36,9°

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Nora Bossong

Kann man ein ganzes Land retten und gleichzeitig hoffnungslos verliebt sein?

Anton Stövers Ehe ist zerbrochen, seine Affären sind vorbei, als Wissenschaftler ist er in der Sackgasse. Er will in Rom über Antonio Gramsci, die prägende Gestalt des italienischen Kommunismus, forschen. Dort begegnet er einer jungen Frau, in die er sich obsessiv verliebt. Währenddessen beschäftigt er sich weiter mit der Vergangenheit: Der gebrechliche, fieberkranke Gramsci erholt sich in einem sowjetischen Sanatorium. Er soll Italien vor der Machtübernahme durch Mussolini bewahren, doch stattdessen verliebt er sich in eine russische Genossin. Nora Bossong erzählt mit feinem Sinn für das Absurde vom Konflikt zwischen den großen Gefühlen für einen Menschen und dem Kampf für eine große Sache.


Über den Autor

Nora Bossong

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Nora Bossong, 1982 in Bremen geboren, studierte in Berlin, Leipzig und Rom Philosophie und Komparatistik. Zuletzt erschienen im Hanser Verlag der Gedichtband Sommer vor den Mauern (2011), der Roman Gesellschaft mit beschränkter ...

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Nora Bossong liest bei zehnSeiten

Presse

"Dass der Journalist, Politiker und Philosoph allen Widrigkeiten zum Trotz auch ein großer Liebender war, zeigt Nora Bossong auf ebenso originelle wie berührende Weise. Der Roman als Ganzes vollzieht eine sinnliche Annäherung an den überragenden Theoretiker und blendet dazu immer wieder in vollendeter personaler Erzählweise in Gramscis Kindheit und Jugend zurück." Kathrin Hillgruber, Frankfurter Rundschau, 12.01.16

"Da sage keiner mehr, dass sich die deutschsprachige Literatur allein mit ausladenden Generationensagas oder tiefschürfenden Liebesdramen befasse und die großen politischen und ideologischen Debatten scheue. ... Nora Bossong gelingt es, die theroretischen und politischen Diskussionen jener Jahrzehnte plausibel zu machen, ohne in einen dozierenden Ton zu verfallen." Rainer Moritz, Neue Zürcher Zeitung, 09.01.16

"Sie erzählt das Leben dieser kommunistischen Ikone in einer flirrend-sinnlichen, mitunter sogar fiebrig scheinenden Prosa." Oliver Pfohlmann, Der Tagesspiegel, 08.11.15

"Intelligent verknüpft Schriftstellerin Nora Bossong die Geschichten zweier Männer miteinander, die zugleich getrieben und gelähmt werden von großen Gefühlen und noch größeren Idealen. Das schmückt sie mit starken Beschreibungen und einer herrlich frischen Sprache." Astrid Benölken, Süddeutsche Zeitung, 22.10.15

"Ein Wissenschafts- und Politkrimi, zwei tragische, über ein halbes Jahrhundert hinweg verschlungene Liebesgeschichten und das eindringliche, präzise Porträt eines Philosophen, dessen Konzept einer für alles Fremde offene Zivilgesellschaft bestürzend aktuell ist: Gramsci, dessen Schriften erst 1991 in einer verlässlichen Ausgabe auf Deutsch erschienen, ist hier neu zu entdecken." Nicole Henneberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.15

"Nora Bossong, die mit ihren 33 Jahren bereits eine so auffallend versierte Lyrikerin und Romanautorin ist, absolviert die Gegenüberstellung ihrer beiden Helden mit Leichtigkeit und Charme." Katrin Hillgruber, Bayern 2 Diwan, 12.09.15

"Ein kluger wie leidenschaftlicher Roman über den marxistischen Denker und Politiker Antonio Gramsci. ... Ein Buch, das einen ganz in seinen Bann zieht. Dessen Lektüre fasziniert, weil hier mit großer Schlagfertigkeit, ohne jeden falschen nostalgischen Ton davon erzählt wird, wie heftig der Kampf um politische Überzeugungen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in Europa tobte." Simon Strauß, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.09.15

5 Fragen an …

Nora Bossong

Nora Bossong, »36,9°« ist ein politischer Liebesroman, er erzählt von revolutionären Umbrüchen ebenso wie von Zuneigung, Hingabe und purer Lust. Was reizt Sie an der Kombination von Liebe und Politik?

