Self-Portrait with Pygmy Hippo

Self-Portrait with Pygmy Hippo

Arno Geiger

A story of separation, love, and a hippo that knows nothing about either. Arno Geiger writes about the difficulties of growing up in a bewildering world.

Twenty-two-year-old Julian can’t get over his separation from Judith—although it came about at his own instigation. So he decides to take on the care of the pygmy hippopotamus in Professor Beham’s garden—a droll and inscrutable creature that soon defines the rhythm of the summer: it eats, yawns, jumps in and out of the pond—and stinks to high heaven.

Julian knows that the affable creature has something to tell him but he finds himself distracted by Aiko, Beham’s twenty-seven year old daughter, who he falls head over heels in love with despite the advice of his friend Tibor to play it cool. Julian is perplexed by Tibor’s nonchalance and alarmed that the world seems to be on the point of coming apart. What if the professor finds the hippo a winter shelter? What if Aiko goes back to Paris?

In his intense, intimate and inimitable style, Arno Geiger describes what it’s like to be young and searching for the things that really matter, on a quest to find your place in the world.


Foreign Sales

France (Gallimard), Netherlands (Bezige Bij), Italy (RCS/Bompiani)

Self-Portrait with Pygmy Hippo

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Arno Geiger im Gespräch mit Günter Kaindlstorfer

5 Fragen an …

Arno Geiger

Über ein Zwergflusspferd liest man nicht alle Tage. Was mögen Sie an dem Tier? Warum haben Sie es ausgewählt?
Es erinnert mich an einen Freund, der vor zwei Jahren gestorben ist, der wichtig ist für das Buch. Der als Kind dick war, ein bisschen träge. Und immer Angst hatte, dass das dicke, träge Kind zurückkommt. Obwohl man ihm das überhaupt nicht mehr angesehen hat. Ich hab diesen Freund so gemocht … ein sehr gemächlicher, witziger Mensch mit einer langsamen, besonnenen und dann plötzlich aufbrausenden Art.
Das Zwergflusspferd steht aber auch für all das, was heute ein bisschen außer Mode ist. Es ist dick, träge, hässlich, verschlossen. Kein Facebook-Kandidat.

Es ist erstaunlich, dass sie immer mit dem Protagonisten auf Augenhöhe verhandeln können, dass sie sich nicht lustig über ihn machen, sondern ihm ehrlich folgen, ohne zu urteilen. Ehrlich und überzeugend beschreiben Sie die Denkweise, die Ängste, Hoffnungen, Sehnsüchte und Träume, die man in dem Alter hat – also die Probleme des Erwachsenwerdens. Wie schaffen Sie es, sich so gut in die Figuren hineinzuleben?
Neben den unmittelbar eigenen Erfahrungen habe ich halt die Augen offen. Und das Schreiben ist nicht nur Arbeit, es ist auch eine Lebensweise. Es gibt von Lou Reed einen Song „Perfect Day“, da heißt es „A perfect day … to be someone else“. Jemand anderer sein. Mich spricht das total an. Ich habe, denke ich, diese Wandlungsfähigkeit beim Schreiben. Für mich bedeutet es tatsächlich Glück, wenn ich das Gefühl habe, jetzt bekommt ein Charakter Atem und Pulsschlag, obwohl das nicht ich bin. Das ist Julian, aber ich lebe es. – Ich mache das wirklich mit großer Überzeugung und dabei entsteht ein Kunstwerk, das im besten Fall eigenständig ist.

In dieser Experimentierphase fragt sich Julian ernsthaft, ob er jemals wieder jemanden finden wird. Auch, ob er seinen Platz finden wird, ob er untergehen wird – es plagen ihn existentielle Sorgen und Ängste. Wo haben sie da anknüpfen können? Wie konnten Sie sich so in die Gedankenwelt eines jungen Mannes versetzen?
Die Angst, nie wieder geliebt zu werden – das habe ich extrem stark empfunden. Ich war mit zwanzig noch nicht so abgebrüht, dass ich mir gedacht habe, es wird jemand anderer kommen, der mich liebt. Diese Angst … die sehe ich als Teil von etwas Besonderem. Mich beeindruckt das Momenthafte in diesem Lebensalter, alles kommt so unmittelbar an einen heran, mit ungeheurer Wucht. Alles wird verabsolutiert: Judith liebt mich nicht mehr, also liebt mich niemand mehr. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, das mich je wieder jemand lieben wird. – Das ist sehr unmittelbar, sehr ehrlich. Später hilft einem die Erfahrung. Das Scheitern einer Beziehung bleibt traurig und schmerzhaft, aber es verstellt nicht mehr ganz so stark den Blick auf die Zukunft … dass es auch wieder anders werden wird.

Wie viel vom jungen Arno Geiger und seinen Sorgen, Ängsten und Nöten steckt in Julian?
Das Gefühl, wie es war, auf eigenen Beinen zu stehen… ahh, das fand ich toll! Dorthin hatte ich mich gesehnt, schon sehr lange. Ich wollte mein eigener Herr sein, über mich selbst bestimmen dürfen. Und gleichzeitig hatte ich Angst, alles falsch zu machen. „Ich bekomm das nicht hin. Ich bekomme das überhaupt nicht so hin, wie ich mir das vorgestellt habe!“ Da steckt einiges von mir drin, wie bei „Alles über Sally“, dieses Buch hätte ich „Selbstporträt als Frau von fünfzig Jahren“ nennen können. Ich bringe eigene Erfahrungen ein, ganz selbstverständlich. Aber letztlich ist Julian wie Sally eine Person eigenen Rechts.

Julian kommt aus Vorarlberg wie Sie. Er lebt in Wien, hat in Wien studiert – ebenfalls wie Sie. Inwieweit sind Ihnen beim Schreiben eine bekannte Umgebung oder auch eigene Erfahrungen und Erlebnisse wichtig?
Im Gegensatz zu den ganz frühen Romanen habe ich heute überhaupt nicht mehr das Bedürfnis, mich beim Schreiben sonderlich weit von mir zu entfernen, von den Lebensverhältnissen, die ich kenne, die ich wahrnehme, die für mich Alltag sind und die ich mit Neugier verfolge. Mir ist auch aufgefallen, dass Vorarlberg in meinen fiktionalen Büchern erstmals eine Rolle spielt. Das lasse ich jetzt zu. Und das finde ich gut so.

Zita Bereuter lebt in Wien und arbeitet dort als Journalistin beim ORF (leitet die Literaturredaktion bei FM4 und rezensiert auch auf Ö1)

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