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Ein wenig Leben

Hanya Yanagihara

Ein Buch, das “dich verrückt machen, verschlingen und von deinem Leben Besitz ergreifen kann”. Das schrieb der New Yorker über Hanya Yanagiharas Roman “Ein wenig Leben”. Doch warum hat dieses Buch eine so außergewöhnliche Wirkung?

“Ein wenig Leben” handelt von der Jahrzehnte währenden Freundschaft zwischen vier Männern. Sie waren Zimmerkameraden am College und sind nach dem Studium nach New York gezogen, um dort ihre beruflichen Karrieren zu beginnen. Der gutaussehende und sanfte Willem Ragnarsson wuchs auf einer Farm in Wyoming in kargen Verhältnissen auf, jetzt kellnert er und träumt von Engagements als Schauspieler. Jean-Baptiste “JB” Marion, der geliebte Sohn von Einwanderern aus Haiti, strebt eine Künstlerkarriere an. Doch vorerst arbeitet er an der Rezeption einer angesagten Kunstzeitschrift und hofft darauf, entdeckt zu werden. Malcolm Irvine stammt aus wohlhabendem Elternhaus und leidet unter den Erwartungen seines Vaters, eines erfolgreichen afroamerikanischen Juristen. Die charismatische Figur im Zentrum des Buches aber ist der brillante und enigmatische Jude St. Francis, von dessen Leben seine Freunde so gut wie nichts wissen – weder davon, wo er herkommt, noch von seiner sexuellen Identität oder von der Geschichte seiner körperlichen Versehrtheit und der Schmerzen, von denen er immer wieder geplagt wird.


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Auch für uns als Leser erschließt sich das Geheimnis von Judes Leben nur sehr langsam; irgendwann erfahren wir, dass er als Findelkind bei Mönchen in einem Kloster aufwuchs, doch das ist nur der Anfang einer Geschichte, die so atemberaubend ist, dass man manche Passagen immer wieder lesen möchte und vor anderen zurückschreckt, weil man die Nähe einer schmerzhaften Wahrheit spürt.


Was als atmosphärisch dichter New-York-Roman beginnt, entwickelt sich nach und nach zu etwas Größerem und zugleich Riskanterem. Hanya Yanagihara bricht mit den Erwartungen, die wir an einen Gegenwartsroman herantragen. Sie zieht uns den Boden des Vertrauten unter den Füßen weg und tief hinein in eine wahrhaft erschütternde und zugleich fast unwirklich schöne Geschichte, die man mit derselben Unbedingtheit und Versunkenheit liest, mit der man als Kind gelesen hat.


Ich möchte ihre Geheimnisse hier nicht verraten. Wovon sich aber erzählen lässt, ist die Wirkung, die “Ein wenig Leben” seit seinem ersten Erscheinen in den USA bei den Lesern hinterlassen hat. Denn dort wie in anderen Ländern hat sich um dieses Buch ein leidenschaftliches Gespräch unter Lesern entwickelt, und es ist, als ginge es dabei nicht nur um einen besonderen Roman, sondern immer auch um die Leben der Leser selbst: um Freundschaft, um Verletzungen in der Vergangenheit, darum, wie wir richtig leben, mit den Menschen, die uns nahe sind. “Ein wenig Leben” ist ein tief bewegendes Buch – eines der seltenen, die im Leben ihrer Leser etwas hinterlassen, das bleibt.


Karsten Kredel
Verlagsleiter Hanser Berlin

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Buch und Hörbuch

Jude, JB, William und Malcolm: vier Männer in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe – ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Wie in ein schwarzes Loch werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. “Ein wenig Leben” ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch.


Roman
Aus dem Englischen von Stephan Kleiner
960 Seiten. Gebunden mit besonderer Ausstattung
Auch als E-Book erhältlich
Erscheint am 30. Januar 2017


Hörbuch
Gekürzte Lesung von Torben Kessler
4 mp3-CDs
Erscheint am 30. Januar 2017

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Die Autorin: Hanya Yanagihara

Hanya Yanagihara, 1974 geboren, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin. Sie ist Redakteurin beim Stilmagazin T der New York Times. “Ein wenig Leben” gewann den Kirkus Prize und stand auf der Shortlist des Man Booker Prize, des National Book Award und des Baileys Prize. Es ist eines der bestverkauften und meistdiskutierten literarischen Werke der vergangenen Jahre. Eine Verfilmung durch den Oscar- und Emmy-Preisträger Scott Rudin (Produzent von u. a. “The Social Network”, “No Country for Old Men”, “Frances Ha” und “Grand Budapest Hotel”) ist in Vorbereitung.


