar 2003 meinen herrlichen Schreibtisch aus den 1930er Jahren nach München mitgebracht, an dem ich viele meiner Bücher geschrieben habe. Dieser befindet sich in unserer Gartenlaube, wo ich meinte, mich einen Steinwurf von meiner Familie entfernt der Literatur widmen zu können. Woraus nichts wurde. Das kleine Häuschen ist leider unbegehbar, da es vom Wohlstandsmüll überquillt, den drei Kinder mit sich bringen.”

Das Buch

“Alle Zeit der Welt” versammelt höchst unterhaltsame Geschichten von Künstlern und Wissenschaftlern mit langem Atem – einer Fähigkeit, die vielen von uns heute fehlt. Doch wenn er sich Zeit lässt, sind dem Menschen große Dinge möglich. Wir müssen nur lernen, uns die Zeit zu nehmen.

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Der Autor

Thomas Girst studierte Kunstgeschichte, Amerikanistik und Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg und an der New York University. Der ehemalige taz-Korrespondent verantwortet seit 2003 das internationale Kulturengagement der BMW Group. 2016 wurde er als „Europäischer Kulturmanager des Jahres“ ausgezeichnet.

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Thomas Girst bei Capriccio

Keine Zeit zu haben, das zeichnet den Erfolgsmenschen aus, glauben wir. Aber was uns rettet, das ist die Langsamkeit, meint Thomas Girst. Der Bayerische Rundfunk stellte in der Sendung “Capriccio” Thomas Girst, sein Buch und die einige der verblüffenden Dinge, von denen er in seinen Geschichten erzählt, näher vor.

Teil 9 | Marko Dinić | Die guten Tage

Das ist nicht mein Arbeitsplatz ...

“Der Schreibtisch in meinem Zimmer, der hier auf dem Foto abgebildete Schreibtisch, ist nicht mein Arbeitsplatz. Da in der Bibliothek im Wiener Rathaus, in der ich normalerweise schreibe und arbeite, das Fotografieren verboten ist, müssen sich die Leserinnen und Leser mit diesem unaufgeräumten Bild begnügen. Der Vorzug der heimischen Bibliothek mag sich gegenüber der Arbeit nicht so recht einstellen, wenn sich im selben Raum auch gleich das Bett befindet, welches schließlich öfter frequentiert wird als der gutbegrünte Schreibtisch.

Für die konzentrierte Arbeit bedarf es eines Arbeitsweges oder zumindest einiger mit Tram und U-Bahn hinter sich gebrachter Kilometer, die einem einen Arbeitsweg, den andere durch ihre geregelten Arbeitszeiten jeden Morgen mit einer beinahe verschämten Selbstverständlichkeit gehen, vorgaukeln. Und mit jedem hinter mir gebrachten Kilometer, jedem verschmitzten Guten Morgen, das ich dem Feuerwehrmann am Eingang des Rathauses entgegenwerfe, jeder Fahrt mit dem hauseigenen, sich träge nach oben schleppenden Paternoster, mit jedem Kaffee und mit jeder Zeitung, die ich mir im Vorraum der Bibliothek tagein tagaus teilweise Stundenlang, ohne auch nur den Ansatz eines Drucks zu verspüren, einverleibe, werde ich mir wieder jener ungeheuren (ach, unerhörten!) Tatsache bewusst, nicht viel mehr vorweisen zu können als dieses Privileg, mich Schriftsteller schimpfen zu dürfen.

Das obige Foto zeigt nicht meinen Arbeitsplatz, es zeigt meinen Wohnraum, einen Hort für Dinge, die außer mir keiner braucht — meine Buchstadt. Mein Arbeitsplatz, da er nicht fotografiert werden darf, muss sich mit den mageren Substantiven begnügen, die ich für ihn hervorgekramt habe, Substantive wie: Prunk, Bürgermeister, Hof, Melancholie, Radiatorenhitze, Archiv oder Zigarettenpause.”

Das Buch

In seinem Debütromen erzählt Marko Dinic zwanzig Jahre nach dem Bombardement von Belgrad von einer traumatisierten Generation, die sich weder zu Hause noch in der Fremde verstanden fühlt, die versucht die eigene Vergangenheit zu begreifen und um eine Zukunft ringt.

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Der Autor

Marko Dinić wurde 1988 in Wien geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Belgrad. Er studierte in Salzburg Germanistik und Jüdische Kulturgeschichte. “Die guten Tage” ist sein erster Roman.

