Die Nickel Boys
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Colson Whitehead

Die Nickel Boys

übersetzt aus dem Englischen von Henning Ahrens
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Details zum Buch
Roman
  • Erscheinungsdatum: 03.06.2019
  • 224 Seiten
  • Hanser Verlag
  • Fester Einband
  • ISBN 978-3-446-26276-8
  • Deutschland: 23,00 €
  • Österreich: 23,70 €

  • ePUB-Format
  • E-Book ISBN 978-3-446-26296-6
  • E-Book Deutschland: 16,99 €

Nach „Underground Railroad“ die Weltpremiere von Colson Whiteheads neuem Roman
Florida, Anfang der sechziger Jahre. Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee und ist ein Bewunderer Martin Luther Kings. Als er einen Platz am College bekommt, scheint sein Traum von gesellschaftlicher Veränderung in Erfüllung zu gehen. Doch durch einen Zufall gerät er in ein gestohlenes Auto und wird ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort werden die Jungen missbraucht, gepeinigt und ausgenutzt. Erneut bringt Whitehead den tief verwurzelten Rassismus und das nicht enden wollende Trauma der amerikanischen Geschichte zutage. Sein neuer Roman, der auf einer wahren Geschichte beruht, ist ein Schrei gegen die Ungerechtigkeit.

Colson Whitehead

Colson Whitehead

Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, studierte an der Harvard University und arbeitete für die New York Times, Harper's und Granta. Whitehead erhielt den Whiting Writers Award (2000) und den Young Lion’s Fiction Award ...

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Die Nickel Boys

Presse

"Ein politischer Roman, der die Probleme politischer Literatur nach Möglichkeit vermeidet - ein Beispiel dafür, wie eine gelungene engagierte Literatur heute aussehen könnte, die nicht nur agiert, sondern auch hohen ästhetischen Ansprüchen genügen kann." Johannes Franzen, taz, 08.07.19

"Trotz seiner ernüchternden Botschaft kommt 'Die Nickel Boys' ohne Sensationalismus aus. Das ist das Verdienst von Whiteheads Prosa, die nüchtern und detailreich beschreibt, wie sich die Burschen in diesem Regime der Unterdrückung zu behaupten versuchen, den Exzess dabei aber behände verknappt." Dominik Kamalzadeh, Der Standard, 27.06.19

"Der Roman ist wahnsinnig schmerzhaft zu lesen. Die Auswegslosigkeit nimmt einem beim Lesen oft den Atem." Volker Weidermann, Der Spiegel 15.06.19

"Dürfen sich Weiße mit schwarzen Opfergeschichten beschäftigen? Ich finde, dass Colson Whitehead sehr, sehr souverän und wirklich als großer Erzähler damit umgeht. Das ist wirklich große Literatur, die sich einfach an jeden Leser, der ein irgendwie noch schlagendes Herz hat und einen wachen Geist, richtet." Thea Dorn, Das Literarische Quartett, 14.06.19

"Colson Whitehead schreibt diesen Roman in einer präzisen, nüchternen Sprache und das macht ihn nur würdevoller. Durch die sprachliche Distanz gestaltet er bewusst weder Empörung noch Sentimentalität, aber sie entstehen automatisch." Henning Ahrens, NDR Kultur, 13.06.19

"Literarisch beglückend." Verena Lueken, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.06.19

"Whitehead zeigt, wie sich Rassismus anfühlt, und nimmt den Leser durch die schnörkellose Darstellung mit in die Verantwortung, sich zu dem Horror zu verhalten und zu entscheiden, wer man sein möchte." Nicolas Freund, Süddeutsche Zeitung, 08.06.19

"In Zeiten, in denen der liberale Rechtsstaat weltweit unter Beschuss gerät, kann man 'Die Nickel Boys' als Parabel darüber lesen, was es bedeutet, wenn Menschen das Recht, Rechte zu haben, abgesprochen wird." Martina Mescher, Der Freitag, 06.06.19

"Wenn häufig missbräuchlich benutzte Floskeln wie 'eindringlich', 'bestürzend' oder 'ergreifen' auf ein Buch zutreffen, dann auf Whiteheads von der ersten bis zur letzten Seite spannend, glänzend und vom Schriftsteller Henning Ahrens auch ausgezeichnet übersetzten Roman." Christoph Schröder, Deutschlandfunk Büchermarkt, 06.06.19