Hanya Yanagihara auf Twitter:
@YanagiharaHanya
@Alittlelifebook


Hanya Yanagihara auf Instagram:
@YanagiharaHanya
@Alittlelifebook

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Leseprobe

Er sprach Deutsch und Französisch. Er kannte das Periodensystem auswendig. Er konnte – ohne es zu wollen – große Teile der Bibel nahezu lückenlos aus dem Gedächtnis aufsagen. Er hätte bei der Geburt eines Kalbes helfen, eine Lampe anschließen, einen Abfluss reinigen und einen Walnussbaum auf die effizienteste Weise abernten können; er wusste, welche Pilze giftig waren und welche nicht, wie man Heuballen machte, wie man durch Klopfen herausfand, ob eine Wassermelone, ein Apfel, ein Kürbis oder eine Zuckermelone reif waren. (Und dann wusste er noch Dinge, die er lieber nicht gewusst hätte, Dinge, von denen er hoffentlich nie wieder Gebrauch würde machen müssen, Dinge, die ihn sich, wenn er an sie dachte oder nachts von ihnen träumte, vor Hass und Scham krümmen ließen.)


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Und doch erschien es ihm häufig so, als wüsste er eigentlich nichts, das von wahrer Bedeutung oder wirklichem Nutzen war. Die Sprachen und Mathematik, na schön. Aber er wurde täglich daran erinnert, wie viel er nicht wusste. Von den Sitcoms, auf die alle ständig anspielten, hatte er nie gehört. Er war nie im Kino gewesen. Er hatte nie Urlaub gemacht. Er war nie im Zeltlager gewesen. Er hatte nie Pizza oder Eis am Stiel oder Macaroni and cheese gegessen (und ganz sicher auch nicht – im Gegensatz zu Malcolm und JB – Foie gras, Sushi oder Rindermark). Er hatte nie einen Computer oder ein Telefon besessen, hatte kaum je ins Internet gehen dürfen. Ihm wurde bewusst, dass ihm nie irgendetwas wirklich gehört hatte: Die Bücher, auf die er so stolz war, die Hemden, die er wieder und wieder flickte, sie waren alle nichts, waren Müll, und sein Besitzerstolz war beschämender, als gar nichts zu besitzen. Die Seminarräume der Universität waren die sichersten Orte und die einzigen, an denen er Zuversicht entwickelte: Überall sonst stürzte eine endlose Lawine aus Rätseln auf ihn ein, jedes verblüffender als das vorherige, jedes eine neuerliche Erinnerung an seine bodenlose Ignoranz. Unbewusst begann er, Listen von Dingen zu erstellen, die er gehört oder gesehen hatte. Doch er konnte niemanden nach den Antworten fragen. Das wäre ein Eingeständnis seines Andersseins gewesen, das weitere Fragen nach sich gezogen hätte und ihn ungeschützt hätte dastehen lassen und unweigerlich zu Gesprächen geführt hätte, zu denen er eindeutig nicht bereit war. Er fühlte sich oft weniger wie jemand, der aus einem anderen Land kam – denn selbst die Austauschstudenten (selbst Odval, die aus einem Dorf nahe Ulan Bator kam) schienen diese Anspielungen zu verstehen –, als wie jemand, der einer anderen Zeit entstammte: Er hätte auch im neunzehnten Jahrhundert aufgewachsen sein können, so viel hatte er offenbar verpasst und so obskur und rein dekorativ wirkte das Wissen, über das er tatsächlich verfügte. Wie kam es, dass anscheinend alle seine Kommilitonen, ganz gleich ob sie in Lagos geboren waren oder in Los Angeles, mehr oder weniger dieselben Erfahrungen gemacht hatten, dieselben kulturellen Referenzen in sich trugen? Musste es nicht irgendwo jemanden geben, der ebenso wenig wusste wie er? Und wenn nicht, wie sollte er seinen Rückstand je aufholen?

