Kommt ein Pferd in die Bar

Kommt ein Pferd in die Bar

David Grossman

Kann Humor Leben retten? Oder wenigstens die Seele eines Jungen? Der neue große Roman von David Grossman.

Für eine gute Pointe gab Dovele schon immer alles. Als Kind lief er oft auf den Händen. Er tat das, um seine Mutter zum Lachen zu bringen und damit ihm keiner ins Gesicht schlug. Heute steht er ein letztes Mal in einer Kleinstadt in Israel auf der Bühne. Er hat seinen Jugendfreund, einen pensionierten Richter, eingeladen. Im Laufe des Abends erzählt der Comedian zwischen vielen Witzen eine tragische Geschichte aus seiner Jugend. Es geht um Freundschaft und Familie, Liebe, Verrat und eine sehr persönliche Abrechnung auf dem Weg zu einer Beerdigung. Dem Kleinstadtpublikum ist das Lachen vergangen. Den Leser hält David Grossman mit diesem grandiosen Roman bis zur letzten Zeile gefangen.


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David Grossman

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David Grossman wurde 1954 in Jerusalem geboren und gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern der israelischen Gegenwartsliteratur. 2008 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis, 2010 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Bei ...

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Kommt ein Pferd in die Bar

Presse

"Ein fabelhafter Roman." Uwe Wittstock, Focus Mai 2016

"Ein großartiges Buch. Ich werde es heftigst weiterempfehlen. ... Atmosphärisch wunderbar beschrieben." Christine Westermann, Das Literarische Quartett, 29.04.16

"Ein fantastisches Buch. ... Worum geht es letztlich in der Literatur? Zumal in der erzählenden Literatur geht es sehr stark darum, das Leben eines anderen Menschen, der einem vorher fremd gewesen ist, so zu vergegenwärtigen und so auszuerzählen, dass man diesen Menschen versteht. Und genau das tut dieses Buch über 250 Seiten. Man hat danach ein Leben miterlebt und ist von diesem Leben ergriffen worden. ... Das ist große Psychologie." Uwe Wittstock, Das Literarische Quartett, 29.04.16

"David Grossman st ein großartiges Buch gelungen, es ist atemberaubend und fesselnd bis zuletzt. Ein trauriges Buch, voller Einsichten und Fragen und Rätsel über die menschliche Natur – und am Ende mit einem Schimmer Hoffnung. Was für ein geglücktes Werk." Stefan Berkholz, WDR3, 19.04.16

"Doveles Geschichte entwickelt eine solche Wucht, eine solche existenzielle Unabweisbarkeit, dass der Leser, ganz wie Doveles Publikum, gebannt an seinen Lippen hängt. Ein großer Erzähler hat uns mit einem schlechten Witz reingelegt, um uns nur umso tiefer in den Lebensernst hineinzuziehen." Ijoma Mangold, Die Zeit, 14.04.16

"David Grossman hat mit Dovele Grinstein eine unvergessliche Figur geschaffen. Sie kommt aus der Tiefe der israelischen Gesellschaft und geht einem doch ganz unabhängig von ihrer nationalen Zugehörigkeit ans Herz – in ihrem Leid, ihrer Widerborstigkeit, ihrer Verletzlichkeit und Aggressivität. Dovele Grinstein steckt – wie auch Richter und Saalpublikum – in jedem von uns." Carsten Hueck, Ö1 Ex libris, 10.04.16

"Ein grandioses Kammerspiel zweier Männer und einer Frau um Schuld, Verrat und Selbstfindung." Eva-Elisabeth Fischer, Süddeutsche Zeitung, 06.04.16

"Es geht um verratene Freundschaft, schicksalshafte Fehlentscheidungen, Verlust und Läuterung, nicht Wiedergutzumachendes und die Sehnsucht nach Wiedergutmachung. Um das Leben, die Liebe, den Tod sowieso. Grossman verhandelt das alles virtuos in einem brillanten literarischen Experiment, dem man atemlos beiwohnt, manchmal in der Ungewissheit, ob man das unbeschadet überstehen wird." Christina Dany, Falter, 16.03.16

"Dieser Roman beeindruckt und berührt. Bei der Lektüre empfindet man das Wechselbad zwischen Comedy und Tragik intensiv, wird gezwungen, sich mit den Themen, die Grossman anspricht, auseinanderzusetzen. Themen wie Umgang mit der Vergangenheit, kollektive Gleichgültigkeit, Empathie, Schuld, Einsamkeit, Befreiung. ... David Grossman beschreibt seine Figur Dovele mit derselben Einfühlsamkeit, die auch sein ganzes Werk auszeichnet." Britta Spichiger, SRF2 Kultur, 06.03.16

"David Grossman blickt in seinem neuen Roman tief in die Psyche Israels." 3sat Kulturzeit, 02.03.16