"Dieses Buch zeigt Whiteheads Fähigkeit, eine brisante und komplexe Thematik wirkungsvoll darzustellen. ... Seine Kunst besteht darin, niemals anklagend oder gar larmoyant zu sein. Mit seinem sachlichen, von leisem Sarkasmus geprägten Ton nötigt er dem Leser die Empörung nicht auf, sondern bringt ihn dazu, selbst empört zu sein." Ulrich Greiner, Die Zeit, 05.06.19

"Von Rassismus und Qualen: Ein packender Roman über ein grausames Kapitel der jüngeren Geschichte der USA." Carsten Otte, Zeit Online, 02.06.19

"Whitehead will nicht mit aller Macht aufrütteln, gar schockieren, plakativ anklagend sein. Sondern betont unaufgeregt und damit umso nachdrücklicher reiht er Szenen aus dem Innern einer Institution, die stellvertretend für Rassentrennung und den institutionellen Rassismus jener Zeit steht, für die Rassenhierarchie in allen Bereichen der US-Gesellschaft - trotz beginnender Veränderungen durch die civil rights movement." Gerrit Bartels, Tagesspiegel Online, 01.06.19

"Die Selbstverständlichkeit, mit der dieser Roman die Chancenlosigkeit von Schwarzen im rassistischen System dieser Zeit darstellt, verschlägt einem den Atem. Dabei klagt Whitehead nicht an. Er erzählt, er singt, er schaut hin." Carsten Hueck, Deutschlandfunk Kultur, 01.06.19

"Colson Whitehead hat in den letzten zwanzig Jahren viele unvergessliche Figuren geschaffen ... Elwood Curtis gehört in diese Reihe." Wieland Freund, Die Welt, 01.06.19

"Analytisch präzise zeigt der Roman auf, wie fatal Macht, Scham und Ohnmacht ineinander wirken." Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.19

Im Interview

10 Fragen an Colson Whitehead

Das Interview führte Lalena Hoffschildt für büchermenschen: Lesenswert

1. Sie haben den National Book Award und den Pulitzer-Preis für Underground Railroad gewonnen, sind Sie jetzt berühmt? Und waren Sie davon überwältigt, hat es etwas in Ihrem Leben verändert?
Ich hatte ein Jahr lang gute Laune – das war eine erfreuliche Veränderung. Es fiel mir schwer, zurück in meine übliche Melancholie zu finden, als so viele schöne Dinge mit dem Roman passierten. Ich war zum Beispiel geduldiger, wenn ich in einer langen Schlange im Supermarkt stand – plötzlich fühlte es sich wie schlechte Manieren an, sich darüber zu beschweren. Meine gute Laune hielt etwa ein Jahr an, und dann kehrten die üblichen Irritationen des Lebens zurück.

2. In Deutschland wurden Sie vor allem durch Ihren letzten Roman Underground Railroad bekannt. Der Roman handelt von der Sklaverei in den USA. Sklaverei existiert leider auch noch zur heutigen Zeit. Wollten Sie den Leser darauf aufmerksam machen? Ist dieser Roman nicht nur ein historischer Roman, sondern gleichzeitig auch eine Warnung für die Zukunft?
Ich wollte eine Geschichte erzählen und nicht belehren. Seitdem eine Person Macht über eine andere ausüben kann, hat es immer Sklaverei gegeben. Und ich nehme an, dass es auch so bleiben wird – die Unterdrücker und die Unterdrückten, wir Menschen haben eine Veranlagung für Grausamkeit.

3. Sie sind ein sehr innovativer Schriftsteller, Sie benutzen gerne surrealistische oder auch fantastische Elemente, wie zum Beispiel in Underground Raildroad oder Zone One, einem Zombieroman. Planen Sie dies vorab oder ergibt sich das erst beim Schreiben?
Ich mag alle möglichen Geschichten – realistische, fantastische, entsetzliche, humorvolle. Wenn ich weiterhin schreibe, dann werde ich sie alle erzählen können. Wenn ich einen neuen Roman anfange, versuche ich herauszufinden, welches das beste Werkzeug wäre, um den Erzähler, den Protagonisten und den Ton zu fassen. Manchmal muss man es gerade heraus erzählen und andere Male braucht man ein Monster oder eine fantastische Eisenbahn.