“Dieses Buch hat mich in einen Leseexzess gezwungen, mit allen Symptomen einer Sucht oder Verliebtheit. Und weil man sich als Süchtiger oder Verliebter nicht sonderlich für den Rest der Welt interessiert, habe ich auch erst nach diesem Trip erfahren, dass es vielen anderen genauso ging.”
Jackie Thomae, Journalistin und Schriftstellerin
„Jude ist noch ein Junge, als ihm Grausames angetan wird. Tiefe Verunsicherung und die Verschattung seines Selbst sind die Folge. Innerhalb des fantastischen Romans ‘Ein wenig Leben’ von Hanya Yanagihara versteckt sich eine Parabel, die von Gut und Böse, von Liebe und Hoffnung erzählt. Sie fordert eine persönliche Antwort auf die Frage nach dem Wert eines Menschenlebens und wo Menschlichkeit nottut.“
Jo Fürst, Autorenbuchhandlung Berlin
“Wo liegen die Grenzen von Freundschaft? Von Liebe? Es gibt Beziehungen im Leben, die dich an den Rand dessen bringen, was dein Herz zu ertragen vermag, und es gibt Erfahrungen, die dir dabei helfen, die Grenze dessen zu erfahren, was es heißt, ein Mensch zu sein. ‘Ein wenig Leben’ ist eine solche Erfahrung.”
Erin Edmison, Buchscout
“Seit ich ‘Anna Karenina’ gelesen habe, hat mich kein Buch so grundlegend erschüttert. Ich habe das Gefühl, dass Hanya Yanagihara ein Gespräch über Erfahrungsebenen ermöglicht, über die man zuvor nicht sprechen konnte.”
Daniel Schreiber, Journalist und Schriftsteller
“Für mich ist ‘Ein wenig Leben’ die Geschichte jener fürsorglichen, lebenswichtigen Freundschaften, die so vielen von uns, die wir in Städten leben, Singles und kinderlos sind, alles bedeuten. Mehr als die Familie. Mehr als Liebschaften. Hanya Yanagihara zeigt, wie wir leben und dass wir wählen können, wem wir die Erfüllung unserer innersten Bedürfnisse anvertrauen.”
Elisabeth Kerr, Verlagsmitarbeiterin
“‘Ein wenig Leben’ bildet eine Art von Liebe und Hingabe ab, die geschlechtslos ist und folglich grenzenlos und angefüllt mit purer Schönheit. Dieses Buch ist alles.”
Szilvia Molnar, Schriftstellerin und Literaturagentin

Video

Sie werden über dieses Buch sprechen wollen. Fangen wir damit an!

Wie ging es Ihnen beim Lesen von Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara? Welche Szene wird Sie begleiten, auch lange nachdem Sie das Buch gelesen haben? Was hat Sie besonders beeindruckt?
Das Buch ist noch nicht erschienen, aber einige Vorab-Leser wie Torben Kessler, der Sprecher des Hörbuchs, oder Verlagskollegen, haben uns Ihre Eindrücke bereits per Video geschickt. Gerne möchten wir auch die Kollegen aus dem Buchhandel anregen, uns von ihrem Leseerlebnis in Form eines kurzen Videos zu erzählen. Entstehen soll daraus ein großes, vielstimmiges Video der Leser des Romans.


WAS ZU TUN IST:


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Nehmen Sie mit einer Kamera oder Ihrem Handy ein etwa 30-sekündiges Video mit Ihrer Stimme zum Roman auf.
Wenden Sie sich per per E-Mail an yanagihara@hanser.de, damit wir Ihnen bei der Übertragung der Videodatei behilflich sein können.
Nennen Sie uns bitte Ihren Namen (und falls gewünscht auch einen Beruf, eine Funktion, einen Ort), den wir zu Ihrer Stimme im Video einblenden dürfen.


DAS RECHTLICHE:


Wir können aus technischen, rechtlichen und aus Gründen der Länge nicht alle Videos
verwenden und behalten uns daher eine Auswahl oder Kürzung vor.
Das Video wird auf all unseren Kanälen (Website, Social Media) und denen unserer Partner aus Handel, Presse, etc. verbreitet. Dafür räumen Sie uns unentgeltlich ein räumlich und zeitlich unbeschränktes Nutzungsrecht ein.

