Kalte Bücherverbrennung

Kalte Bücherverbrennung

Ines Geipel

"Liebe Sylvia! Ich bin von der Stasi abgeholt! Ich weiß nicht, wie lange es dauert! Sei bitte da!!!!!"

Erzählt wird von Literatur, aber von Literatur, die fast keiner kennt, da sie nicht öffentlich sein durfte. Ines Geipel berichtet von jenen Autorinnen und Autoren, die ohne große Aufmerksamkeit in das Mahlwerk der DDR-Diktatur gerieten. Kontrolliert, diszipliniert und oft ebenso wie ihre Manuskripte buchstäblich vernichtet, kämpften von 1945 bis 1989 ungezählte Schriftsteller um ihre selbstbestimmte Existenz. Unser heutiges Lesen hat auch diese Vorgeschichte – das lernt man aus diesem großen, unversöhnten, aufrüttelnden Essay.

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Ines Geipel

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Ines Geipel, geboren 1960 in Dresden, ist Schriftstellerin und Professorin an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Die ehemalige Weltklasse-Sprinterin floh 1989 nach Westdeutschland, studierte ...

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Kalte Bücherverbrennung

Presse

"Ein interessanter und differenzierter Essay über die unangepassten und ausgemusterten Stimmen der DDR-Literatur." Ute-Christine Krupp, Deutschlandradio Kultur, 01.08.15

5 Fragen an …

Ines Geipel

Ines Geipel, neben vielen anderen Themen schreiben Sie auch immer wieder über die vergessenen Autorinnen und Autoren der DDR. Warum?

Ihre Texte und Schicksale bringen mich dazu, anders zu schauen, neu zu denken. Ich darf etwas kennenlernen, von dem ich nichts weiß, zumindest nicht genug. Wenn die Verhältnisse intensiv, wenn sie scharf werden, habe ich oft das Gefühl, ich finde mich eher zurecht. Und bei den Vergessenen ist das so: Sie haben mit ihrem Schreiben etwas eins zu eins verhandelt. Die Welt wird sichtbarer durch sie. Und was da kenntlich wird, finde ich durchweg interessant.

Ihr Essay “Kalte Bücherverbrennung” in der Hanser Box erzählt eine Literaturgeschichte vollkommen ohne berühmte Großschriftsteller. Finden Sie, wir sprechen normalerweise falsch über Literatur?

Keine Ahnung, was da falsch oder richtig ist. Ein Text oder auch Leben geht mich was an, berührt mich oder eben nicht. Und das Schicksal etwa der als Zwanzigjährige für Flugblätter zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilten und bald darauf im Frauenzuchthaus Hoheneck elendig umgekommenen Dichterin Edeltraud Eckert, das kann ich mir nicht weggucken. Die Härte, ihr abgerissenes Leben. Ich weiß nicht, ob sie mich so gehabt hätte, wenn es ein großes Werk von ihr gäbe. Es ist doch oft der Riss, das Fragmentarische, das einen anhalten lässt, das will, dass wir im Kopf ergänzen, was fehlt. Und das ist es doch, wenn man um Edeltraud Eckert weiß. Man will ihr beistehen.

Gemeinsam mit dem Schriftsteller Joachim Walther haben Sie das “Archiv unterdrückter Literatur in der DDR” aufgebaut, das vor zehn Jahren an die Stiftung Aufarbeitung übergeben wurde. Wie kamen Sie eigentlich an die Manuskripte, wenn fast keiner der Autoren veröffentlichen konnte?

Wie man etwas hebt, was nie öffentlich war? Ich hatte die Dichterin Inge Müller herausgegeben und war dabei auf mir völlig unbekannte Namen gestoßen. Das war der Nukleus für das Projekt. Und dann gab es so ein Schneeballprinzip: Wir haben die Netze der Illegalen abgeklappert und dabei Hinz und Kunz gelöchert, die alten Literaturzeitschriften der DDR durchforstet, in den Fremdnachlässen bei Franz Fühmann, Heiner Müller und anderen Großkopferten gestöbert, Annoncen geschaltet, hunderte Interviews gegeben. Da kam schon was zusammen.

Was wünschen Sie der öffentlichen Erinnerung an die DDR?

Junge Leute, die nochmal ganz von vorn fragen.

Und was wünschen Sie sich selbst zurzeit?

Atem für einen neuen Roman.

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