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Teil 8 | Ernst Paul Dörfler | Nestwärme

Mein luftiger Schreibtisch

“Die besten Ideen, die trefflichsten Formulierungen fliegen mir entgegen: Beim forschen Gehen durch die Aue, beim Radfahren durch Heide, beim Schwimmen durch den Fluss. Diese Einfälle – oder sind es Eingebungen? – müssen alsbald festgehalten werden, sie verschwinden sonst im Nirwana. Mein künstliches Gedächtnis, auch Laptop genannt, ist immer dabei – naja, fast immer, beim Schwimmen wartet er am Ufer. Als “Schreibtisch” bieten sich viele Möglichkeiten unter freiem Himmel: Ein waagerechter, starker Ast einer uralten Weide in passender Höhe kann als Schreibpult herhalten oder ich lasse mich auf dem weichen Waldboden nieder, lehne mich gegen einen extra dicken Baumstamm, möglichst mit Ausblick und tippe drauflos. Die Eichen-Bänke und -Tische am Elbe-Radweg sind schon die Luxus-Ausführung. 400 Schritte habe ich bis dahin zu gehen, mein klimaneutraler Arbeitsweg.

Langes Stillsitzen war mir schon als Kind ein Graus, eine Art Strafe. Der will ich immer noch entfliehen. Ich zwinge mich nicht zum Schreiben im Sitzen am wohlgeordneten, stationären Schreibtisch. Disziplin und Kreativität sind für mich Gegenspieler wie Pflicht und Kür. Sobald die Worte nicht mehr so recht sprudeln wollen, laufe ich spontan los, atme tief durch und kurbele meinen Kreislauf an. Meine Gehirnzellen freuen sich über die Luftdusche und – wenn ich Glück habe – spenden sie bald neue Einfälle.”

Das Buch

Der vielfach ausgezeichnete Naturschützer Ernst Paul Dörfler hat ein berührendes Buch über das geheime Leben der Vögel geschrieben, die oft friedvoller und achtsamer miteinander umgehen als wir Menschen.

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Der Autor

Ernst Paul Dörfler ist promovierter Ökochemiker und leidenschaftlicher Vogelliebhaber. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem EURONATUR-Preis der Stiftung Europäisches Naturerbe, den auch Jonathan Franzen erhielt.

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Vogelquiz

Ein Leben mit der Sonne statt nach der Uhr, faire partnerschaftliche Beziehungen, Gewaltverzicht und klimaneutrale Mobilität – was können wir von Vögeln lernen? Erfahren Sie in unserem Quiz, was Sie noch nicht über Vögel wussten!

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Teil 7 | Jean-Philippe Blondel | Ein Winter in Paris

Ich erwarte Sie!

Jean-Philippe Blondel lädt Sie ein zu einer gemeinsamen Reise – ausgehend von seinem Schreibtisch zu seinem neuen Romanhelden in einen Winter in Paris:

“Liebe deutschsprachige Leserinnen und Leser, vielen Dank dafür, dass Sie Victor durch diesen Winter in der Hauptstadt begleiten wollen. Er braucht Sie. Er erwartet Sie. Kommen Sie? Ich begleite Sie!”

Das aktuelle Buch

Ein Ereignis, das alles verändert für den Pariser Studenten Victor … Ein sensibler und zärtlicher Roman von Bestsellerautor Jean-Philippe Blondel

Mehr zum Buch

Der Autor

Jean-Philippe Blondel wurde 1964 im französischen Troyes geboren, wo er auch heute als Autor und Englischlehrer mit seiner Familie lebt. Sein “Roman 6 Uhr 41” wurde ein Bestseller.

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Teil 6 | Michael Ondaatje | Kriegslicht

Verlorene Karrieren

Michael Ondaatje hat uns dieses Foto seines Schreibtischs mit den schlichten Worten “August Desk” geschickt. Und dann kam dieser schöne Text über verlorene Karrieren hinterher, der vermutlich an eben diesem Schreibtisch entstanden ist.

“Zwei Möglichkeiten boten sich mir als Halbwüchsigem: was ich nach Meinung anderer werden würde oder werden sollte und was ich selbst werden wollte. Einmal im Jahr kamen Berufsberater in meine Schule in England, unterhielten sich mit jedem Schulabgänger eine halbe Stunde lang und eröffneten ihm eine Woche später, wofür er geeignet war. Mir sagte man, ich sollte Zollbeamter werden. Es gab viele Berufsvorschläge, als ich meinen Schulabschluss machte – manche Jungen waren berufen, Minister zu werden, Unternehmer, Schriftsteller, Geschäftsleute, Zeitschriftenredakteure, Stückeschreiber, Architekten, Anwälte –, und ich war der Einzige, dem diese Karriere nahegelegt wurde. Das war meine Nische. Wenn ich heute durch den Zoll gehe und vor der roten Linie stehe, ergreift mich tiefes Schuldgefühl. Es ist der Beruf, den ich verschmäht habe. Auch wenn Künstler wie Herman Melville und Henri Rousseau diesen noblen Beruf ergriffen haben – ich habe mich ihm entzogen.

