Das Geschlecht der Seele

Das Geschlecht der Seele

Karin Wieland

Karin Wieland liefert eine überraschende Verbindung der Theater- und Frauengeschichte des frühen 20. Jahrhunderts – eine anschauliche Erzählung.

Im Theater hatte die moderne Frau ihren ersten Auftritt. Hier wurde das Verhältnis der Geschlechter neu bestimmt. Wenn Gertrud Eysoldt, gebückt und mit offenen Haaren, die Szene betrat, verkörperte sie das ganze Elend der Elektra. Hugo von Hofmannsthal hatte ihr die Rolle auf den Leib geschrieben. Er nennt Schauspielerinnen die „Interpreten des neuen seelischen Verhaltens“. 20 Jahre später ist Bert Brecht Stückeschreiber und Regisseur. Mit Helene Weigel und Carola Neher zeigt er die kalte Frau, die auch in der Liebe an die Nützlichkeit denkt. Neher und Weigel sind Brechts Instrumente einer Kunst, die im 20. Jahrhundert auch Politik ist: Von diesem Bündnis handelt Karin Wielands neues Buch.


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Karin Wieland, 1958 geboren, studierte Politische Wissenschaften mit Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Freien Universität Berlin. Sie lebt als Schriftstellerin in Berlin. Im Carl Hanser Verlag erschienen: Die ...

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5 Fragen an …

Karin Wieland

In „Das Geschlecht der Seele“ bringen Sie den Berliner Kommunisten Brecht und den Wiener Geistesaristokraten Hofmannsthal zusammen. Wie kam diese Verbindung zustande?
Für mich sind beides Namen, mit denen sich jeweils eine eigene künstlerische Welt verbindet. Der eine scheint das ausgehende 19., der andere das aufbrechende 20. Jahrhundert zu repräsentieren. Mit diesen Namen verbindet sich ein Leben, eine künstlerische Kraft und ein Geschlechterverhältnis. Über die Frau auf der Bühne habe ich das Sprachspiel Hofmannsthals mit dem Sprachspiel Brechts verbunden. Der Vergleich zeigt, was für eine Revolution der Gefühle in den ersten dreißig Jahren des letzten Jahrhunderts stattgefunden hat. Darüber sind wir noch lange nicht hinaus.

Sind sich Hugo von Hofmannsthal und Bert Brecht begegnet?
Von einer persönlichen Begegnung ist nichts bekannt, aber ihre Wege haben sich gekreuzt. Hofmannsthal gehörte dem Unterstützerkreis des Kleist-Preises an, der 1922 Brecht zugesprochen wurde. Brecht hat als junger Theaterkritiker in Augsburg über eine “Jedermann”-Inszenierung geschrieben. Hofmannsthal hat er darin nicht erwähnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er eingeladen, für die Salzburger Festspiele ein Stück zu schreiben, das Hofmannsthals “Jedermann” ersetzen sollte. Das handelte ihm großen Ärger ein und es kam nie dazu. Hofmannsthal, der in den 20er Jahren wie eine aus der Zeit gefallene Marionette wirkte, erkannte Brechts dichterischen Rang. Brecht, auf dem Weg zu einer neuen Kunst, interessierte das wenig.

Mit welchen Materialien haben Sie gearbeitet?
Vorrangig mit den Tagebüchern und den Briefen. Da liegen die Gefühle bloß zutage. Hier ist genau zu verfolgen, wie die Beziehungen zustande gekommen sind, die den Figuren auf der Bühne zugrunde liegen.

Sie beschreiben das Theater des frühen 20. Jahrhunderts als soziales Laboratorium. Funktioniert das heute noch?
Das stimmt mehr denn je. Ob Dramatik oder Postdramatik die Frage der gesellschaftlichen Darstellung ist ohne die Frage der theatralischen Darstellung nicht zu denken. Die Gesellschaft der Zerstreuung sucht die Verdichtung und findet sie auf der Bühne.

Ihre Lieblingsschaupielerinnen in der Gegenwart?
Isabelle Huppert, Nina Hoss. Schauen Sie sich “Elle” an oder gehen Sie in die Berliner Schaubühne in “Bella Figura”, dann wissen Sie, was ich meine.

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