Mir fällt ein Satz ein, den das Vorbild einer meiner Romanfiguren einmal gesagt hat, nämlich der italienische Kommunist Antonio Gramsci: »Wie oft habe ich mich gefragt, ob eine wirkliche Beziehung zu einer Masse von Menschen mo?glich ist fu?r jemanden, der nie einen Menschen geliebt hat.« Dieser Satz war mir sehr wichtig beim Schreiben. Politik, so wie Gramsci sie noch verstand, bei der es um die Umwälzung der ganzen Gesellschaft ging, ist ein gewaltiges Wagnis. Und ein solches ist auch, nur eben im Privatesten und Intimsten, die große Liebe. Beides hat etwas Überwältigendes, in beidem gehen wir an unsere Grenzen oder wachsen sogar über uns hinaus. Und beide können sie auf das Fatalste schiefgehen: Ein Himmel auf Erden, der totalitär werden kann.

Sie sagten es schon, einer Ihrer Protagonisten ist eine historische Figur: Der 1937 in faschistischer Haft verstorbene Antonio Gramsci. Was fasziniert Sie an ihm?

Gramsci war eine Hoffnungsfigur, an der entlang man noch weit über seinen Tod hinaus einen anderen, menschlichen Kommunismus für Europa erträumte. Aber er war nicht nur ein außergewöhnlicher Denker und zäher Politiker, sondern auch ein sehnsüchtiger und verletzlicher Mensch. Kleinwüchsig und verwachsen, traf er mit 31 Jahren seine große Liebe Julia Schucht. Sie riss ihn aus seinem strengen intellektuellen Korsett und begleitete ihn auf dem Grenzgang zwischen politischer Pflicht und persönlichem Glück. Sie war sein Lebensmittelpunkt, selbst dann noch, als sie während seiner langen Haft zunehmend zu einem Phantom für ihn wurde.

Ebenso wichtig wie die Romanfigur Gramsci ist ihr Gegenüber in der Gegenwart – der großartig klägliche Gramsci-Forscher Anton Stöver. Wie sind Sie auf diese durchaus unvergessliche Figur gekommen?

Es begann schlicht: Ich verzweifelte gerade an meiner Magisterarbeit, die Uni erschien mir als Ort farblosen Stils, einbetonierten Denkens und stumpfer Drittmittelakquise – und so ließ ich lieber Anton Stöver an meiner Stelle in einer wissenschaftlichen Karriere scheitern. Mit der Zeit wuchs er zu einer klaren Antifigur von Gramsci heran: Ein Mann, der an nichts mehr glaubt, sondern nur noch um sich selbst kreist, der seine Liebespartner zerstören will, um sich selbst zu retten.

Sie kommentieren das Zeitgeschehen regelmäßig durch Artikel, Essays und auch Ihre Romane. Was wünschen Sie der politischen Diskussion in Deutschland?

Mehr Mut, mehr Weitsicht, mehr Anarchie im Denken! Die Welt sehen, anstatt auf den eigenen Bauchnabel zu starren. »Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen«, hat Helmut Schmidt einmal gesagt. Aber wer keine Visionen mehr hat, der sollte sich fragen, ob er überhaupt noch am Leben ist.

Und jetzt? Wie fühlt man sich nach einem solchen Buch?

Einen Roman zu beenden ist wie eine Beziehung zu beenden: Man lebt so eng mit den Figuren zusammen, liest ihre Briefe, kennt ihre Tagesabläufe, ihre Sorgen und Hoffnungen und Neurosen. Ich vermisse Gramscis Kraft und seinen störrischen Humor, Antons hoffnungslose Suche nach Rausch und Nähe. Aber es ist auch erleichternd, sie endlich den Lesern zu überlassen.

Termine

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Kloster
Gerhart-Hauptmann-Haus, Arbeitszimmer,
Kirchweg 13,
18565 Kloster

Nora Bossong: "36,9°". Im Rahmen der Deutsch-Israelischen Literaturtage 2016.

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Laudenbacher Tor 4,
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