Eine Formalie in Kiew
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Dmitrij Kapitelman

Eine Formalie in Kiew

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Details zum Buch
  • Erscheinungsdatum: 25.01.2021
  • 176 Seiten
  • Hanser Berlin
  • Fester Einband
  • ISBN 978-3-446-26937-8
  • Deutschland: 20,00 €
  • Österreich: 20,60 €

  • ePUB-Format
  • E-Book ISBN 978-3-446-27015-2
  • E-Book Deutschland: 15,99 €

Dmitrij Kapitelman erzählt von einer Familie, die in die Fremde zog, um ein neues Leben zu beginnen, und am Ende ohne jede Heimat dasteht. „Erst durch dieses Buch ist das Verstehen der Migration, des Nicht-Dazugehörens und des Dazwischen möglich.“ Olga Grjasnowa

„Eine Formalie in Kiew“ ist die Geschichte einer Familie, die einst voller Hoffnung in die Fremde zog, um ein neues Leben zu beginnen, und am Ende ohne jede Heimat dasteht. Erzählt mit dem bittersüßen Humor eines Sohnes, der stoisch versucht, Deutscher zu werden.
Dmitrij Kapitelman kann besser sächseln als die Beamtin, bei der er den deutschen Pass beantragt. Nach 25 Jahren als Landsmann, dem Großteil seines Lebens. Aber der Bürokratie ist keine Formalie zu klein, wenn es um Einwanderer geht. Frau Kunze verlangt eine Apostille aus Kiew. Also reist er in seine Geburtsstadt, mit der ihn nichts mehr verbindet, außer Kindheitserinnerungen. Schön sind diese Erinnerungen, warten doch darin liebende, unfehlbare Eltern. Und schwer, denn gegenwärtig ist die Familie zerstritten.

Dmitrij Kapitelman

Dmitrij Kapitelman

Dmitrij Kapitelman, 1986 in Kiew geboren, kam im Alter von acht Jahren als »Kontingentflüchtling« mit seiner Familie nach Deutschland. Er studierte Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Leipzig und absolvierte die ...

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Eine Formalie in Kiew

Presse

"Kapitelman hat einen wachen Blick und beweist in seinem Roman eine enorme Beobachtungsgabe. Dieses Buch zu lesen ist ein großes Vergnügen. ... ein großes Sprachtalent." WDR2, 10.03.21

"Kapitelman verhandelt .. ein Bewusstsein für die Fluidität von Zugehörigkeiten, den Wandel und das Nebeneinander von Identitäten, für Widersprüche, die nur von außen wie Widersprüche wirken." Sonja Zekri, Süddeutsche Zeitung, 06.03.21

„Das ist ungeheuer liebevoll … es ist so, dass es einem die Tränen der Rührung in die Augen treibt. Man möchte diesem Autor danken für diesen wunderschönen Text." Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur, 02.03.21

"Es liest sich gut weg. Kapitelmann ... hat einen hat einen eingängigen Sound, den bewies er schon im wunderbaren Debüt "Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters". Auch in der "Formalie" findet er an der richtigen Stelle zärtliche Worte." Andreas Scheiner, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 28.02.21

"Ein sprachliches Feuerwerk. ... Dmitrij Kapitelman erzählt mit viel Humor und sprachlicher Fantasie ... immer wieder erfrischend selbstironisch. ... Er vermittelt auf eindrückliche Weise die prekäre Situation des zwischen den Stühlen sitzenden Migranten, der dazu noch von den ambivalenten Gefühlen gegenüber seinen Eltern gebeutelt wird." Fokke Joel, Die Tageszeitung, 22.02.21

"Zum Heulen witzig … Dieses Buch nimmt mit auf eine sehr persönliche Reise in ein Land, das allen Klischees widerspricht, um einige dann doch, aber anders als erwartet, zu bestätigen. Es führt in eine vieldeutige Sprachwelt ein … und ist vor allem eine Einladung zum Dialog." Natascha Freundel, rbb Kulturradio, 09.02.21

"Solche Passagen, wie sie Kapitelman gelingen, kann kaum ein Gegenwartsautor in dieser heiteren Anmut und Zärtlichkeit unserer Sprache entlocken. … Man begleitet diesen Helden und lässt sich verzaubern von einem schier unverwüstlich wirkenden Glauben an Menschlichkeit." Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur, 02.02.21

"Kapitelman erzählt voller Witz, Wärme und Esprit. ... Dmitrij Kapitelman schreibt witzig wie Saša Stanišic, zärtlich-sentimental wie Joseph Roth und ethnografisch genau wie Emilia Smechowski." Marc Reichwein, Die Welt, 30.01.21

"Lehrreich, vor allem aber mit einem wunderbaren Humor beschrieben. Das macht stilistisch Freude, ist wortgewandt und gedankentief." Matthias Schmidt, MDR Kultur, 27.01.21

"Es geht Kapitelman stark ums Sprachliche. Nicht nur, dass er sächsischen Zungenschlag gut schriftlich zu imitieren weiß, er liefert in seinem Buch auch eine Sprachphänomenologie des Postsozialismus. Und das nicht in platt denunziatorischer Weise, sondern satirisch zugespitzt vor allem über seine Eigenschaft als Doppelsprachler: … So dient "Eine Formalie in Kiew" auf höchst intelligente Weise der Völkerverständigung – im buchstäblichen Sinne. Obwohl das Buch voller Klischees steckt, deren Richtigkeit es aber lustvoll zu belegen versteht." Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.21

