On Time

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Rüdiger Safranski

With time as his central theme, Rüdiger Safranski expounds on the human condition, encouraging us to reclaim the experience of time in all its infinite variety.

Beyond all the deceptive clocks and watches that give us the illusion of an objective time measurement, our personal experience of time is an altogether different matter: strictly structured in music, boundless and easy when we are at leisure, pursuing sports and hobbies. When we’re bored or burdened with worries, time seems to crawl; when we’re rapt in contemplation, engrossed in a task, lost in love or free at play it seems to fly — or stand still.
Different again is our perception of time when we are caught up in the maelstrom of social interaction, in the ever accelerating world of business and the media, or communicating across the world in the blink of an eye. Then all at once there comes a day when the passing of time is all we can think about.
Presenting an in-depth, multi-facetted delineation of the complexities of our varying perceptions of time, Safranski encourages us to treat this priceless commodity with care — to make the best of it rather than living at its mercy.


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Rüdiger Safranski im Gespräch

5 Fragen an …

Rüdiger Safranski

Herr Safranski, Sie schreiben abwechselnd Biografien und philosophische Bücher. Wie geht das zusammen?

Bei den philosophischen Büchern erhole ich mich von den Biografien und umgekehrt. Biografien sind verkörperte Philosophie und Philosophie ist verallgemeinerte Biografie. So fügt sich beides zusammen. Ich könnte auch sagen: mit den Biografien verführe ich die Leser zur Philosophie: und mit der Philosophie bewahre ich die Biografie vor der Banalität.

Sie haben sich vor allem mit Figuren aus dem 18. und 19. Jahrhundert beschäftigt. Ist das nicht ein wenig ewiggestrig? Gibt es nichts Aktuelleres?

Ich weiß schon: das Aktuelle nimmt sich furchtbar wichtig. Ich versuche dagegen zu halten. Für die Literatur und die Philosophie jedenfalls ist die unmittelbare Gegenwart allein nicht sehr günstig, denn die modernen Kommunikationsmedien ermuntern zur Schlamperei beim Wort und beim Gedanken. Schlechten Geschmack gab es schon immer, aber er hat heutzutage ein gutes Gewissen. Wer so viel in die Breite kommunizieren muss wie der Zeitgenosse von heute, der Ewigheutige also, der hat kaum noch Aufmerksamkeit über die Gegenwart hinaus und dem fehlen am Ende auch die Maßstäbe. Er wird zum Endverbraucher. Ich bin überzeugt: Zukunft hat, was selbstbewusst in einer Tradition verankert ist. Es stimmt schon: In jedem neuen Anfang liegt ein Zauber, aber nicht jeder ahnungslose Anfänger ist darum schon ein Zauberer.

Die großen Skandale der letzten Monate: Funktioniert das optimistische System, dass letztlich doch alles herauskommt – oder ist das, was öffentlich bekannt wird, nur die Spitze eines Eisbergs?

Ich glaube schon, dass, wie zum Beispiel bei der FIFA, noch eine ganze Menge herauskommt bis zu dem Punkt, dass man eigentlich sagen müsste: der ganze Weltverband ist eine kriminelle Organisation. Doch dann, glaube ich, beginnt der eigentliche Skandal: mit dem Bewusstsein, dass das so ist, macht man einfach weiter. Ein Triumph des realitätstüchtigen Zynismus: Man hat das richtige Bewusstsein und tut weiterhin das Falsche.

Ihr Geburtstag ist am Neujahrstag, und dies Jahr sind Sie siebzig geworden. Was ändert sich für Sie mit dem doppelten Jahreswechsel – zumal im Zehnjahresschritt?

Was sich und dass sich etwas mit einem ändert im Laufe der Jahre, hängt zunächst nicht mit der äußerlichen Zählweise zusammen. Aber der Magie der Zahlen kann man sich trotz allem nicht entziehen. Ich hätte gut daran getan, mein Alter beizeiten zu fälschen, dann würden die Interessierten auf mich als Sechzigjährigen blicken, und am Ende würde ich es auch glauben. Man ist eben nicht nur so alt, wie man sich fühlt, sondern auch so alt, wie man gemacht wird. Es gibt das wirkliche Alter, das man spürt und kaum begreift; und es gibt das Alter als soziale Konstruktion. Es ist gut, wenn man sich davon unabhängig macht, so weit es geht.

Welchen Rat geben Sie einem Menschen, der über Gehetztsein und Langeweile klagt?

Bei dem Gehetzten habe ich oft den Eindruck, er flieht vor der Langeweile. Deshalb würde ich ihm raten, die lange Weile eine längere Weile lang auszuhalten. Natürlich ergibt sich dann die Frage, ob man es überhaupt bei sich aushalten kann, ob man nicht in schlechter Gesellschaft ist, wenn man bei sich ist. So wie der Berliner, der auf die Ermahnung »Mensch geh in dir!« antwortet: »War ick schon, is och nischt los!« Aber es hilft alles nichts, man muss bei sich anfangen, mit sich etwas anfangen und bei der Geschwindigkeit so viel Selbstbestimmung durchsetzen, wie möglich ist. Meistens ist mehr möglich als man glaubt.

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