"Die Lebensbeichte Doveles auf der Bühne, der Blick in die Hölle, die politische wie psychologische Klarsicht machen das Buch zum grandiosen Psychogramm einer Gesellschaft, die das Leid anderer ausradiert. ... Eines der eindringlichsten Bücher der Saison." Cornelia Zetzsche, Bayern 2 Diwan, 27.02.16

"Bei aller Zartheit , die durchscheint, ist der Roman so explosiv wie die israelische Wirklichkeit – und ein erzählerisches Meisterwerk über Menschlichkeit in schweren Zeiten." Marie Luise Knott, Neue Zürcher Zeitung, 16.02.16

"Ein literarisch unglaublich intensiver Text, den man nicht aus der Hand legen kann. Er schüttelt einen durch und man kann sich nicht davon befreien – so sehr springt einen diese Geschichte an. ... Ein absolut ungewöhnlicher Text mit einer tiefen Wirkung für jeden Leser." Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur, 16.02.16

"Sehr, sehr anrührend und ungewöhnlich. ... David Grossman ist ein großes Buch gelungen." Rainer Moritz, NDR Kultur, 16.02.16

"Eine ebenso einfache wie unfassbare Geschichte, elementar, existenziell, knapp orchestriert, mit minimalem Setting, krachendem Witz und doch so abgründig, dass es einen schaudert. Er spielt mit unseren Gefühlen, krempelt uns an Leib und Seele um. Dabei ist das Ganze so unterhaltsam wie ein Abend im Varieté. ... Wie kann man das Leid eines anderen anerkennen, wie durch einen Blick zu verstehen geben, dass man es sieht? Das ist die große Frage dieses Romans, dem die Geschichte Israels ebenso in den Knochen sitzt wie David Grossmans Lebenserfahrung." Meike Feßmann, Der Tagesspiegel, 13.02.16

"Der Roman ist bei aller Zartheit, die durchscheint, finster und explosiv und auf diese Weise vollständig auf der Höhe nicht nur der israelischen Wirklichkeit. Dieses Buch dürfte nach 'Eine Frau flieht vor einer Nachricht' Grossmans Ruf als bedeutendste Stimme Israels weiter festigen." Marie Luise Knott, Deutschlandradio Kultur, 12.02.16

"David Grossman hat einen herzzerreißenden Roman über einen Comedian geschrieben, der eine Nacht lang gegen sein Trauma anspielt. ... Erst im Frieden, hat Grossman kürzlich gesagt, kann das Beste eines Volkes zum Tragen kommen. Der neue Roman, der nur in einem Saal in Netanja spielt, in den aber alles hineinragt, was Israel an ungelösten Problemen quält, führt vor, wie unendlich, wie fast unerreichbar fern diese Zeit noch ist." Martin Ebel, Die Welt, 06.02.16

"...wieder hat man ein großes Gefühl (unter so vielen Gefühlen, die ausgelöst werden: Ekel, Mitleid, Zorn...): dass man hier beim Lesen etwas erlebt, das einem nur alle paar Jahre passiert." Peter Pisa, Kurier, 06.02.16

"Diese fast schon experimentelle Textgestaltung kannte man bisher nicht von Grossman: Vom ersten Satz an trifft er in diesem Roman dennoch traumwandlerisch sicher eine wechselnde Tonlage zwischen Spaß und Ernst, der man sich nicht entziehen kann." Reinhard Helling, Jüdische Allgemeine, 04.02.16

"Bei Grossman entpuppt sich der Witz als Überlebensmöglichkeit, als Weg, um mit den Erinnerungen zu leben, die das Schicksal einem zumutet. … Niemand, der dieses Buch liest, bleibt davon unberührt. … Die erzählerische Intensität des neuen Romans von David Grossman rührt zu Tränen. Sie ist fast schon schmerzhaft." Claudia Voigt, Literatur Spiegel, 30.01.16

"Kein amüsanter, sondern ein schockierend-geglückter Roman. Denn in der Komik liegen Grausamkeit und Schmerz. … 'Kommt ein Pferd in die Bar‘ ist ein ergreifend trauriger und grausam komischer Roman, hinter dessen Lachfalten das Elend seines Helden immer schmerzhafter hervortritt. Dieses Buch ist David Grossmans bislang riskantestes und innovativstes erzählerisches Abenteuer, immer auf Messers Schneide zwischen Farce und Tragödie, Grauen und Mitleid, Höllengelächter und Höllenpein. … Vom Comedy-Standpunkt gesehen ein schockierend verunglückter Abend, aus literarischer Sicht jedoch ein schockierend geglückter Roman." Sigrid Löffler, Deutschlandradio Kultur Lesart, 01.02.16

"Eines der faszinierendsten Bücher, das ich seit langer Zeit gelesen habe." Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur, 29.01.16