4. Ich liebe den Koloss von New York; können Sie mir verraten, was diese Stadt für Sie bedeutet?
Wenn ich das wüsste, würde ich aufhören über meine Heimatstadt zu schreiben, aber soweit bin ich noch nicht. Ich bin in New York aufgewachsen, es hat mich geprägt, es ist eine Quelle der Inspiration – aber es ist auch laut, dreckig und überfüllt mit vielen nervigen Menschen. Wenn ich irgendwann einmal verstanden habe, was das alles bedeutet, werde ich wahrscheinlich umziehen.

5. Warum haben Sie sich entschlossen, Schriftsteller zu werden – und würden Sie jungen Leuten in der heutigen Zeit, in der man behauptet, das Lesen sterbe aus, diesen Beruf empfehlen?
Stirbt das Lesen aus? Es war schon immer schwer, Schriftsteller zu sein. Hatte Homer überhaupt Papier? Er musste sich an all diese Dinge erinnern und sie in seinem Kopf behalten. Edgar Allan Poe hätte womöglich viel mehr Bücher geschrieben, hätte man in seinen Zeiten Gruppen der Anonymen Alkoholiker gehabt. Kafka hätte Antidepressiva gebrauchen können. Im Vergleich dazu habe ich es recht einfach. Aber ich würde niemandem das Leben eines Schriftstellers wünschen – es ist ätzend, sich immer neuen Mist auszudenken. Wenn ich einen richtigen Job bewältigen könnte, würde ich das tun.

6. Was lieben Sie am meisten am Schreiben: den Anfang eines neuen Projektes oder dessen Abschluss?
Alle Phasen haben ihre frohen und elendigen Momente. Die Geschichte und ihre Figuren zu entdecken, zu recherchieren, die Worte niederzuschreiben, den Text zu überarbeiten – sie sind alle gleichermaßen beglückend und ermüdend zugleich. Am meisten Spaß macht es mir vielleicht, wenn ich bei Feierabend auf meine Arbeit zurückblicke und erkenne, dass ich etwas wirklich Erstaunliches zustande bekommen habe – wenn man sich hinsetzt, weil man ein Problem hatte, und dann irgendwann nach dem Mittagessen auf die Lösung stößt… aber dann beginnt natürlich am nächsten Tag alles wieder vorne.

7. Ihre Frau ist Literaturagentin, also nehme ich an, dass Ihr Haus vom Keller bis auf den Dachboden mit Büchern zugestellt ist. Lesen Ihre Kinder gerne?
Wir haben in der Tat sehr viele Bücher – viel zu viele! Meine Tochter ist vierzehn und liest momentan Schriftstellerinnen wie Celeste Ng und Karen Russell, das ist eine schöne Entwicklung. Mein fünfjähriges Kind mag alles über das All und über Roboter.

8. Ihr neuer Roman Die Nickel Boys ist eine Geschichte über Gewalt, kontinuierlichem Missbrauch und absoluter Ungerechtigkeit und lehnt an die schrecklichen Ereignisse an, die sich an der realen Dozier School for Boys in Florida zutrugen. Über 100 Jungen starben dort – vor allem schwarze Jungen. Als Leser denke ich immer daran, wie schwierig es sein muss, in solch Horror tief einzutauchen; können Sie all das von ihrem Privatleben trennen?
Es fiel mir schwer, Die Nickel Boys nach Underground Railroad zu schreiben. Normalerweise schreibe ich witzreichere Bücher. Die letzten sechs Wochen, in denen ich an Die Nickel Boys saß, waren sehr kräftezehrend – es galt, das tragische Gerüst der Geschichte auch umzusetzen. Als ich fertig war, sah ich im Grunde sechs Wochen lang nur fern, spielte Videospiele und starrte ins Leere… und dann begab ich mich zurück an meine Arbeit und überarbeite den Text. Aber ja, es war manchmal sehr zermürbend.

9. Wahrscheinlich reisen Sie viel mit ihrem neuen Roman – können Sie während dieser Zeit auch schreiben, inspiriert es Sie vielleicht sogar? Oder ziehen Sie die Routine des Alltags vor, um kreativ zu sein?
Ich mag es lieber, für etwa neun Monate Zuhause zu sein, wo ich dann nur an meinem Buch arbeiten muss – aber manchmal spielt das Leben eben anders. Ich musste mit den Nickel Boys lernen, in Zügen, Flugzeugen und im Hotel zu schreiben. Aber es war entweder so oder gar nicht, also hatte ich letztendlich keine wirkliche Wahl.