Die andere Alternative – was ich selbst werden wollte – änderte sich beständig, aus Mangel an Begabung und an Fähigkeiten: Ich wollte ein Pianist wie Fats Waller werden und/oder ein Illustrator von Abenteuerbüchern (mit vielen Schwarzweißbildern und ein paar Farbtafeln, wie im Werk von N.C. Wyeth). Stärker jedoch war immer der Wunsch, mich zu verwandeln und eine „Karriere“ als Tier, zum Beispiel als Vogel, anzustreben.An dieser kindlichen Phantasie hielt ich viel zu lange fest, und noch als meine Kinder schon groß waren, wünschte ich mir beim Aufwachen, ich wäre eine Krähe oder ein Jagdhund.

(Das schönste Kompliment, das ich je bekam, war die Feststellung von Gabriel Yareds Frau, ich würde wie ein Wolf tanzen.)

Das Tier, das ich als Junge am liebsten gewesen wäre, war ein Dachs. Der Dachs. Bestimmt wünschte ich mir das nach der Lektüre von „Der Wind in den Weiden“, und selbst jetzt noch stelle ich mir vor, das gesellschaftliche Umfeld eines „literarischen Lebens“ sollte nach dem Vorbild einer Gemeinschaft modelliert sein, wie sie in diesem Buch existiert, vielleicht mit ein paar mehr weiblichen Wesen.

Aber Jazzpianist und Buchillustrator lagen näher. Trotzdem weiß ich sogar heute noch, wenn ich einen Hasen in einem Feld sehe, dass es das andere, ungelebte Leben gibt.”
Aus dem Englischen von Anna Leube.

Das aktuelle Buch

Wie viele Geheimnisse verträgt ein Leben? – Der neue Roman von Michael Ondaatje, dem Autor von „Der englische Patient“.

Mehr zum Buch

Der Autor

Michael Ondaatje, 1943 in Sri Lanka geboren, lebt heute in Toronto. Mit seinem Roman Der englische Patient (Hanser, 1993), für den er den Man Booker Prize und zum 50-jährigen Jubiläum des Preises im Jahr 2018 den Golden Man Booker Prize erhielt, wurde er weltberühmt.

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Teil 5 | Anton Badinger | Zwei unter einem Schirm

Ich verfolge eine rigorose clean desk policy

“Lange habe ich gedacht, dass man nur in der Ferne schreiben kann. Ich habe mit anderen Autoren darüber gesprochen und weiß, dass diese Überzeugung ziemlich verbreitet ist. Es geht wohl um die Sehnsucht, schreibend in eine Welt einzutreten, die so rein ist wie ein weißes Blatt Papier. Daraus folgt allerdings ein Dilemma, das ich die “Aporie der Ferne” nennen möchte: Ist man erst dort, wird die Ferne zur Nähe, und prompt stellen sich typische Näheprobleme ein – nachbarschaftlicher Lärm, quietschende Fensterflügel, Kofferradios.

Nach einem nervtötenden Schreiburlaub in einem Dreisternehotel an der oberen Adria kam mir der Gedanke, dass meine Sehnsucht nach der Ferne vielleicht bloß eine Ausrede ist. Eine raffinierte Form von Faulheit. Danach bin ich dazu übergegangen, mir bloß vorzustellen, ich sei beim Schreiben woanders. Wenn man Figuren und Geschichten erfindet, sollte man auch in der Lage sein, sich die Ferne einfach auszudenken. Seither schreibe ich meine Texte dort, wo ich meine Mahlzeiten einnehme, die Buchhaltung mache und auch sonst fast alles erledige, was so anfällt – an meinem Allzwecktisch. Um meiner Einbildungskraft auf die Sprünge zu helfen, verfolge ich eine rigorose clean desk policy (CDP), das heißt, ich räume den Tisch zu Inspirationszwecken zwischendurch immer wieder komplett leer. Tabula rasa! Das hat auch den Vorteil, dass ich von meinen Mitmenschen inzwischen für äußerst ordentlich gehalten werde. Es muss ja niemand in die Schubladen schauen.”

Das aktuelle Buch

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Zwei unterschiedliche Frauen schließen Freundschaft und merken schnell, dass gemeinsam alles leichter geht und dass das Glück nicht immer dort liegt, wo man es vermutet.