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Das Cover

Zu intim? Zu herausfordernd? Hanya Yanagihara über das Covermotiv ihres Romans

“Ich wünschte, ich könnte behaupten, ich hätte von Beginn an die Vision – oder den Weitblick – gehabt, Peter Hujars Fotografie »Orgasmic Man« als das richtige Motiv für den Umschlag meines Buches zu erkennen. Ich kannte natürlich Hujars Werk; ich erinnere mich bis heute daran, wie ich als Teenager seinem Porträt der kleinen Tochter eines Freundes begegnete, eines weißblonden Mädchens, das auf einem Sofa sitzt und einen Ball hüpfen lässt, ihr Gesicht und das Bild selbst erfüllt von jener Mischung aus Gravität und Würde, die allen Arbeiten Hujars zu eigen ist. Doch erst, als mein bester Freund – der zugleich mein erster Leser und Lektor ist; so viel von dem Buch, von seiner Philosophie bis zu seinem Erscheinungsbild, ist von seinem Einfluss geprägt – dieses bestimmte Bild vorschlug, wusste ich, dass es so sein sollte.”


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Niemand wusste am Anfang so richtig, wie man dieses Buch vermarkten sollte. Das vorherrschende Gefühl war, dass eine sanfte Täuschung angebracht sein könnte. Mein amerikanischer Verlag wollte das Buch als ein Exemplar des beliebten Genres des zeitgenössischen New Yorker Bildungsromans präsentieren. (Zu meinem Entsetzen hatte mein Lektor die Idee, es als »Kreuzung aus Friends und Marcel Proust« zu beschreiben.) Vor diesem Hintergrund war es vielleicht nicht überraschend, dass Hujars Fotografie von allen abgelehnt wurde: den Marketingleuten, den Verlagsvertretern, den Buchhändlern. Das Bild schien zu übergriffig zu sein, zu intim, zu herausfordernd.
Sie hatten nicht Unrecht. Und doch sind es genau diese Eigenschaften, derentwegen ich das Bild liebe. Es schien mir die denkbar aufrichtigste Werbung für das Buch zu sein. Empfindet der Mann Schmerzen oder Lust? Ist er ekstatisch oder tief verzweifelt? Man hat das Gefühl, dass man Zeuge eines fast unerträglich intimen Moments wird, dass man etwas sieht, was man eigentlich nicht sehen sollte. Wir verstehen, dass wir Eindringlinge sind, und doch können wir nicht wegschauen. Auf diese Weise, das ist meine Hoffnung, enthält das Cover ein Echo der Lektüre des Buches selbst, der Art, wie man hin- und hergerissen ist zwischen Hinschauen und Wegschauen, zwischen Widerwille und Zuneigung. (Übrigens findet das Rätsel des Ausdrucks des Mannes seinen Widerhall im Rätsel des Mannes selbst: Man weiß, dass er Dutch Anderson hieß, doch es gibt keinerlei Hinweise darauf, wo oder ob er heute lebt.)
Die Veröffentlichung von Ein wenig Leben hat mir viele unerwartet beglückende Momente gebracht. Eines der Dinge, die mich am meisten freuen, ist die Wiederentdeckung von Hujars Werk durch eine neue Generation von Liebhabern. Er war gerade 53 Jahre geworden, als er an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung starb. Mein Buch ist natürlich nicht ausschließlich oder auch nur hauptsächlich für diese Wiederentdeckung verantwortlich, aber wenn es einige Leser auf Hujar und seine großartige Kunst gebracht hat, wäre mir das eine große Ehre: Kunst ist immer im Dialog mit anderer Kunst, ob bewusst oder unbewusst, und wann immer ein Künstler diesem Dialog eine Zeile hinzufügt, ist das eine wunderbare Erfahrung.

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Social Media

Im englischsprachigen Raum sind bereits zahlreiche Beiträge unter dem Hashtag #alittlelifebook veröffentlicht worden.
Wir freuen uns, wenn Sie für Ihre Gespräche über “Ein wenig Leben” das Hashtag #einwenigleben benutzen.

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