Dresden

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Robert Koall

"Diffus ist das nicht, es ist weltfremd. Und es ist auch nicht Angst, sondern Wut. Und bodenlose Doofheit ist auch dabei."

Als die Pegida-Aufmärsche beginnen, geht auch Robert Koall auf die Straße. Er ist bei Pegida, er ist bei den Gegendemonstranten. Er ist überall in Dresden, wo plötzlich seltsame Widersprüche aufeinanderprallen. Weshalb gerade in Dresden? Woher die dumpfen Ressentiments, die hier plötzlich jede alltägliche Begegnung vergiften? Robert Koalls Beobachtungen zeigen eine Gesellschaft, die innerhalb weniger Montagsdemos die Orientierung zu verlieren droht.

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Robert Koall

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Robert Koall, geboren 1972 in Köln, ist seit 2009 Chefdramaturg am Staatsschauspiel Dresden. Zuvor war er unter anderem Assistent von Christoph Schlingensief und arbeitete als Dramaturg am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am ...

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" ... eine Art Milieubeschreibung und darin besser als viele Reportagen, die aus der Pegida-Hochzeit stammen." Philipp Schnee, Deutschlandradio Kultur, 08.04.15

"Als (unfreiwilliger) teilnehmender Beobachter hat er auf die Ereignisse vom vergangenen Winter mit komplexen Beschreibungen und oft hellsichtigen Selbstreflexionen reagiert... Es lohnt sich zu lesen. Es macht klüger." Dirk Knipphals, Die Tageszeitung, 28.03.15

5 Fragen an …

Robert Koall

Robert Koall, Sie leben in Dresden und haben in der Hanser Box über Ihren Winter in einer Stadt mit Pegida geschrieben. Warum gleich ein ganzes kleines Buch über Pegida?

Es ist ja kein „ganzes Buch“ über Pegida. Jedenfalls nicht in dem Sinn, den Anspruch zu haben, das Phänomen Pegida von allen Seiten zu durchleuchten. Mein Text ist eine persönliche Reportage, eine teilnehmende Beobachtung, die zwar manchmal etwas polemisiert und die durchaus meinen eigenen Standpunkt erkennen lässt – die aber vor allem ein Stimmungsbild Dresdens in Winter 2014/2015 sein soll, und die Wertung und Einordnung oft den Lesern überlässt.

Sind die Pegida-Demonstranten in Ihren Augen gefährliche Demagogen und Vollidioten, mit denen Demokraten nichts zu tun haben wollen? Oder Bürger mit berechtigten Anliegen, mit deren Sorgen man sich auseinandersetzen sollte?

Beides. Und weder noch. Es sind Idioten dabei, genau wie gefährliche Demagogen. Aber auch Bürger, mit denen man sich auseinandersetzen sollte. Um mit ihnen darüber zu reden, wie unberechtigt ihre Anliegen zum allergrößten Teil sind. Und damit sie sich bewusst werden, wes Lied sie singen, wenn sie bei Pegida mitlaufen. Das ist aber zugegebenermaßen extrem aufwendig und anstrengend.

Behauptet wurde ja gerne, Pegida sei ein Ost-Phänomen, ein „sächsische Verhältnisse“-Phänomen oder gar ein letztlich einmaliges Dresden-Phänomen. Was sagen Sie zu solchen Einordnungsversuchen?

Das Klima, das so etwas wie Pegida ermöglicht hat, wird befeuert durch biographische Brüche, durch Frustrationen und ein Gefühl latenter Unterlegenheit. Das findet man im deutschen Osten sicher öfter als in München, Düsseldorf oder Hamburg. Das allein kann aber keine Erklärung sein und beantwortet auch nicht die Frage, warum gerade Dresden eine solche Hochburg für Pegida werden konnte. Und nicht andere Städte im Osten. Nach meinem Dafürhalten ist dafür das sehr passive und defensive Verständnis von Demokratie verantwortlich, das in Dresden herrscht. Woher dieses Verständnis wiederum kommt, mag zum Teil historisch begründbar sein, bleibt mir in seinem Kern aber dennoch rätselhaft.

Noch vor einigen Wochen konnte man das Gefühl haben, die riesige Medienaufmerksamkeit für Pegida trage selbst hysterische Züge. Besteht nicht die Gefahr, dass auch Ihr Buch dieses Phänomen verstärkt?

Mein Text versucht ja, die Hektik der Debatte und den schnellen Meinungsreflex ein Stück weit aufzuheben. Insofern hoffe ich, der Text ist das Gegenteil von hysterisch. Er versucht eher, sich zumindest etwas zurückzulehnen, das Panorama in Ruhe zu betrachten und nochmal grundsätzlich zu fragen: Was ist hier eigentlich los? Eine Antwort habe auch ich nicht, ich kann nur Suchbewegungen beschreiben.

Hat dieser Winter Sie pessimistisch gestimmt, was unsere Demokratie angeht?

Im Gegenteil. Die Stärke und der Umfang der Debatte zeigen doch, dass wir über gute Abwehrkräfte verfügen.

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