Mehr zum Buch

Der Autor

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Anton Badinger, 1969 in Salzburg geboren, studierte Gestaltungslehre an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

5 Fragen an Anton Badinger

Teil 4 | Matt Ruff | Lovecraft Country

Vielleicht etwas unordentlich, aber tatsächlich ist es gerade gar nicht so schlimm

“So sieht mein Schreibtisch derzeit aus.

Die Tischplatte ist eine massive Holztür, die ich in den 1990ern selbst gebeizt und lackiert habe. Ursprünglich wurde sie von zwei Sägeböcken getragen, die ich später durch Schubladenschränke ersetzt habe und dann durch die offenen Regale wie auf dem Foto.

Der Schreibtisch sieht vielleicht etwas unordentlich aus, aber tatsächlich ist es gerade gar nicht so schlimm. Alle paar Monate räume ich das angesammelte Papier und anderen Krempel weg, zum Staubwischen, und dann fange ich wieder an, Zeug anzuhäufen. Ich habe erst vor kurzem alles abgestaubt; was man hier sieht, ist das Durcheinander nach einer Woche.

Das Wichtigste auf dem Schreibtisch, abgesehen von dem Computer, auf dem ich schreibe, ist meine riesige Hahnentasse, in die ein halber Liter starker Kaffee passt.

Zu den Büchern, die sich auf dem Drucker stapeln (sowohl solche, die ich für die Arbeit brauche, als auch solche, die ich zum Vergnügen lese), gehören: das Merriam-Webster Dictionary of English Usage, die 16. Auflage des Chicago Manual of Style, Edwin Williamsons Borges: A Life, Bradley K. Martins Under the Loving Care of the Fatherly Leader: North Korea and the Kim Dynasty, John Crowleys Love & Sleep, Colleen Mondors The Map of My Dead Pilots, Lacy M. Johnsons The Other Side: A Memoir, T.E.D. Kleins Dark Gods und Julian Dibbells Play Money: Or, How I Quit My Day Job and Made Millions Trading Virtual Loot. Außerdem liegt da ein sehr, sehr altes Computerspiel, ein Godzilla-Abklatsch namens Crush, Crumble and Chomp!, das irgendwann mal auf meinem Schreibtisch gelandet ist, während ich in einer anderen Ecke des Büros saubergemacht habe.”

Das aktuelle Buch

Matt Ruff begibt sich ins Chicago zur Zeit der Rassengesetze. Für alle denen Philip K. Dick, Pynchon und Matrix ein Begriff ist.

Mehr zum Buch

Der Autor

Matt Ruff, 1965 in New York geboren, wurde bereits mit seinem ersten Roman Fool on the Hill (Hanser, 1991) zum Kultautor.

5 Fragen an Matt Ruff

Teil 3 | René Freund | Ans Meer

Es gibt keinen besseren Arbeitsplatz

“Ich liebe meinen Schreibtisch und kann mir keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen. Unordnung sehe ich nicht gerne, deshalb lasse ich sie in den Laden verschwinden. Vor meinem Fenster stehen Obstbäume auf der Wiese, und in meinem Rücken befindet sich die Küche. So kann ich gleichzeitig schreiben und mein Süppchen kochen.”

Das aktuelle Buch

Ans Meer

Einmal im Leben mutig sein! René Freunds warmherziger Roman über einen Roadtrip – mit dem Linienbus!

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Der Autor

René Freund,

lebt in Grünau im Almtal. Er studierte Philosophie, Theaterwissenschaft und Völkerkunde. Von 1988 bis 1990 war er Dramaturg am Theater in der Josefstadt.

5 Fragen an René Freund

Teil 2 | Hans Maarten van den Brink | Ein Leben nach Maß

Man braucht ja so wenig zum Schreiben

“Mein Schreibtisch soll immer vor einem Fenster stehen, er soll weiß und ziemlich leer sein, aber doch groß. Also lieber drei als zwei Meter lang.

Ich habe zur Zeit drei solcher Tische. Der kleinste steht in Berlin; dort gucke ich auf einen Innenhof. Von den zwei großen befindet sich einer in Amsterdam (mit Blick auf eine stille Straße, wo alle Häuser aus dem 19. Jahrhundert stammen) und der andere in einem winzigen Ort in den Französischen Ardennen, wo ich durch die Fenster nur Wiesen und Wälder sehe.
Dort steht das Fernglas bereit für den Fall, dass ein Reh oder Wildschwein vorbeikommt, aber leider ist das noch nicht passiert; diesen Tieren begegne ich nur auf meinen Spaziergängen. Darum habe ich immer ein Meisenbällchen vor dem Fenster hängen, als gesunde Alternative für das Twittervögelchen, das mich auch immer wieder von der Arbeit ablenkt.
Jeden Morgen, bevor ich anfange zu schreiben, putze ich die Tischplatte schön sauber, und oft im Laufe des Tages noch ein oder zwei Mal. Durch Flecken oder Brotkrümel lasse ich mich nicht gern von der Arbeit abhalten.

