Nichts

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Janne Teller

"Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun." Mit diesen Worten schockiert Pierre alle in der Schule. Um das Gegenteil zu beweisen, beginnt die Klasse alles zu sammeln, was Bedeutung hat. Doch was mit alten Fotos beginnt, droht bald zu eskalieren: Gerda muss sich von ihrem Hamster trennen. Auch Lis Adoptionsurkunde, der Sarg des kleinen Emil und eine Jesusstatue landen auf dem Berg der Bedeutung. Als Sofie ihre Unschuld und Johan seinen Zeigefinger opfern mussten, schreiten Eltern und Polizei ein. Nur Pierre bleibt unbeeindruckt. Und die Klasse rächt sich an ihm ... Eine erschütternde Parabel über das Erwachsenwerden, Erziehung und Gewalt in unserer Gesellschaft.


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Janne Teller, 1964 in Kopenhagen geboren, arbeitete als Konfliktberaterin der EU und UNO in aller Welt, besonders in Afrika. Seit 1995 widmet sie sich ganz dem Schreiben und lebt heute in New York und Berlin. Für ihr literarisches ...

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Janne Teller liest aus "Nichts. Was im Leben wichtig ist"

Janne Teller liest eine weitere Passage aus "Nichts. Was im Leben wichtig ist".

Presse

„Dass wir Bedeutung brauchen, dass wir sie uns aber nicht mit Sicherheit geben können, davon erzählt Janne Teller. Es ist eine scheinbare Trostlosigkeit, die sie uns vorsetzt, doch eigentlich ist es eine radikale Ehrlichkeit, die uns von dem Ballast befreit, an den zu glauben wir, wären wir ehrlich, auch nicht in der Lage sind. Ihr Buch ist keine Vernichtung, sondern ein Befreiungsschlag von all dem Rost, unter dem wir tagtäglich ein wenig mehr erstarren.“ Nora Bossong, Spiegel Wissen, 5/2015

"'Nichts' verhandelt nichts Geringeres als unser aller Sehnsucht nach Bedeutung. Unmittelbar und literarisch herausragend schreibt Teller darüber, wie weit Menschen zu gehen bereit sind aus Angst vor der großen, unaussprechlichen Leere. Ihr gelingt es, die elementaren philosophischen Fragen ungewöhnlich klar zu verhandeln." Dunja Stamer, ZDF Aspekte, 23.07.10

"'Nichts' gehört zu den literarisch und philosophisch interessantesten Jugendbüchern der letzten Jahre." Christine Lötscher, Tages-Anzeiger, 17.08.10

"Ein brutales, ein mutiges Buch – ein literarischer Glücksfall zur rechten Zeit! Ein Tabubruch mit Tiefgang und Zukunft. ‚Nichts' deprimiert nicht, sondern ermutigt seine Leser, ihr Leben selbst zu bestimmen. Es beschreibt eine Suche, auf die sich jeder irgendwann begibt, die aber selten so packend erzählt worden ist." Birgit Dankert, Die Zeit, 05.08.10

"Dieses Buch ist ein Hammer. Es ist radikal, es ist verstörend, es ist wahrhaftig, also genau so, wie gute Jugendliteratur eigentlich sein sollte." Amelie Fried und Ijoma Mangold, ZDF Die Vorleser, 17.09.10

"Janne Tellers Roman ist wie eine Parabel auf eine Welt ohne Kompass. Ihre Helden sind auf einer existentiellen Jagd nach nichts weniger als dem Sinn des Lebens. Das trifft den Nerv der jungen Leser." Ulf Kalkreuth, ARD Titel Thesen Temperamente, 19.09.10

"Die Provokation des Romans besteht in dessen existenzieller Fragestellung: Worin liegt der Sinn des Lebens? 'Nichts' nimmt Jungen und Mädchen mit auf eine außergewöhnliche Gedankenreise. Was kann Literatur mehr leisten?" Claudia Voigt, KulturSpiegel, 27.07.10

