The Great Outrage

The Great Outrage

Bernhard Pörksen

Truth and competence have to be put back on the map

We’re actually doing fine – if it wasn’t for the feeling that everything is spiralling out of control around us. Authority and taboos are short-lived, public arrogance is a part of everyday life, and even the crudest arguments are supposed to be taken seriously. The general mood is tense. And yet we are supposedly sealed off in our own bubbles which protect us from anything that might rock our world view.

Bernhard Pörksen sees a danger in our inability to air conflicts publicly – a situation that threatens to undermine our communities in the long term. We have to find ways to help put truth and competence back on the map by learning to deal with information professionally. This presents each individual with a challenge, because, ultimately, the Internet has thrived throughout the world due to its huge promise: the opportunity to transcend all barriers to exchange our knowledge and experience.

The Great Outrage

Videos

re:publica 2018 – Bernhard Pörksen: Filter Clash. Die große Gereiztheit der vernetzten Welt

5 Fragen an …

Bernhard Pörksen

Sie diagnostizieren in unserer Gesellschaft einen Zustand gesteigerter Erregung. Waren wir früher wirklich gelassener – oder gelangte die Gereiztheit einfach nicht so leicht an die Öffentlichkeit?
Ich behaupte: Vernetzung verstört, weil die Gesamtgeistesverfassung der Menschheit auf einmal in den eigenen Kommunikationsradius hinein rückt und wir in neuartiger Unmittelbarkeit und Direktheit mit den unterschiedlichsten Bildern konfrontiert sind. Banales, Berührendes, Bestialisches – alles wird sofort sichtbar. Eben dieses barrierefreie Öffentlichwerden ist der entscheidende Treibstoff, der die große Gereiztheit provoziert.

Wann wurde Ihnen zum ersten Mal bewusst, in welchem Maße das Netz unsere Welt verändert, die Machtverhältnisse neu sortiert?
Das lässt sich präzise datieren. Pfingsten 2010 schrieb ein Student der Medienwissenschaft, damals Hilfskraft in meiner Abteilung, an viele Zeitungen und Nachrichtenagenturen eine Mail, fasste über Twitter nach, publizierte Blogbeiträge. Worum ging es? Die Medien hätten, so meinte er, ein einigermaßen skandalöses Radiointerview des Bundespräsidenten Horst Köhler übersehen; hier rechtfertige dieser – grundgesetzwidrig – Wirtschaftskriege. Wir alle wissen: die Skandalisierung hatte Erfolg. Und bei mir in der Abteilung tauchten plötzlich Journalisten auf, die einen Studenten und Blogger suchten, von dem es hieß, er habe den Bundespräsidenten gestürzt. Das ist natürlich Unsinn. Netzwerkeeffekte lassen sich nicht personalisieren. Aber die Verschiebung der Machtverhältnisse ist mir an diesem Fall drastisch-dramatisch deutlich geworden. Auf einmal erreichten mich die Ausläufer einer Medienrevolution direkt im Büro.

Brauchen wir schärfere Gesetz gegen Lüge und Hetze?
Nein, aber geltendes Recht muss umgesetzt werden. Und ganz generell: Mir missfällt die antiliberale Verengung auf juristische Fragen, die sich gegenwärtig in den Debatten über Hass und Propaganda beobachten lässt. Das Gesetz ist nur die letzte Möglichkeit, wenn ethisch-moralische Maßstäbe versagen. Nötig ist ein Wertegerüst für das öffentliche Sprechen. Mein Vorschlag: Da jeder heute jeder zum Sender geworden ist, sollte nun auch jeder lernen, als sein eigener Redakteur zu handeln, sich die Frage vorlegen: Was ist glaubwürdige, relevante, veröffentlichungsreife Information? Kurz und knapp: Wir müssen von der digitalen zur redaktionellen Gesellschaft werden. Das ist eine gewaltige Bildungsaufgabe.

Wie schützen Sie sich davor, selbst in gereizte Stimmung zu geraten?
Meine Meditation ist die Lektüre, das Sich-Versenken in Texte. Ich merke: wenn ich ein paar Tage nicht lese, dann fehlt etwas. Die Erfahrung der tiefen Konzentration.

Mal ehrlich: Sehnen Sie sich manchmal nach analogen Zeiten zurück?
Zum Glück nur in ganz schwachen Momenten. Denn Nostalgie offenbart doch eigentlich nur die eigene Phantasiearmut und Denkfaulheit im Blick auf die Gegenwart. Und in der Summe gilt: Die Tatsache, dass heute jeder eine Stimme hat, ist eine grandios gute Nachricht. Aber nun gilt es, den Zugewinn an Freiheit durch ein Mehr an Verantwortung einzuhegen.

Termine

Bernhard Pörksen: "Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung". In der Dialogreihe Geist & Gegenwart

Graz
Alte Universität Graz Graz

Bernhard Pörksen: „Die neue Medienmacht. Wie die digitale Kommunikation unser Leben verändert – was wir wissen müssen und tun sollten.“ Im Rahmen der Oerlenbacher Gespräche

Oerlenbach
Wilhelm-Hegler-Halle Oerlenbach

Bernhard Pörksen: "Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung". Mit Marie-Luisa Frick. Im Rahmen der phil.COLOGNE. Moderation: Svenja Flaßpöhler

Köln
Balloni-Hallen,
Ehrenfeldgürtel 88-94,
50823 Köln

Alle Termine zum Buch
Alle Termine

Ihr Kommentar


* Diese Angaben sind verpflichtend