Geschichte der Zukunft

Geschichte der Zukunft

Joachim Radkau

Ein ungewöhnlicher Blick auf die deutsche Geschichte: Wovon wir träumten, was wir fürchteten – Zukunftsprognosen von 1945 bis heute

Bald werden uns kleine Reaktoren im Garten mit Energie versorgen. Das Waldsterben lässt sich nicht mehr aufhalten. Der Sozialismus macht ein Ende mit der sozialen Ungerechtigkeit. Wirklich? Joachim Radkau hat erforscht, wie sich die Deutschen seit 1945 ihre Zukunft ausgemalt haben. Hoffnungen und Ängste, Prognosen und Visionen, fatale Irrtümer und unerwartete Wendungen: Im Rückblick staunt man, wie sicher wir zu wissen glauben, was auf uns zukommt. Dabei sind diese Vorstellungen oft Grundlage weitreichender Entscheidungen, ob es nun um die Umwelt geht, um die Rente oder die Bildung. Ein ungewöhnlicher Blick auf die deutsche Geschichte von einem der originellsten Historiker unserer Tage.


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Joachim Radkau, Jahrgang 1943, lehrte als Professor bis 2009 Neuere Geschichte an der Universität Bielefeld. Bei Hanser sind erschienen: Das Zeitalter der Nervosität (Deutschland zwischen Bismarck und Hitler, 1998), Max Weber (Die ...

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Presse

„Es kommt immer anders, als man denkt, und hinterher ist man klüger. Diese alten Weisheiten bestätigt Joachim Radkau in seiner Geschichte der Zukunftsvisionen seit 1945 kenntnisreich.“ Beat Bumbacher, Neue Zürcher Zeitung, 24.08.17

"Zweifellos ist es gut geschrieben und unterhaltsam zu lesen, voller Anekdoten und unbekannter Detailinformationen.“ Lucian Hölscher, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.17

"Die Zukunft ist, zumal in Zeiten rasant fortschreitenden Wissens, nicht zu prophezeien. Wer dafür Beweise braucht, findet sie bei Joachim Radkau dutzendfach. ... Joachim Radkau diagnostiziert in seinem erhellenden Buch eine ‚Zickzack-Bewegung der Automatisierungs-Zukünfte‘ und macht darauf aufmerksam, dass sich die Leitmotive des zugehörigen Diskurses bis heute wiederholen.“ Claudia Mäder, NZZ Bücher am Sonntag, 26.02.17

„Radkau ist ein unheimlich eloquenter und unheimlich belesener Autor. (...) Dieses Buch ist eine ziemlich erstaunliche und aufregende Lektüre. Es macht Spaß, zurückzugucken, wo wir uns alle geirrt haben und wo wir in den letzten siebzig Jahren geglaubt haben, es gehe in ganz andere Richtungen. Ein erstaunliches Werk.“ Johannes Kaiser, SWR2 „Forum Buch“, 19.02.17

"Ein kluges und äußerst amüsantes Geschichtsbuch über die Visionen und Irrungen in Deutschland zwischen 1945 bis heute. Eine wunderbare Watschen für alle Apokalyptiker." Norbert Haberger, BR Capriccio, 16.02.17

"Ein ungewöhnlicher Blick auf die Geschichte. (…) Dabei zeichnet Joachim Radkau nicht nur große Debatten nach, sondern erlaubt lesenswerte Einblicke auf die Hinterbühnen der Agrar- und Industrieverbände, Ausschüsse, Lobbyisten und Beraterstäbe.“ Frank Kaspar, Deutschlandradio Kultur "Buchkritik", 08.02.17

"Ein Geschichtswerk, das perfekt in die Gegenwart passt: ins Zeitalter der Fehlprognosen und der Hysterie. Ein Anti-Besserwisser-Buch.“ Tobias Becker, Literatur Spiegel, 2/2017

"Radkau sammelt, rekonstruiert und interpretiert dabei nicht nur visionäre Entwürfe von Vordenkern und Science-Fiction-Autoren – wie es manche vergleichbaren Werke der Zukunftsforschung tun. Vielmehr beschreibt er die Vorstellungen von Politikern und Ökonomen, sucht nach Zukunftsvisionen in Presseartikeln, und nach den ganz alltäglichen, kleinen Ängsten und Hoffnungen der Menschen. (...) Radkaus essayistisch formulierte Gedanken bilden den roten Faden durch diese Zukunftsgeschichte der BRD.“ Wolfgang Luef, Süddeutsche Zeitung, 30.01.17

"Eine interessante Lektüre. Plötzlich entdeckt der Leser überraschende Wendungen bei altbekannten Themen, die die Geschichte der Bundesrepublik noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen." Stefan Maas, Deutschlandfunk "Andruck", 30.01.17

"Ein lesenswertes Buch. (...) Wer eine Geschichte der technischen Utopien sucht, findet hier eine spannende Lektüre." Alan Posener, Die Welt, 28.01.17

"Atomtod, Bildungskatastrophe, Siegeszug des Sozialismus, Waldsterben – Joachim Radkau hat aus den abgelegensten Quellen zusammengetragen, welche Prognosen, Visionen und Irrungen in Deutschland seit 1945 die Zukunftserwartungen bestimmt haben, in Ost und West. (...) Die Lieblingszutaten in dieser Geschichte sind die Ironie, das Unverfügbare, das Offene, das Paradox. Und Radkaus Lieblingsgegner ist die große Meistererzählung von der einen Historie.“ Elisabeth von Thadden, Die Zeit, 16.02.17

