Junischnee
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Ljuba Arnautovic

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Details zum Buch
Roman
  • Erscheinungsdatum: 15.02.2021
  • 192 Seiten
  • Zsolnay
  • Fester Einband
  • ISBN 978-3-552-07224-4
  • Deutschland: 22,00 €
  • Österreich: 22,70 €

  • ePUB-Format
  • E-Book ISBN 978-3-552-07235-0
  • E-Book Deutschland: 16,99 €

Ljuba Arnautovic erzählt mit ihrer Familiengeschichte das Drama des 20. Jahrhunderts in Wien, Moskau und im Gulag. Ein poetischer Roman über Schicksal und politische Willkür.

1934 schickt Eva, die in Wien dem Republikanischen Schutzbund angehört, ihre Söhne Slavko und Karl fort, um sie vor den Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen. Die „Schutzbundkinder“ machen Ferien auf der Krim und kommen dann in ein luxuriöses Heim in Moskau. Bis Hitler den Pakt mit Stalin bricht. Slavkos Spuren verlieren sich, Karl wird aufgegriffen, kommt in eine Besserungsanstalt für Kinder und Jugendliche und schließlich als „Volksfeind“ ins Arbeitslager. Im Gulag lernt er seine zukünftige Frau Nina kennen – die Mutter der Autorin. Karl will nach Wien zurück, sobald es die Umstände erlauben, seine Frau zwingt er damit in die Fremde … Ljuba Arnautovic erzählt anschaulich, poetisch und mitreißend, wie Menschenverachtung und politische Willkür im 20. Jahrhundert das Schicksal der Menschen bestimmten – das Schicksal ihrer eigenen Familie.

Ljuba Arnautovic

Ljuba Arnautovic

Ljuba Arnautović, geboren 1954 in Kursk (UdSSR), lebt in Wien. Nach dem Studium der Sozialpädagogik arbeitete sie für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, als Russisch-Übersetzerin und Rundfunkjournalistin. ...

Mehr über Ljuba Arnautovic

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Presse

"Respektvoll, schnörkellos und unsentimental erzählt Ljuba Arnautovic in ihrem meisterlichen Roman die Lebensgeschichten ihrer Eltern. (…) Es sind ebenso haarsträubende wie erschütternde Geschichten, die sie erzählt – Geschichten von Menschen, die sich in den mörderischen Irrungen und Wirrungen des Zwanzigsten Jahrhunderts schuldig gemacht haben. Und die doch vor allem auch Opfer gewesen sind." Günter Kaindlstorfer, Ö1 ex libris, 21.03.21

"Ein Füllhorn an extremen Geschichten und letztlich ein Antikriegsbuch, in dem die seelischen Verwüstungen im Europa des 20. Jahrhunderts veranschaulicht sind.“ Stefan Berkholz, BR Diwan, 07.03.21

„Mit extremer Verknappung und der Konzentration auf ein exemplarisches Schicksal gelingt es Arnautovic überzeugend, die zerstörerische Wirkung von Ideologie und Gewaltherrschaft aufzuzeigen.“ Paul Stoop, Deutschlandfunk Büchermarkt, 04.03.21

"Eine ausdrucksvolle, klar gesetzte Sprache von herber Schönheit. Arnautović behauptet sich als gewandte, geschichtsbewusste Literatin, die Vergangenheit auf Papier zu bannen weiß." Senta Wagner, Der Standard, 27.02.21

"Wie die große Weltpolitik Charaktere formt, Schicksale durcheinanderwirbelt und Familiengeschichten über Generationen hinweg prägt, das erzählt Ljuba Arnautovic in einer klaren, poetischen Sprache, ohne Sentimentalität." Katharina Menhofer, Ö1, 15.02.21

5 Fragen an …

Ljuba Arnautovic

Ihr Roman Junischnee, wie schon Ihr Debütroman Im Verborgenen, basiert auf Ihrer Familiengeschichte. Wann haben Sie entschieden, über Ihre und die Geschichte Ihrer Vorfahren zu schreiben, liebe Frau Arnautovic?
Erst in meinen Fünfzigern. Da waren meine Großeltern und auch meine Eltern bereits verstorben – möglicherweise war diese Tatsache sogar hilfreich, weil ich keine Rücksicht zu nehmen hatte.

Kannten Sie die Geschichten schon aus Erzählungen oder haben Sie viel recherchiert? Wie können wir uns diese Vorarbeit vorstellen?
In meiner Familie wurde viel erzählt – immer wieder dieselben Geschichten. Um diese zu verifizieren, aber auch um das Nichterzählte aufzuspüren, habe ich jahrelang recherchiert. Das klingt nach viel Mühe, war es auch, aber es war auch aufregend. Dabei kam Unerwartetes zutage, Überraschendes – ich habe mehrere lebende Verwandte gefunden –, aber auch Schmerzliches, etwa als ich die Dokumente in den Händen hielt, die das traurige Ende meiner Urgroßeltern oder meines Onkels bezeugen.

Sie haben eine ganz besondere Art sehr distanziert über sehr persönliche Dinge zu schreiben, aus der Distanz den Menschen sehr nahe zu kommen. Wie würden Sie Ihren stilistischen Anspruch beschreiben?
Die Figuren im Roman sind nicht mehr meine realen Verwandten. Ich schreibe sie mir quasi „vom Leib“. Die nüchterne wie auch die empathische Betrachtung dieser Figuren – ihr Erleben, Handeln, Gefühle (die ich ihnen eigenmächtig zuschreibe) erlaubt es ihnen wie auch mir, ihre Komplexität zu wahren. Ich gestehe ihnen ihre Fehler genauso zu wie ihre Liebenswürdigkeiten. Zur Belohnung lassen sie mich nah an sich heran.

Gibt es auch Vorbilder?
Es gibt wunderbare Literatur – was für ein Glück! Meine Hochachtung davor ist so groß, dass ich mir nicht anmaße, sie mir – bewusst – zum Vorbild zu nehmen.

Nach dem Ende des Nichtangriffspaktes zwischen Hitler und Stalin hat Ihr Vater in Russland Schreckliches erlebt. Doch auch die Rückkehr ins Nachkriegswien gestaltete sich nicht einfach. Ist dieser Aspekt der Geschichte noch zu wenig aufgearbeitet?
Die Konfrontation mit ihren Opfern beschämt die Täter. Das Nachkriegs-Österreich verdrängt, beschönigt, verfälscht – im Persönlichen wie im Öffentlichen. Meist machen die Opfer dabei mit – auch sie wollen vergessen und möglichst rasch ein glückliches Leben führen. Aufarbeitung tut weh, aber sie heilt auch. Wenn sich eine Gesellschaft dazu bekennt, fällt es dem Individuum leichter. Und weil Verschwiegenes so lange stört, bis es einmal ausgesprochen wird, hätten auch die Ur-ur-Enkel noch was davon.

Interview: Bettina Wörgötter

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