Freiheit verteidigen

Freiheit verteidigen

Ralf Fücks

Das Buch zur Lage: Ralf Fücks analysiert die Gründe für die Revolte gegen Globalisierung, Migration und kulturelle Vielfalt. Ein leidenschaftliches Plädoyer für die liberale Moderne.

Wir stecken in einer Krise der liberalen Demokratie. Die verbreitete Furcht vor sozialem Abstieg, vor einer aus dem Ruder laufenden Globalisierung und unkontrollierter Zuwanderung erzeugt eine aggressive Grundstimmung. Das Vertrauen in die demokratischen Institutionen sinkt, populistische Demagogen haben Zulauf. Was liegt dieser Revolte zugrunde und wie können wir ihr begegnen? Diesen Fragen geht der Grünen-Vordenker Ralf Fücks in seinem Buch nach. Er verfolgt die langen Linien der Opposition gegen die liberale Moderne und zeigt, dass der Rückzug in die nationale Wagenburg und die Abkehr von der offenen Gesellschaft in Teufels Küche führen. Dagegen setzt Fücks die Erneuerung der demokratischen Republik: Wir brauchen starke öffentliche Institutionen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern – und Bürgerinnen und Bürger, die für die gleiche Freiheit aller eintreten.


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Ralf Fücks

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Ralf Fücks, Jahrgang 1951, ist Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, ehemaliger Bundesvorsitzender der Grünen und Senator für Umwelt und Stadtentwicklung in Bremen. Er gilt als ein Vordenker im grünen Spektrum und mischt seit ...

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Presse

"Anders als Welzer geht Fücks hier wirklich in die Tiefe und setzt sich kritisch mit Vordenkern von Karl Marx bis Peter Sloterdijk auseinander. Dabei gelingt ihm nicht nur eine kluge Relektüre kommunistischer Urschriften, sondern auch die Korrektur der einen oder anderen linken Unschärfe." Dorion Weickmann, Süddeutsche Zeitung, 29.05.17

"Dieses Buch muss man lesen, diesen Autor kennen. ‚Freiheit verteidigen‘ ist eine der umsichtigsten und gehaltvollsten Diagnosen einer von antiliberalen Kräften bedrohten Gegenwart, die sich derzeit finden." Karen Horn, Neue Zürcher Zeitung, 30.04.17

"Ralf Fücks hat sich dem mit erstaunlichem Mut und großer Klarheit gewidmet – mit dem Ergebnis, dass jeder, der sein Buch liest, nicht mit allen Thesen einverstanden sein muss, aber gründlich angeregt ist, selbständig weiter nachzudenken. Und das ist es, was wir in der Politik am wichtigsten brauchen: dass es eben nicht nur Politiker gibt, die Mehrheiten erringen, sondern auch zahlreiche Andere, die dafür sorgen, dass das Denken dabei nicht zu kurz kommt. Dem Autor gelingt es überzeugend, aktuelle politische Ereignisse mit langfristigen historischen Kraftlinien zu verbinden." Peter Altmaier, Berliner Morgenpost, 07.04.17

"Das Buch verbindet sorgsam gebändigte Skepsis mit einem eindringlichen Plädoyer für die Kräftigung der Institutionen.“ Hans Hütt, Der Freitag, 23.03.17

"Das Buch beweist einmal mehr, dass Fücks zurecht als Grüner Vordenker bezeichnet wird, denn es leistet eine hervorragende Orientierungshilfe. Der Leser findet sich nach der Lektüre besser in der Gesellschaft zurecht (…) Fücks zeigt an eindrucksvollen Beispielen, dass es schon häufiger zu früh für Endzeitstimmung war, die Menschheit noch immer geschafft hat, ihre Lebensgrundlagen durch Intelligenz zu bewahren. Den Entmutigten und Resignierten sei dieses Buch besonders empfohlen, auch weil es am Ende eine To-Do-Liste enthält (…)“. Sabine Adler, Deutschlandradio Kultur "Lesart", 11.03.17