"Janne Teller macht deutlich, wie Fundamentalismus entsteht und funktioniert. Das ist kein geringer Verdienst. NICHTS macht erbarmungslos deutlich, dass ein Lebenssinn, der das Leben kostet, nicht sinnhaft sein kann." Wieland Freund, Die Welt, 07.08.10

"Eine psychologisch spannende Parabel über Mut und Feigheit, über den Sog und die Faszination von Grausamkeit, über die Verführbarkeit durch Ideologien und die Suche nach dem Sinn des Lebens. 'Nichts' erschüttert dadurch, dass das Erzählte nicht wahrscheinlich, aber denkbar ist und so unaufhaltsam abläuft wie ein antikes Drama. Unberührt wird keiner das Buch aus der Hand legen." Sylvia Schwab, Deutschlandradio Kultur, 24.08.10

"Janne Tellers Roman zwingt einen, Werte zu überdenken, und erzählt von deren Verrat durch Käuflichkeit. Was dann geschieht, überrascht, nicht zuletzt auch wegen Tellers suggestivem Stil." Hans ten Doornkaat, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 22.08.10

"Teller zeigt, wie harmlos die Tabubrüche in Sachen Sex and Crime letztlich sind - die Abgründe liegen anderswo. Die eigentliche Provokation steckt im unbeteiligten Ton der Ich-Erzählerin, von der ein rätselhafter Sog ausgeht. Teller bietet uns keinen Unterschlupf in ein stellvertretendes Entsetzen der Erzählerin. Sie lässt uns mit der nackten Frage, wo das Nichts aufhört und der Sinn beginnt, allein - deshalb müssen wir anfangen, darüber zu reden." Sieglinde Geisel, Neue Zürcher Zeitung, 01.09.10

"Wer wissen möchte, welchen Weg Fanatiker hinter sich haben, die alles und jeden zu opfern bereit sind, findet in "Nichts" eine Antwort." Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.10

„… Herr der Fliegen und Nichts - Beide Romane verhandeln Jugendgewalt und enden auf nichttriviale Weise bei denen, die in den literarischen Settings auf den ersten Blick fehlen oder wie Randfiguren auftauchen – den Erwachsenen. Frei nach Golding dürfen die Leser weiterfragen: wer rettet die Erwachsenen in Janne Tellers Roman? … und noch weiter: wer rettet diejenigen, die in unserer realen Welt unbeteiligt und beteiligt neben Kindersoldaten stehen, jugendlichen Amokläufern … Mobbingopfern und -tätern. Wer rettet uns? … Wer wagt es nein zu sagen und wie retten wir jene Werte, die beide Romane uns eigentlich nahe legen wollen: Autonomie, Selbstbewusstsein, Wissen um den eigenen Wert und den Wert für die Gesellschaft, den man da stellt, common sense, Rücksichtnahme, Menschlichkeit.“ Iris Dorsch, SWR 2 Wissen, 16.10.14