Das Alles hört sich jetzt ein bisschen präzios an, aber ist es nicht – es ist einfach ein kleiner Luxus, den ich mir jetzt gönne. Man braucht ja so wenig zum Schreiben. Auf gewisse Papiersorten oder kostbare Füllfeder stehe ich zum Beispiel nicht. Und eigentlich kann man es auch überall machen.

Aber besser nicht an dem genauen Ort über welchen man gerade berichtet, ist meine Erfahrung. Also: Den sehr holländischen Roman ‘Ein Leben nach Maß’ habe ich vornehmlich in Madrid geschrieben, eine Geschichte, die in Frankreich spielt, vor kurzem in Berlin, und eine Erinnering an eine Schiffstour auf dem Rhein kam mal in Vietnam zu Stande. Was das bedeutet? Vielleicht braucht man neben Konzentration auch immer eine gewisse Distanz.
Der Tisch sollte übrigens auch nicht zu wackelig sein, bemerke ich gerade.”

Das aktuelle Buch

Ein Leben nach Maß

Was wir gewinnen, was wir verlieren. H.M. van den Brink erzählt eine Geschichte vom Wandel der Zeit.

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Der Autor

H.M. van den Brink,

1956 in Oegstgeest geboren, ist ein niederländischer Journalist und Schriftsteller. Bei Hanser erschien zuletzt 2018 sein Roman “Ein Leben nach Maß”.

5 Fragen an H.M. van den Brink

Teil 1 | J. Courtney Sullivan | All die Jahre

Das Zentrum meines Lebens

“Als ich meinen Job bei der New York Times kündigte um als freie Schriftstellerin zu arbeiten, hat mir mein Mann einen wunderschönen Arbeitstisch gekauft. In unserer ersten Wohnung war er in eine Ecke unseres Schlafzimmers gequetscht; der einzige Ort, an dem er Platz hatte. Dann sind wir nach Brooklyn übersiedelt, in eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern im dritten Stock eines Backsteingebäudes aus dem 19. Jahrhundert, in einer ruhigen Straße mit einer Allee von Bäumen: Das zweite Schlafzimmer wurde mein Arbeitszimmer. Es war aufregend, ein Büro zuhause und ganz für mich allein zu haben. Ich stellte den Arbeitstisch vor das Fenster und meine großen schwarzen Bücherregale an die Wand gegenüber. Mit der Zeit kam ein bisschen mehr dazu, aber der Raum schien immer zu groß für seinen Zweck zu sein. Dann wurde ich schwanger.

Einige Monate später kam jemand vorbei, um Fotos von mir an meinem Arbeitsplatz zu machen. Auf diesen Fotos konnte man meine Bücherregale sehen, die bald von einem Baby-Bett ersetzt werden sollten. Meine Lieblingsbücher auf dem Fensterbrett waren früher stets auf beiden Seiten von Kranichen aus Papier flankiert. Jetzt standen dort bunte Kinderbücher, die von Buchstützen in Elefantenform gehalten wurden.
Mein Arbeitstisch steht noch immer in der Fensternische, obwohl ich dort nicht mehr viel schreibe. Er ist mittlerweile eher der Ort, an dem Bücher landen, die auf Empfehlungen von mir warten, Rechnungen, die bezahlt werden, und Briefe, die beantwortet werden sollten. Heutzutage bin ich ein Nomade mit einem Laptop, jeden Morgen auf der Suche nach einem ruhigen Ort, an dem ich allein bin. Doch der Anblick meines Schreibtischs, wenn ich mitten in der Nacht mein Baby schaukle, erinnert mich jedes Mal daran, dass Schreiben immer das Zentrum meines Leben war, und es bleiben wird, was auch immer sich ändern mag.”

Das aktuelle Buch

All die Jahre

Kann eine Entscheidung zwei Schwestern für immer trennen? Der neue große Familienroman der Autorin des Bestsellers “Sommer in Maine”, J. Courtney Sullivan.

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Die Autorin

J. Courtney Sullivan,

Autorin und Journalistin, lebt in New York und schreibt u.a. für New York Times, Chicago Tribune, Elle und Men’s Vogue.

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