5 Fragen an …

Ralf Fücks

Welche Auswirkungen hat die Wahl von Donald Trump für die liberalen Demokratien des Westens?
Ein Unglück kommt selten allein – das trifft auch auf Präsident Trump zu. Er surft auf einer antiliberalen Welle, die auch durch Europa rollt. Im April 2016 schrieb die amerikanische Publizisten Anne Applebaum, der Westen sei nur noch drei Wahlen von seiner Selbstzerstörung entfernt. Brexit und Trump sind schon passiert – fehlt noch die Wahl von Marine Le Pen zur französischen Präsidentin. Das wäre der Super-Gau für die EU. Aber auch ohne diesen dritten Akt sind wir mitten in einer grundlegenden Auseinandersetzung um die Zukunft der Demokratie. Zur Herausforderung durch autoritäre Regimes von außen – Russland, China, Türkei, Iran – kommt jetzt die Herausforderung durch autoritäre und nationalistische Kräfte von innen.

Welche gesellschaftlichen Veränderungen liegen populistischen Bewegungen wie der AfD und Pegida zugrunde?
Die gesellschaftliche Stimmungslage ist gereizt. Wachsende Teile der Bevölkerung fühlen sich durch die stürmischen Veränderungen unserer Tage verunsichert: ökonomische Globalisierung und weltweite Migration, digitale Revolution, Auflösung der traditionellen Geschlechterrollen, Souveränitätsverlust der Nationalstaaten. Abstiegssorgen und Zukunftsängste breiten sich aus. Das ist der Boden, auf dem die Revolte gegen die liberale Moderne gedeiht. Die Populisten von rechts wie von links versprechen Sicherheit durch Abschottung. Sie fordern den autoritären Staat als Schutzmacht der kleinen Leute und verkaufen simple Antworten auf komplizierte Probleme. Und sie appellieren an starke Gefühle: Angst, Wut, Stolz. Dagegen wirken die demokratischen Parteien der Mitte zumeist blass, ohne Vision und Leidenschaft. Das ist auch das Problem von Frau Merkel.

Sie zeigen in „Freiheit verteidigen“, dass die Moderne schon immer von antimodernen Gegenbewegungen begleitet wurde. Was lehrt uns der Blick in die Geschichte?
In der Tat rufen die großen Modernisierungsschübe immer auch Gegenbewegungen hervor. Die Romantik war ein Reflex auf die erste industrielle Revolution; Faschismus und Kommunismus waren Gemeinschaftsreligionen, die gegen den Individualismus der Moderne, gegen kapitalistische Marktwirtschaft und liberale Demokratie wüteten. Die Moderne mutet den Leuten viel zu. Sie ist permanente Veränderung, das Leben beschleunigt sich, alte Sicherheiten gehen verloren. Was den einen ein Zugwinn an Freiheit ist, erscheint den anderen als Bedrohung.

In Ihrem Buch stellen sie die Frage, wie wir unsere offene Gesellschaft in Zeiten von wachsendem Populismus verteidigen können. Was sehen Sie als ersten Schritt?
Wir müssen neu nachdenken, wie wir das Grundbedürfnis nach Sicherheit und Zugehörigkeit mit Weltoffenheit und kultureller Vielfalt, mit offenen Märkten und europäischer Integration verbinden können. Dafür brauchen wir starke öffentliche Institutionen, die Teilhabe für alle ermöglichen. Bildung spielt eine Schlüsselrolle: es geht um die Befähigung von Menschen, souverän mit Veränderungen umzugehen. Wir brauchen eine neue Fortschrittserzählung, die ökologische Innovation mit Wohlstand für alle verbindet. Wir müssen die europäische Integration und das transatlantische Bündnis verteidigen – notfalls auch gegen Donald Trump und Le Pen. Am wichtigsten sind aber demokratisches Engagement und Zivilcourage als bürgerliche Tugend.

Was steht uns im Wahljahr 2017 bevor?
Ich hoffe auf einen lebendigen, streitbaren Wahlkampf und zugleich auf eine Stärkung der demokratischen Mitte. Dazu rechne ich auch die Grünen. Von der demokratischen Zuverlässigkeit Deutschlands hängt in diesen Zeiten viel ab. Ob wir es wollen oder nicht: Angesichts eines unkalkulierbaren amerikanischen Präsidenten und der zentrifugalen Kräfte in der EU fällt der Bundesrepublik die Rolle eines Stabilitätsankers im westlichen Bündnis zu. Daran muss sich jede künftige Bundesregierung messen lassen.

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