"Kapitelman stößt eine Lachluke auf, durch die Licht in die düsteren Debatten unserer Zeit dringt. … Er hat ein zärtliches Buch geschrieben: zärtlich seiner alten Heimat gegenüber und seiner neuen, seinem Vaterland und seiner Muttersprache, seinem Papa und seiner Mama. Ein Buch mit zärtlichem Humor vor allem, jeder Witz eine Liebkosung. Eine große Eltern-Sohn-Liebesgeschichte, ein Plädoyer für mehr Herz und weniger Formalien." Tobias Becker, Spiegel Online, 25.01.21

"Ein wunderbar tragisch-komisches Buch über die Auswirkungen von Migration." Mareike Ilsemann, WDR5, 23.01.21

"Dmitrij Kapitelman erzählt seelenvoll und produziert doch in keinem Moment Kitsch. Sein Roman ist eine ‚schmerzsozialisierte‘, dabei unverhohlen zärtliche Liebeserklärung an ein Elternpaar, dem es nicht gegeben war, in Deutschland heimisch zu werden. Dass Nationalitäten etwas Gleichgültiges sind und nicht wert, Bindungen zu ruinieren, ist das Resümee der meisterhaft unbeschwert erzählten und doch so traurigen Geschichte." Sigrid Brinkmann, Deutschlandfunk Kultur, 21.01.21

5 Fragen an …

Dmitrij Kapitelman

Dmitrij, Eine Formalie in Kiew handelt von einem Sohn, der nach vielen Jahren in Deutschland in seine Heimat zurückkehrt, mit der ihn sehr wenig verbindet, um dort eine Apostille für seine Ausbürgerung zu besorgen – er möchte nämlich endlich die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen. Was hat dich dazu veranlasst, diese Geschichte aufzuschreiben?
Frau Kunze hat mich dazu veranlasst, meine Sachbearbeiterin bei der Ausländerbehörde. Genauer die deutsche Bürokratie, der keine Blockade zu billig ist, damit Einwanderer ja nicht zu leicht an den deutschen Pass kommen. Ich lebe seit einem Vierteljahrhundert in Deutschland, tausend Studienabschlüsse, steuerliche Quartalsprüfungen, maximale Integration – und dann schicken die mich nach Kiew wegen einer Apostille. Kein Ferkel weiß überhaupt, was das ist. „De behördliche Bestätigung einor behördlichen Bestätigung“, sächselte Frau Kunze erläuternd.
Zu Beginn ging es mir also darum, diese Politik an die Öffentlichkeit zu bringen. Und auch meine gefühlte Ohnmacht darin zu verarbeiten. Dass durch die späteren Schicksalsschläge wieder so ein persönliches Buch entstehen würde, habe ich da noch nicht geahnt. Also kurz gesagt: Ich habe über das geschrieben, was mir auf dem Herzen lag.

Wie dein erstes Buch, Das Lächeln meines unbekannten Vaters, hat auch dieses einen autobiographischen Hintergrund. Würdest du es trotzdem als Roman bezeichnen?
Ich würde diesen Kopfschmerz gern wieder an die Marketingabteilung abtreten. Vielleicht tendiere ich beim zweiten Buch eher zum Roman. Weil ich freier im Schreiben war, vor allem mutiger in der Dramaturgie. Ich glaube nicht, dass meine Bücher (jetzt sind es ja zwei) sich irgendwie anders lesen, als jene, auf denen ganz klassisch Roman steht. Also ja, Marketingabteilung, your time to shine!

In deinem neuen Buch spielen Bürokratie und Korruption eine wichtige Rolle – wie symbolisch sind diese Themen?
Eine Familie macht den Staat. Und der Staat macht die Familie. Meine Familie hat zwei Staatsleben geführt. Deswegen ist es für mich spannend herauszufinden, wie der Ort, an dem man lebt, mehr noch die politischen Umstände, Familien beeinflussen. Ob man darauf vertraut, dass die Gullideckel unter den Füßen fest sind oder man hereinstürzt beim Vorbeigehen, das verändert auch Familienspaziergänge. Funktionierende Verwaltung und leider noch besser funktionierende Korruption sind zwei wesentliche Komponenten dieser Formel.

Auf dem Cover sind mehrere Katzen zu sehen, welche Rolle spielen Katzen in dieser Geschichte?
Nun ja, meine Mutter hat vor einiger Zeit eine Zucht sibirischer Katzen begründet. Das ist dann demographisch ein wenig eskaliert. Zum Großreich Katzastan. Ich bat meine Mutter, auch auf Vater und mich, die wir keine Kater sind, Rücksicht zu nehmen. Das tat sie leider nicht. Sie werden lachen, aber problematische Verhältnisse zu Müttern sind eine große Sache. Erst Recht, wenn das Mauzen ihrer Katzen einem bis nach Kiew und selbst in den Schlaf folgt.

Was ich am meisten an deinen Texten bewundere, ist das Nebeneinander von Komik und Tragik, wobei die Komik aus der Tragik entsteht und umgekehrt. Wie wichtig ist der Humor für dein Schreiben?
Ich freue mich sehr, dass die Leute finden, meine Texte hätten Humor. Tragisch gerahmt zwar, aber Humor. Dadurch fühle ich mich wie ein besonderer, zumindest angenehmer, verständiger Mensch. Auch weil Humor etwas ist, worauf ich wiederum sehr bei anderen achte. Jemandem, der drei Witze hintereinander nicht lacht, misstraue ich grundsätzlich.

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