10. Und zu allerletzt, Frage Nr. 10: Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Drei Wünsche… hm… Weltfrieden, ein Krebsheilmittel, und dass ich zurück nach Paris gehen könnte, um diese Hose mit dem Hahnentrittmuster zu kaufen, die ich dort vor sieben Jahren entdeckt habe. Ich bin am nächsten Tag zurück in den Laden gegangen, aber sie war weg. Sie war so cool und seitdem habe ich nie wieder etwas dergleichen gesehen.

5 Fragen an …

Colson Whitehead

Nach Underground Railroad hatten Sie einen anderen Roman geplant als Die Nickel Boys. Was veranlasste Sie dazu, Ihre Pläne zu ändern?
In der Regel schreibe ich abwechselnd leichtere und schwerere Bücher; gerade Underground Railroad hat von all meinen Büchern die geringste Anzahl an Witzen pro Seite. Aber sobald Trump zum Präsidenten gewählt wurde, machte es mehr Sinn für mich, an Die Nickel Boys zu arbeiten, um zu versuchen, das institutionelle Versagen unseres Landes zu begreifen. Selbst wenn das hieß, mein System aufzugeben. Ich hoffe, dass sich in dem nächsten Buch dann wieder etwas Humor einbringen lässt…

Die Nickel Boys ist ein sehr realistischer Roman, der in Florida am Anfang der 60er-Jahre spielt. Gibt es einen Grund, warum Sie dieses fantastische Element, welches in Underground Railroad so stark vertreten ist, in diesem Roman zugunsten einer sehr detaillierten Beschreibung der sozialen Umstände aufgeben?
Ich habe Bücher mit fantastischen Effekten geschrieben, aber ich habe auch realistische Romane geschrieben. Man muss das richtige Werkzeug, die richtige Struktur, Ton und Satzgestaltung, für ein jedes Buch wählen. Satire funktioniert vielleicht bei dem einen, bei einem anderen wiederum nicht. Für die kaleidoskopische Untersuchung der amerikanischen Geschichte benötigte Underground Railroad ein fantastisches Gerüst. Dieses Buch brauchte es nicht.

Wie recherchierten Sie den Fall der Dozier School? Und wieviel von dem, was Sie herausgefunden haben, wurde in dem Roman untergebracht?
Ich berufe mich vor allem auf Zeitungsreportagen, forensische Untersuchungen der University of South Florida und die Memoiren und Berichte der Überlebenden. Die Geschichte ist inspiriert durch die Dozier School, aber die Nickel Academy ist meine eigene Erfindung.

Die zwei Protagonisten in Die Nickel Boys, Elwood und Turner, verkörpern zwei mögliche Haltungen zu Diskriminierung und Ungerechtigkeit: die idealistische und die konforme. Die idealistische scheint dabei zu verlieren, aber denken Sie, dass auch ein Weg dazwischen vorstellbar wäre?
Das liegt ganz beim Leser! Als Mensch scheint es so, als gewänne die Dunkelheit in diesem Moment… aber um den Tag durchzustehen, finde ich es gut, einen kleinen Schimmer Hoffnung zu bewahren, ganz gleich wie unmöglich es erscheint.

Der Roman handelt von einem realen Verbrechen, das erst Jahrzehnte später aufgedeckt und nie bestraft wurde. Denken Sie, dass diese Aufdeckung ein Zufall ist oder zeichnet sich hier der Wille der amerikanischen Gesellschaft ab, ihre eigene jüngste und tragische Geschichte zu überdenken?
Generell kann man sagen, dass die Schuldigen ungeschoren davonkommen und die Unschuldigen leiden. Boshafte Gewalt wird allzu selten zur Rechenschaft gezogen. Die Überlebenden von Dozier sind zu einer Zeit hervorgetreten, in der wir eine neue Sprache für Missbrauch und Trauma und dessen Verständnis haben. Eine Sprache, die wir vor 30 Jahren so noch nicht so hatten. Außerdem hilft es, dass die meisten der Täter tot sind – es fällt viel leichter, eine vorherige Administration oder einen verstorbenen Täter zu beschuldigen.

Würden Sie sagen, dass Sie in den letzten beiden Büchern die Frage des Rassismus eher direkt als indirekt beantworten und wenn ja, wie würden Sie dies erklären?
Ich habe über Rassismus, Technologie und Popkultur in verschiedenen Formen im Laufe meiner Karriere geschrieben. Manchmal ist ein Element präsent, anderenorts ist es nicht; manchmal habe ich eine direkte Strategie und manchmal bin ich etwas mehr verblümt. Das hängt wieder ganz davon ab, was der jeweilige Text verlangt…

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