Wie man langsamer verliert
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Robin Robertson

Wie man langsamer verliert

übersetzt aus dem Englischen von Anne Kristin Mittag
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Details zum Buch
  • Erscheinungsdatum: 15.03.2021
  • 256 Seiten
  • Hanser Verlag
  • Fester Einband
  • ISBN 978-3-446-26571-4
  • Deutschland: 25,00 €
  • Österreich: 25,70 €

„Dieses Buch verwebt schwindelerregende, jazzige Meditationen über Kriegstraumata, Männlichkeit, Betrug und Erlösung.“ (Ocean Vuong)

Der Veteran Walker will nicht mehr zurück in die Provinz. Traumatisiert vom Krieg sucht er in der Metropole nach Freiheit, Anonymität und Schutz. In New York trifft er den Regisseur Robert Siodmak, der ihm von Hollywood vorschwärmt. Also beginnt Walker eine Odyssee durch ganz Amerika, zu dem Ort, an dem gerade Filmgeschichte geschrieben wird: Es ist die Zeit des legendären Film Noir. Hier erfährt Walker, wie gespalten die Gesellschaft des neuen Amerika ist, wie sehr der amerikanische Traum bereits bröckelt. In einer glänzenden, poetischen Sprache erzählt Robin Robertson, der mit diesem Buch auf der Shortlist des Bookerpreises stand, den amerikanischen Mythos in einer völlig ungewöhnlichen Weise neu.

Robin Robertson

Robin Robertson

Robin Robertson, 1955 in Scone im Nordosten Schottlands geboren, lebt als Lyriker und Verleger in London. Er hat bislang vier Gedichtbände veröffentlicht, für die er u. a. mit dem E. M. Forster Award ausgezeichnet wurde. ...

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Presse

"Robin Robertson, als Lyriker und Verleger bekannt, hat ein tief beeindruckendes Erzählgedicht verfasst, in einer Sprache, die von der ersten Seite an hineinzieht. Ein düsteres Buch, das keinen Leser, keine Leserin ungerührt lassen dürfte.", Rainer Moritz, Chrismon, 01.06.2021

"Es ist ein Meisterwerk der Stadtliteratur, das der schottische Lyriker Robin Robertson mit diesem Roman in Versform abgeliefert hat.", Michael Hirz, Kölner-Stadtanzeiger, 08.04.2021

"Wollte man diese betörende Dichtung auf den Punkt bringen, könnte man es mit den Worten eines aus Deutschland geflohenen jüdischen Sozialdemokraten versuchen, der an einer Stelle sagt: 'Endlich! Deutscher Expressionismus trifft auf amerikanischen Traum!'", Philipp Haibach, Rolling Stone, 26.05.2021

„Ein teilweise wie losgelassener, dabei hochkontrollierter und immer wieder überraschender Roman über die Wahrnehmung von Großstädten, ihrer Lichtwechsel, ihres Lärms, ihrer Gerüche. Man kennt das alles schon und liest es doch wie zum ersten Mal. Man sieht den historischen Abstand und spürt doch die Auswirkungen bis heute. Man empört sich über die gesellschaftlichen Zustände und lässt sich doch auch in die dunkle Romantik der einsamen Nächte und wie aus den Augenrändern beobachteten Mitmenschen, der Straßenecken und Tresenszenen fallen.“, Dirk Knipphals, taz, 26.06.2021

5 Fragen an …

Robin Robertson

Herr Robertson, Sie sind als Lyriker bekannt. Was hat Sie dazu bewogen, ein Epos zu schreiben, das – unter anderem – im Hollywood der 1940er und 1950er Jahre spielt?
Ich wollte mich selbst herausfordern, meine Arbeit für neue Bereiche öffnen: das heißt auf verschiedene amerikanische Städte blicken, in einer bestimmten Phase der Nachkriegszeit. Mehr durch Zufall als aus Ehrgeiz habe ich eine längere narrative Sequenz geschrieben, mit Figuren und Dialogen: eine fiktive Szene an echten Orten im Rahmen realer Ereignisse – aber alles gefiltert wie in einem Film oder durch die Vorstellungskraft. Dieser narrative Raum schien mir groß genug, um über viele meiner wiederkehrenden Interessen zu schreiben – die Behauptung des Menschen gegen die Natur, die Zerbrechlichkeit von Verlangen und Glück, das plötzliche Aufflammen von Gewalt, der Ansturm des Alters, die langen Schatten von Schuld und Scham, die Bereiche des Verlusts.

Gibt es Vorbilder, die Sie zu dieser sehr speziellen literarischen Form inspiriert haben, in der sich freie Verse mit Einträgen aus Notizheften und Tagebüchern mischen?
Ich habe ganz bewusst auf irgendwelche Vorbilder verzichtet, abgesehen vom Film. Dichtung gibt der Sprache eine besondere Intensität, aber sie erlaubt selten einen narrativen Bogen oder Dialoge. Ich aber brauchte so viele literarische Techniken wie möglich, denn ich wollte meine Figur Walker auf der Suche nach Gemeinschaft und Genesung durch ganz Amerika schicken. In meinem Empfinden verlangte die Beschreibung von Walkers Erlebnissen in einer erschütterten Realität nach einer gebrochenen Form.