Leseproben

Kommentare

Gerd Kracht
05.12.2012

Janne Teller: Nichts, was im Leben wichtig ist. Roman – übersetzt aus dem Dänischen von Sigrid Engeler. München: Hanser 2010, 144 S., empfohlen ab 14 Jahren —- ISBN 978-3-446-23596-0
Als „Nihilistischen Schocker“ titulierte die Wiener Zeitung vom 18.10.2010, Janne Tellers Roman: „NICHTS“, was im Leben wichtig ist. Die Schüler der Klasse 7A im dänischen Ort Tæring (was auf Deutsch mit „rosten“, „korrigieren“ zu übersetzen ist) sehen sich herausgefordert von Pierre Anthon, einem Mitschüler. Seine Rede und Verhalten werden zum Stein des Anstoßes. Pierre Anthon sagt:
„Nichts ist von Bedeutung. Nichts macht also Sinn, das habe ich gerade herausgefunden.“
Mit diesen Worten schreitet der Schüler durch die breit grinsende Klassenzimmertür, verlässt den Klassenraum und setzt er sich in einen, unweit der Schule stehenden Baum. Janne Teller setzt eine klassische Erleuchtungserfahrung an den Anfang der Geschichte. Pierre Anthon weiß, die breit grinsende Klassenzimmertür durchschreitend, dass er sich selbst bewusst geworden ist, zum Wesentlichen gelangt ist.
In diesem Moment fallen Befürchtungen und Hoffnungen. Zukunft und Vergangenheit von ihm ab. Es gibt nur Pierre Anthon im gegenwärtigen Augenblick. P.A. weiß, das kann nur jeder für sich selbst herausfinden, wenn man, wie Pierre Anthon bereit ist, alle vorhandenen Sinndeutungen aufzugeben, oder gar dem Humor und Spott preiszugeben. Der innere Kampf hört auf. Es gibt nichts mehr zu beweisen außer dem Wichtigsten, das nicht mehr bewiesen werden muss: Es gibt mich jetzt, so wie ich mir in diesem Augenblick gegeben bin.
„Nichts“ wird für ihn im gleichen Moment zu einer Seinserfahrung: „Ich-Bin-Jetzt“ – das ist weder befürchtete Vergangenheit noch erhoffende Zukunft, eben nur „Jetzt.“ In diesem Moment wird P. A. wesentlich, kommt also zu seinem wirklichen Wesen. Sorge oder Angst vor Bedeutungsverlust sind aufgegeben.
Mit diesen Worten wendet sich der Protagonist vom „Ort des Nichtwissens“ zum „Ort des Wissens,“ also vom Unterrichtsraum zum Hochsitz im Baum. Die lachende Tür steht für die allgemeine Verwirrung, die ja die Wirkungsgeschichte des Buches an Schulen zeigt. Verwirrung, besser Verunsicherung ist kaum auszuhalten, wird eher gefürchtet. Eine Wissensgesellschaft fürchtet sich vor dem Nichtwissen. In einer solchen Gesellschaft bedeutet Sinn, sich selbst mit Begriffen, Sinndeutungen und überkommenen Vorstellungen der Erziehungsberechtigten zu identifizieren.
Pierre Anthon tut das nicht mehr. Wie bei seinen Mitschülern erkennt er auch die sich wiederholenden Erklärungsmuster der Erwachsenen. So nimmt er den ersten Schultag nach den Ferien zum Anlass, dem Wesentlichen, das er selbst fand, Ausdruck zu verleihen: Sinn ist Lebens jetzt: „Es gibt mich jetzt.“ Darin liegt alle Bedeutung, alles und zugleich nichts. Das muss nicht bewiesen werden. Sinn muss nicht durch „Bedeutungs- Opfer“ auf seinen Wahrheitsgehalt oder gar auf seine Richtigkeit geprüft werden.
Die Mitschüler dagegen beeilen sich, ihr Wissen vom Sinn unter Beweis zu stellen. Mit immer größeren Bedeutungs-Opfern kämpfen sie gegen unverständlich gewordenes Nichtwissen an. “Was bleibt in meinem Leben, wenn ich das aufgebe, was mir Bedeutung gibt?“ Angst vor Bedeutungslosigkeit die durch Pierre Anthon, in die Nähe kam, aktiviert entsprechenden Missionseifer bei den Klassenkameraden. Mit selbst gewählten Bedeutungs-Inhalten ziehen sie gegen gegenwärtig gewordenes >Nichtwissen< zu Felde. Pierre Anthon bleibt davon unberührt. Beim Durchschreiten der Klassenzimmertür bleiben die üblichen Bedeutungshoheiten auf der Strecke, weil man selbst wesentlich wird.
Zu ähnlichen Reaktionen sahen sich neben Anthons Klassenkameraden nach dem Erscheinen des Buches auch Pädagogen, religiöse Autoritäten und Erziehungsberechtigte herausgefordert. Kaum lag das Buch in den Buchhandlungen, da führten Unverständnis und Ablehnung sogar zum Vorschlag, das Buch auf den Index zu für Jugend gefährdende Schriften zu setzen. Allerdings: Bis in die Gegenwart ist „Nichts“ – nicht in allen Schulen erlaubt.
Der Gang durch die grinsende Tür als Symbol verunsichert allerdings zusätzlich. Janne Teller unterstützt die innere Erfahrung mit Ergebnissen der Evolutionsforschung und Abstammungslehre. Entdeckungen in Gehirn- und Bewusstseinsforschung, nimmt sie in einem ZDF-Interview vom 30. 07. 2010 auf:1: „Mehr als 98% stimmt unsere DNA mit denen, der Schimpansen überein. Wir haben fast dasselbe Gehirn.“ Der Vergleich mit Primaten steigert die Brisanz der Erzählung, Brisanz deshalb, weil sich die Verwirrung noch ausweitet.
Die Intention dieses Buches ist letztlich eindeutig: Jugendliche sind unterwegs auf der Suche nach dem Wesentlichen. Deshalb liest sich der Roman beinahe wie ein Manifest, nämlich unbedingt auf die fragenden Jugendlichen einzugehen. Dann bleiben entscheidende Fragen auch im Erwachsenenalter lebendig.
„Es gibt mich“ ist für Pierre Anthon von innen heraus wesentlich geworden. Vollkommen erfahrene Seins- und Sinn- Erfahrung steht einer fremden, nicht selbstgefundenen Sinngebung, gegenüber.
Lesenswert ist das Buch schon deshalb, weil Verstehen und Verwirrung ungefragt nebeneinander stehen dürfen.
Gerhard Kracht, Pfr.


