Das Floß der Medusa

Das Floß der Medusa

Franzobel

Was bedeutet Moral, was Zivilisation, wenn es um nichts anderes geht als ums bloße Überleben? Ein epochaler Roman von Franzobel

18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens?


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Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, ist einer der populärsten und polarisierendsten österreichischen Schriftsteller. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter 1995 den Ingeborg-Bachmann-Preis und 2002 den ...

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„Franzobel hat mit seinem Roman das Unmögliche geschafft: Er ruft uns einerseits die Historie in Erinnerung, zum anderen hat er einen erstaunlich lebendigen und hochaktuellen Roman geschrieben. Dabei hilft ihm sein Gespür für das Groteske, seine Fähigkeit, die derben Seiten seiner Figuren herauszustellen, die gesellschaftlichen Widersprüche, ja, die Klassenverhältnisse in den Dialogen deutlich zu machen. Ein verstörendes Meisterwerk." Carsten Otte, Tagesspiegel, 08.02.17

„Dichte Atmosphäre, großes Gespür für Zeitkolorit und klug aufgebaute Spannungsbögen, garniert mit zynischen, entlarvenden und makabren Dialogen." Werner Krause, Kleine Zeitung, 31.01.17

„Ein sprachliches Meisterwerk voller ironischer Verweise und eine erschütternde Studie menschlichen Verhaltens." Ruth Renée Reif, Der Standard, 04.02.17

„Für die Schrecken solch einer Grenzsituation die angemessene Erzählsprache zu finden, ist ein poetischer Kraftakt, den Franzobel mit bewundernswerter Souveränität meistert." Christian Schacherreiter, Oberösterreichische Nachrichten, 04.02.17

„Es gibt etliche Autoren, die die Katastrophe der Medusa verewigten, (…) aber an die starken, ja traumatisierenden Bilder, die Franzobel heraufbeschwört, reicht keiner dieser Texte auch nur ansatzweise heran. Mit seinem Buch ist der 49-jährige Österreicher endgültig in die Meisterklasse der Literatur aufgerückt.“ Ulf Heise, mdr Buch der Woche, 07.02.17

„'Das Floß der Medusa' ist ein ebenso erschütternder wie faszinierender Erfahrungsbericht über die Grenzen der menschlichen Zivilisation. Ein Menetekel. Heute wie vor zweihundert Jahren." Günter Kaindlstorfer, WDR5, 18.02.17

„Bis zur letzten Seite will man wissen: Wer kommt durch? Wie stellt er das an? Nahezu physisch mitgehend, bleibt der atemlose Leser am Ball. Ein Epos von großer Kraft." Tilman Krause, Literarische Welt, 19.02.17

„Mit Witz und Farbenfreude, langem Atem und Poesie schildert der begnadete Fabulierer den Niedergang des Glaubens an die Veredlung des Menschen durch Vernunft.“ Alexander Kissler, Cicero, 24.02.17

„Ein Meisterwerk, das uns mit der unbequemen Wahrheit konfrontiert: Unter bestimmten Bedingungen ist die Spezies Mensch zu allem fähig.“ Mareike Ilsemann, Deutschlandfunk Büchermarkt, 01.03.17

„Statt einfach einen historischen Roman zu "erzählen", wird hier mit unbändiger Fabulierlust ein provozierendes Gemälde entworfen, in dem Faktum und Fiktion sich bis zur Unkenntlichkeit vermischen. Ein literarisches Laboratorium, das der Erforschung von Menschen im Ausnahmezustand dient." Alexander Kosenina, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.17

5 Fragen an …

Franzobel

Wie sind Sie auf den Stoff gekommen?
Durch Zufall, ein befreundeter Theaterintendant (Alexander Kubelka) hat mir beiläufig davon erzählt. Für mich war es wie ein Blitzschlag, Liebe auf den ersten Blick. Ein Geschenk! So oft bekommt man als Schriftsteller nicht solch wuchtige Stoffe, über die noch kaum jemand geschrieben hat. Ich dachte sofort: Das ist es, so eine Geschichte bekommst du vielleicht nie wieder im Leben. Das ist ein Stoff für Hollywood, aber da ich nicht Paramount oder Warner Bros. bin, kann ich das nur mit meinen Mitteln erzählen, denen des Romans.

Aus welcher Perspektive wird erzählt?
Es gibt einen Erzähler, der die Geschichte zwar nicht ostentativ, aber doch spürbar aus der Gegenwart des 21. Jahrhunderts erzählt. Alles andere wäre mir unglaubwürdig erschienen. Es gibt allerdings auch Innenperspektiven oder innere Monologe der handelnden Figuren. Da ich die Geschichte spannend und objektiv erzählen wollte, hat sich das als glückliche Mischung erwiesen.

Wie sind Sie mit der sogenannten historischen Authentizität und den aktuellen Bezügen umgegangen?
Ich habe versucht, so wahrhaftig wie möglich zu sein, möglichst nahe an die historische Wahrheit heranzukommen. Aktuelle Bezüge zu den Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer sind spürbar, haben aber in der Geschichte selbst keinen Platz.

Wie verlief die Recherche?
Zuerst einmal wollte ich die Zeit und das Leben auf einem Segelschiff zu Beginn des 19. Jahrhunderts verstehen. Also habe ich alle verfügbare Literatur gelesen, soziologische Untersuchungen, historische Handbücher der Seemannschaft, Abenteuerromane, Forscherberichte et cetera. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, habe ich mir auch viele Seefahrerfilme angesehen und selbst ein paar Schiffsreisen unternommen. Dann habe ich mich mit Extremzuständen beschäftigt, Berichte darüber gelesen, selbst zwei Wochen lang gefastet. Außerdem war ich noch in Rochefort, wo die Flotte um die Medusa gestartet ist, sowie im Senegal, nahe der Stelle, wo das Schiff auf Grund gelaufen ist. Ich habe also alles unternommen, um den historischen Ereignissen nahe zu kommen. Im Nachhinein bin ich froh, mich mehrmals überwunden zu haben.

Welche Erfahrungen haben Sie auf Ihren Reisen nach Rochefort in Frankreich und nach Westafrika gemacht und wie präsent ist dort die Katastrophe der Medusa?
Weder in Frankreich noch im Senegal ist die Geschichte um das Floß der Medusa bekannt. Die meisten haben noch nie davon gehört. Für mich waren die Eindrücke an Ort und Stelle sehr inspirierend und wohl auch notwendig, um dem Roman etwas Patina zu geben. Ähnlich war es mit dem Hungern. Man kann Dinge zwar von der Theorie her verstehen, wenn man ihnen dann aber ausgeliefert ist, ist es doch etwas anderes.

Die Fragen stellte © Herbert Ohrlinger.

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