5 Fragen an …

Joachim Radkau

Warum soll es interessant sein, wie die Menschen sich früher ihre Zukunft vorgestellt haben?
Um die Menschen früherer Zeiten zu verstehen, darf man nicht nur – wie es die Historiker bislang am liebsten taten – in Ursprüngen stöbern, sondern muss mindestens so sehr deren Zukunftserwartungen kennen. Diese können sich von dem tatsächlichen Fortgang der Geschichte radikal unterscheiden. Daher wird die Zukunftsgeschichte über weite Strecken zu einer Geschichte der Überraschungen und der Überrumpelungseffekte; nicht zuletzt darin liegt ihr spezieller Reiz. Die deutsche Geschichte seit 1945 wird bislang von vielen als zwar löblich, doch etwas langweilig und strukturlos empfunden; über die Zukunftserwartungen bekommt sie mit einem Schlage ein höchst dramatisches Zickzack!
Aber auch aus aktuellen Gründen ist die Zukunftsgeschichte wichtig. Uns wird drastisch vor Augen geführt, dass die Zukunft stets viel Unbekanntes enthält. Daher sollte man Propheten, die vorgeben, die Zukunft genau zu kennen, keinen Glauben schenken, sich vielmehr unterschiedliche Zukunftsszenarien vor Augen führen. Dazu gehört ein scharfer Blick auf die Vielseitigkeit und Vieldeutigkeit der Gegenwart mit ihren unterschiedlichen Potentialen. Zugleich wird man gesprächsbereit gegenüber Andersdenkenden. Zukunftsgeschichte, richtig verstanden, wirkt jener Polarisierung der Positionen entgegen, die seit geraumer Zeit die politische Diskussion lähmt, ob es um EU und Nation, Flüchtlinge oder Klimawandel geht.

Wann waren die Deutschen besonders optimistisch, wann besonders pessimistisch?
Am Anfang des Buches steht ein Schaubild des Allensbach-Instituts für Meinungsforschung über Hoffnungen und Hoffnungseinbrüche der Bundesdeutschen von 1949 bis 2016: Es präsentiert ein permanentes Zickzack zwischen Hoffnungen und Sorgen. Die letzteren sind in ihren Ursachen markanter: Koreakrieg, Mauerbau, die beiden Ölkrisen, die Flüchtlingswellen, die Terroranschläge. Aber Vorsicht mit derart pauschalen Stimmungsbildern. Bei der Geschichte der Zukunftserwartungen gibt es unendlich viel zu entdecken; da lohnt sich detektivische Detailforschung. Immer wieder kommt heraus, dass viele Bundesdeutsche auch bei einem allgemeinen Pessimismus in ihren persönlichen Erwartungen ganz zuversichtlich waren. Darin liegt etwas Tröstliches der bundesdeutschen Zukunftsgeschichte: Selbst bei tiefem Pessimismus waren gewaltige Aufbauleistungen möglich!

Haben sich die Möglichkeiten, die Zukunft zu prognostizieren, verbessert?
Die professionelle Prognostik, die sich vor allem in den 1960er Jahren als Spezialwissenschaft zu etablieren suchte, hat sich nicht bewährt. Aussichtsreicher sind Prognosen, die einem unruhigen Herumschauen, einem “vagabundierenden Blick” entspringen. Die wachsende Bedeutung von Umweltproblemen, bei denen Naturgesetze hineinspielen, ist immerhin ein Argument dafür, dass sich zumindest in dieser Hinsicht – nicht bei der Prognose künftiger US-Präsidenten – die Chancen der Prognostik verbessert haben. Aber selbst die künftige Klimaentwicklung lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen. Historische Erfahrungen mit der Prognostik sprechen für einen Politikstil, der mehrere Optionen im Auge behält und im Blick darauf auf der “sicheren Seite” operiert.

Mit was hat nach 1945 niemand gerechnet – und warum?
Eine ganz große Überraschung war für viele Nachkriegsdeutsche das “Wirtschaftswunder”. Aus der Besserwisserei der Retrospektive war es gar kein Wunder; aber selbst der bestinformierte Karl Schiller veranschlagte um 1947 als Hamburger Wirtschaftssenator die Dauer des Wiederaufbaus auf 80 Jahre! Auch die lange Friedenszeit nach 1945, die später vielen so selbstverständlich vorkam, war eine der allerschönsten Überraschungen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Und dann die Wiedervereinigung von 1990, die wohl nicht zuletzt dem kolossalen Überraschungseffekt zu verdanken ist: Auf diese Weise wurde der Sicherheitsapparat der DDR überrumpelt.

Und jetzt noch eine persönliche Frage: Sind Sie eher Optimist oder Pessimist?
Darauf kann ich nur antworten: Ich bin kein Optimist, ich bin kein Pessimist, ich bin ein Possibilist. Wie ich auf S. 433 geschrieben habe: “Die Zukunftsgeschichte gewinnt ihren Wert, geistig wie praktisch, als Einübung in Possibilismus.”

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