Harald Seemann
18.01.2012

NICHTS
was im Leben wichtig ist
-Buchkritik

In dem Buch „NICHTS“ ,von Janne Teller, herausgebracht 2010 in Deutschland, vom HANSER-Verlag, geht es um die Bedeutung des Lebens und der Suche danach.
Als Hauptfigur und Erzählerin dient die 12 jährige Agnes, welche mit ihren Klassenkameraden, Sophie, Jan-Johann, dem frommen Kai, Ole, Anna Li, dem großen Hans, Hussein und dem Rest der Klasse, nach der Bedeutung sucht um sie dem nihilistischen Pierre-Anthon zu zeigen.
Wir finden „NICHTS“ lesenswert und empfehlen es auf jeden Fall weiter, da es ein Thema behandelt, mit dem sich jeder schon einmal beschäftigt hat oder sollte. Das Buch prangert die moderne Gesellschaft mit Erziehungspersonen, dem Medienrummel und die Vernachlässigung der Kinder an, was der Grund dafür ist, dass das Buch erst 10 Jahre nach dem offiziellen Erscheinungsdatum einen Verlag in Deutschland fand, der bereit war dieses unter seinem Namen zu veröffentlichen.
Die Spannung, welche das ganze Buch über anhält und den Leser fesselt gefällt uns persönlich besonders gut.
Außerdem gibt es ein Hörbuch, welches bei Silberfisch/Hörbuch Hamburg erschien.
Gelesen von Laura Maira, ist es ein sehr hörenswertes Hörbuch.


Beate Müller
31.03.2011

verrückt, einfach nur krank, brutal, gestört, PSYCHO aber spannens und gut und schnell zu lesen. Außerdem packend, interesant und gut für den UNterricht oder zum NAchdenken.


E.N.
01.08.2010

Dieses Buch zwingt den Leser zum Nachdenken und die Geschichte wirkt lange nach. Die Suche nach dem Sinn des Lebens ist kein Spaziergang und dies zeigt die Autorin in aller Konsequenz. Erwachsene und Jugendliche sollten es lesen und sich darüber unterhalten und auch streiten, denn eine einhellige Meinung kann und wird es bei einem solch erstaunlichen Buch nicht geben.


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