5 Fragen an …

David Grossman

Die Hauptfigur Ihres neuen Romans ist ein Comedian. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Wenn ich wüsste, woher die Ideen kommen, hätte ich mich dort mein Lebtag aufgehalten … Jahrelang habe ich nach der richtigen Möglichkeit gesucht, diese Geschichte zu erzählen. Dann, eines Abends, schoss es mir durch den Kopf: Der Erzähler sollte ein Comedian sein, die Verbindung von Tragödie und Gelächter könnte der richtige Weg sein, eine solche Geschichte zu erzählen; und sie wird auf der Bühne erzählt – vor unbekannten Zuhörern, damit wir – die Leser und der, der sie aufschreibt – die tiefe Einsamkeit dieses Mannes spüren, der wildfremden Menschen von seiner innersten Erfahrung erzählen muss.
Im Zentrum der Geschichte steht ein Junge, der im Taxi zu der Beerdigung eines Elternteils gefahren wird. Aber er weiß nicht, ob sein Vater oder seine Mutter gestorben ist. Was geht in seinem Kopf vor?
Während der vier Stunden Fahrt zur Beerdigung glaubt er, solange er nicht entscheidet, wer gestorben ist – wird keiner sterben. Als er zum Friedhof kommt, spürt er, dass er zu einer Entscheidung kommen muss. Bis dahin kämpfen Mutter und Vater erbittert – in seinem Kopf –, damit er nicht „wählen“ muss, wer stirbt. Und dann kommt ein Moment, in dem er entscheiden muss, und er wägt ab – einen gegen den anderen – nicht nur, wen er mehr liebt, Papa oder Mama, sondern auch, welche Art von Leben er führen will, das von Papa oder von Mama?
Während der Fahrt erzählt der Taxifahrer dem Jungen eine Menge Witze. Warum?
Der Fahrer aus der Armee, der Dovele – damals vierzehn Jahre alt – zur Beerdigung fährt, begreift plötzlich, dass niemand dem Jungen gesagt hat, wer eigentlich beerdigt wird – seine Mutter oder sein Vater. Er fühlt mit dem Jungen mit. Er will etwas tun, um Dovele von der unerträglichen Situation abzulenken.
Der Fahrer ist ein einfacher Mann, doch er verfügt über tiefe menschliche Intuition. Und so fängt er an, Dovele Witze zu erzählen. Anfangs ist der Junge sprachlos darüber, weil er das als taktlos, ja grausam empfindet. Dann, nach und nach, schlagen die Witze ihn in ihren Bann und er fühlt, dass der Mann aus Anstand und Mitleid handelt.
Ich bin immer schon der Meinung gewesen, dass die Fähigkeit, in einer schwierigen Situation Humor aufzubringen, ein Akt der Freiheit ist. Als ob man sich selbst aus einer willkürlichen und bedrückenden Situation „herausreißt“, nur weil man in der Lage ist, sie mit anderen Augen zu betrachten. Dann ist man auf einmal kein hilfloses Opfer dieser Situation mehr.
Der Comedian hat einen alten Freund zu diesem Abend eingeladen. In welchem Verhältnis stehen die beiden Männer zueinander?
Die beiden Männer waren einer des anderen bester Freund, als sie 14 waren. Ein schmerzhafter Verrat hat sie für mehr als 40 Jahre voneinander entfernt. Jetzt hat der Comedian, Dovele, seinen Freund zu seinem Auftritt eingeladen. Er möchte, dass sein Freund – der inzwischen ein bekannter Richter ist – ihn sieht, ihn wirklich und von Grund auf sieht und ein privates, vertrauliches Urteil über ihn fällt. Im Laufe der Handlung sehen wir, dass der Richter diesmal möglicherweise auch selbst zum Angeklagten wird, aber vielleicht kann er seinen Freund auch befreien, indem er ihm gegenüber so loyal ist, wie er es noch nie war. Die Situation ermöglicht es beiden, Dovele und dem Richter, von einer „zweiten Instanz“ zu profitieren, an die wir appellieren können, indem wir eine alte Geschichte neu erzählen. Manchmal kann sie uns aus der Falle befreien, in der wir durch eine traumatische Erfahrung gefangen sind.
Der Roman ist zwischen Komik und Tragik angesiedelt, oder vielmehr: Er verbindet beide. Was bedeutet das für die Sprache, den Stil?
Die erste Hälfte der Geschichte ist im typischen Ton eines Stand-up-Comedian geschrieben. Dovele provoziert seine Zuhörer, flirtet mit ihnen, beschimpft sie. Beide Seiten kennen die Spielregeln von diesem „Tanz“ und spielen mit – auch wenn das Ganze manchmal aggressiv und vulgär wird.
Aber dann kommt ein Augenblick, in dem die ganze Situation sich verändert, und dann bricht mit unwiderstehlicher Macht eine ganz persönliche Geschichte aus dem Comedian heraus. In diesem Moment, in dem die Geschichte sich verändert, verändert sich auch die Sprache. Sie wird zart, persönlich, warm und nuanciert. Ich kann sagen, dass es mir großes Vergnügen gemacht hat, auf beide Arten zu schreiben und diese beiden verschiedenen Doveles zu SEIN.

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