The Story-Telling Gene

The Story-Telling Gene

Werner Siefer

The instinct to tell stories is common to all of us. We maintain a constant narrative in our heads of our ambitions and desires, of the whole of our lives. The narrative makes sense of things and puts them into context; it grounds us in time and space. This does not only hold true for the individual; whole groups of people create myths and weave their existence into tales.
There are many answers to the question of what makes us human. One could be that it is our ability to reason or to cooperate with each other. Werner Siefer provides the proof that it is the language and our story-telling gene that make us human. The author makes a convincing case that a well-told tale can work on many levels; it can help us to overcome a personal crisis and it can contribute to peace on earth.


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The Story-Telling Gene

5 Fragen an …

Werner Siefer

Für Sie ist der Mensch nicht vor allem Homo oeconomicus oder Homo ludens, sondern Homo narrans, ein geborener Erzähler. Was zeichnet den Homo narrans aus?

Damit meine ich, dass der Mensch in Geschichten denkt, das ist seine natürliche Grundhaltung. Nicht nur an Sex und Essen, nicht an seinen Vorteil, nicht in Zahlen und auch nicht in Gefühlen. Der Mensch denkt in Erzählungen. Er erklärt seine Erlebnisse, sein Leben in Form von Geschichten. Erzählungen bieten alles, was der Mensch braucht: Sinn, Verständnis und Versöhnung, wenn etwas Schlimmes passiert ist. Gefühle sind ein wichtiger Teil dieser Geschichten, aber eben nur ein Teil. Das übersehen die meisten, weil Geschichten überall und in jeder Sekunde um uns sind.

Sie gehen sogar so weit, das Erzählen als einen biologischen Vorteil zu bezeichnen. Worin besteht dieser?

Evolutionär gesehen entstand der Mensch nicht, indem er sich an Raubtiere oder Savannen angepasst hat. Seine entscheidende Umwelt war die Gesellschaft anderer Menschen, an die musste er sich anpassen. Er stand also nicht in Konkurrenz mit dem Säbelzahntiger, sondern mit anderen Menschen. Da gibt es aber ein Problem: Man weiß nie, was Menschen im Schilde führen, auch wenn man sie noch so gut kennt. Das ist heute nicht anders als vor Millionen von Jahren. Man muss also erraten oder eine gute Idee entwickeln, was andere vorhaben – und hierbei geben Erzählungen die entscheidende Hilfe. Sie liefern Modelle, wie andere denken könnten und schulen so die eigene Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen und sich in einer Gemeinschaft erfolgreich zu bewegen.

Eines der spannendsten Kapitel des Buchs handelt von Erlösungsgeschichten, wie wir sie etwa aus der Bibel kennen. Warum eigentlich wollen wir alle auf Teufel komm raus erlöst werden? Was macht die Attraktivität dieses Erzählmotivs aus?

Na ja, zum einen ist Erlösung ein uralte christliche Erzählung, die Wärme spendet. Wir alle wollen ewig leben und dazu müssen wir erlöst werden. Das funktioniert aber nicht nur im Irgendwo, sondern im täglichen Leben. Wer einen Unfall hat, will erlöst werden, indem er wieder gesund wird, ‘geht ja schon besser’, sagen die, die ihn im Krankenhaus besuchen, um ihn aufzumuntern. Erlösung fühlt sich gut an und hilft dabei Widrigkeiten zu überwinden, von denen es im Leben genug gibt. Eine Scheidung ist eine schlimme Belastung. Wenn danach aber die Erlösung kommt, – ‘ich habe Ballast abgeworfen, mir geht es viel besser als vorher’ – dann eröffnet das eine positive Zukunft. Wir lieben Erlösungsgeschichten. Ich auch.

„Erzählungen lassen das Ich entstehen“, so schreiben Sie. Können Sie in einigen Sätzen skizzieren, wie das funktioniert, wie sich die Autobiographie aus Geschichten zusammensetzt?

Man braucht nur kurz darüber nachzudenken, worin das eigene Leben eigentlich besteht, nämlich aus Erinnerung. Wir leben ja nur im Jetzt, der Rest ist Gedächtnis. Alles, was dem Ich von klein auf passiert ist, das ist in seinem Gedächtnis abgelegt und es ist eine Erzählung. Das Jetzt-Gefühl besteht daraus, wie wir über die Nase in die Welt schauen. Das viel umfangreichere Ich der Vergangenheit aber ist eine Geschichte, die das Ich erzählt und deren Hauptfigur er oder sie gleichzeitig ist.

Und schließlich, können Sie uns wirklich garantieren, dass “am Ende alles gut wird”?
Ich glaube schon, denn wenn es gerade nicht gut ist, dann ist es einfach noch nicht das Ende, dann ist Erlösung noch möglich. Geschichten werden ewig weitererzählt, viel länger als ein Mensch lebt. So lange sie erzählt werden können, wird ihr Ende gut sein.

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