Ihr Held ist ein kanadischer Soldat, der aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkommt. Er ist ein gebrochener Mann, der in einem fremden Land nach Erlösung sucht. Warum haben Sie diese spezielle Perspektive gewählt?
Ich habe mich an die innere Verstörung erinnert, die ich in den späten 1970ern empfunden habe, als ich aus dem Nordosten Schottlands nach London gekommen bin. Ich wollte diese gewaltige Anziehungskraft von Städten einfangen. London fühlte sich zu vertraut an, um darüber zu schreiben. Aber die USA boten eine Distanz, besonders in der Vergangenheit. Das erlaubte mir, einen Charakter zu schaffen, der zwar aus Nordamerika kommt, aber kein Amerikaner ist. Einen jungen Mann, der viel Not erlebt hat, mit einem ländlichen Hintergrund, aus einem benachbarten Land im Norden – demselben Kontinent, mit derselben Sprache -, der im Krieg auf derselben Seite gekämpft hat, aber dennoch ein Außenseiter ist, ein Fremder.
Ich habe lange gedacht, dass die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA eine ganz besondere Zeit waren: der militärische Triumph, die Wirtschaftsmacht, die aufregende Kultur – und dabei der amerikanische Traum kurz vor dem Ende. Die großen Nachkriegsstädte – New York, Los Angeles, San Francisco – boten eine Vielzahl an schönen, zerbrechlichen Illusionen, aber das Land war vergiftet durch Rassentrennung und tiefe soziale Gräben, durch Korruption und Kriminalität. Das war die Zeit von McCarthy, dem Kalten Krieg und der Beginn von vielem, woran wir heute gewöhnt sind: politische Paranoia und Fehlinformation, eine katastrophale Außenpolitik und ein rückwärtsgewandtes fremdenfeindliches Klima.

Was fasziniert Sie am amerikanischen Film noir dieser Zeit?
Als Teenager in Schottland habe ich es geliebt, wenn diese Schwarzweißfilme im Fernsehen gezeigt wurden. Ich wusste allerdings nie, dass sie auch einen Namen haben – Film noir – und erst in London, im richtigen städtischen Umfeld, habe ich verstanden, weshalb sie so eine Wirkung auf mich ausübten. Diese Kunst erzählte von Außenseitern: versunken in Paranoia und existenzieller Not. Die Filme zeigten Städte in einer Form, wie ich sie aktuell erlebte: als einsamer junger Mann in einer rauen, bedrohlichen, fremden Umgebung. Umso mehr ich über den Film noir erfuhr, desto mehr interessierte er mich. Diese Filme setzen die Verlockungen der Städten in Szene – diese Schatzkammern aus Prunk und Elend, unendlichen Möglichkeiten und Einsamkeit. Und sie wurden geschaffen von Personen, die real existierten in diesem historischen Drama. Immigrierte Regisseure, Kameraleute und Schauspieler – meistens Deutsche auf der Flucht vor Hitler – mit ihren jeweils eigenen Empfindungen und Schrecken. Sie hatten einen objektiven Blick auf die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Und damit waren sie in der Lage, aus Angst Kunst zu machen, den Kollaps der weißen Gartenzaunidylle sichtbar zu machen. Im Film noir trafen Deutscher Expressionismus und existenzielle Bedrohung auf den Amerikanischen Traum.

Wie lange haben Sie für Ihr Buch recherchiert? Und wie sind Sie vorgegangen? Haben Sie die Orte, die Sie beschreiben, alle besucht?
Es gab viele nervige Details, die ich recherchieren musste, um nichts Falsches zu schreiben: Der militärische Einsatz der North Scotia Highlanders vor und nach der Landung der Alliierten in der Normandie zum Beispiel; die Geschütze auf beiden Seiten, die exakte Geographie des besetzten Frankreich im Jahr 1944. Dann die kalifornische Städteplanung in den 1950er Jahren, die Geologie, Botanik, Bevölkerung und Geschichte des Los Angeles-Beckens. Die Gesellschaft der Nachkriegszeit: wie sie aussah und wie sie sprach, trank und rauchte. Die genauen Orte und Zeiten von Zügen, Bussen und Film noir -Drehs.
Ich reise seit 1976 in den USA und Kanada, und habe in beiden Ländern gelebt. Ich war jedoch niemals in Nova Scotia gewesen. Also habe ich lange Spaziergange durch Inverness County in Cape Breton unternommen, wo Walker herstammt. Die weitere topographische Recherche war schwierig. Ich bin mit den historischen Straßen von Manhattan und San Francisco vertraut. Aber die historischen Stadtzentren von Los Angeles wurden in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren systematisch zerstört (oder „neu entwickelt“, wie wir heute sagen). Deshalb sind die einzigen dokumentierten Aufnahmen von Bunker Hill – wo so viele Noir -Filme gedreht wurden, draußen und oft bei Nacht – die Filme selbst. Also habe ich über 400 Filme angeschaut – zuerst aus purer Freude, dann mit Blick auf den einzigartigen Stil und Ton. Ich habe sie mir immer wieder angesehen, um bestimmte Redewendungen, den Slang herauszuhören. Und ganz besonders auch im Hinblick auf die genaue Geographie der Innenstadt. Ich habe auf Basis der Filme eine Karte von Bunker Hill gezeichnet. Sie ist Teil des Buchs geworden.

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