Marzahn, mon amour
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Katja Oskamp

Marzahn, mon amour

Details about the book
Stories of a chiropodist
  • date of publication: 22.07.2019
  • 144 Pages
  • Hanser Berlin
  • hardcover
  • ISBN 978-3-446-26414-4
  • Deutschland: 16,00 €
  • Österreich: 16,50 €

  • ePUB-Format
  • E-Book ISBN 978-3-446-26511-0
  • E-Book Deutschland: 9,99 €

Katja Oskamp is in her mid-forties when her life grows dull. Her child has left home, her husband is ill, and her writing, which was her all up till then, is only a source of disappointment. She does something that would amount to failure for others: she becomes a chiropodist. And starts to record what she hears in stories full of humanity and wit.
Berlin-Marzahn was once the largest prefabricated housing estate in the GDR. Here lives Mr. Paulke, one of the first residents forty years ago; Mrs. Guse, who is slowly retreating backwards from the world; and Mr. Pietsch, the former bureaucrat with his checked flat cap. They are all heading towards old age and need patching up – and their regular appointments to have nails cut and corns removed are, above all, an opportunity to talk. Katja Oskamp listens and creates miraculous stories about people, seen from the perspective of their feet. These are the kind of stories you don’t hear when people talk about each other in this country. Yet they happen everywhere.

Oskamp_Hanser Rauschen

Foreign Sales

UK (Peirene Press Ltd.), France (Editions Zulma), Spain (Hoja de Lata), Sweden (Rámus Förlag)

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Marzahn, mon amour

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zehnSeiten-Lesung

Podcast

“So isser, der Ossi”, titelte der SPIEGEL in diesem Herbst. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls hinterfragt eine in Ostdeutschland aufgewachsene Runde in unserer 17. Podcastfolge diesen kleinen Satz nach allen Regeln der Kunst. “Die Ostdeutschen” als eine homogene Spezies gibt es nämlich gar nicht, wenn viele verschiedene individuelle Erfahrungen und Meinungen zusammenkommen. Karsten Kredel, Verlagsleiter von Hanser Berlin sprach mit den Schriftstellerinnen Katja Oskamp, Jackie Thomae und Carolin Würfel, die alle in diesem Jahr bei Hanser Berlin Bücher veröffentlicht haben, über kollektive und ganz persönliche Erinnerungen an ihre Jugendjahre in der DDR und an den Mauerfall, über Klischees und Ostalgie und darüber, welche Spuren die jüngere deutsche Geschichte bei allen dreien hinterlassen hat.

5 Fragen an …

Katja Oskamp

Liebe Katja, wie kommt eine Schriftstellerin dazu, Fußpflegerin zu werden?
Schriftstellerin zu werden ist leichter als Schriftstellerin zu bleiben. Ich hatte eine Novelle geschrieben, die niemand drucken wollte. Das hat mich in eine Krise gestürzt. Ich wollte irgendetwas machen. Am liebsten etwas, das nichts mit dem Schreiben zu tun hat. In jener Zeit besuchte ich eine Freundin, die ein Kosmetikstudio eröffnet hatte, und erzählte ihr von meiner Lage. Die Freundin schlug mir vor, bei ihr als Fußpflegerin anzufangen. Ich bin ihrem Vorschlag gefolgt. Heute ist sie meine Chefin. Die Fußpflegerei war vom ersten Tag an eine aufregende Sache, die mir immer noch Spaß macht. Ich habe keine Berührungsangst. Es ist eine Arbeit mit beglückend deutlichem Vorher/Nachher-Effekt. Außerdem sind Füße reizvoll, denn sie sind am weitesten vom Kopf entfernt und doch mit ihm verbunden. Im Nachhinein würde ich sagen, es war eine Mischung aus Zufall, Neigung und Instinkt.

In deinem Buch porträtierst du die Menschen, die du behandelst, sozusagen von ihren Füßen her gesehen. Was sind das für Menschen?
Das sind meistens alteingesessene Marzahner, die viel zu erzählen haben. In ihren Biografien findet sich der berühmte Bruch, den viele Ostdeutsche erfahren haben. Dreißig Jahre nach der Wende sind das atemberaubende individuelle Schicksale geworden, die wiederum etwas eint: die Konfrontation mit Alter, Krankheit, Verlust. Meine Kunden sind mutig und tapfer und sie berlinern zauberhaft. Manche sächseln auch allerliebst. Die, denen es am schlechtesten geht, sind erstaunlicherweise die heitersten.

Es sind Menschen, die eher nicht vorkommen, wenn über das Land gesprochen wird, oder?
Sie sind nicht in Mode. Sie haben keine Lobby. Sie leben einfach ihr Leben. Wie die allermeisten von uns.

Es ist auch eine Liebeserklärung an Marzahn, ein Plattenbau-Viertel, das vor vierzig Jahren aus der Erde gestampft wurde. Damals stand es für einen Aufbruch in die Zukunft. Und heute? Kannst du Marzahn für alle Nicht-Berliner kurz erklären?
Nach der Wende wurde aus dem Aufbruch ein Abbruch und Marzahn stand bald für Unterschicht, Ghetto und Hartz IV. Inzwischen ist Marzahn längst besser als sein Ruf. Und obwohl es immer noch behauptet wird: Hier laufen keine Neonazis herum, hier werden auch keine Autoreifen zerstochen. Vieles funktioniert besser als zum Beispiel in Kreuzberg. Die Hausmeister sind freundlich, die BSR leert die Mülleimer bevor sie überquellen, die Grünanlagen sind gepflegt. Ich erlebe Marzahn als einen friedlichen und aufgeräumten Ort, fast ein bisschen dörflich.

Die Geschichten, die du erzählst, sind sehr komisch und zugleich sehr berührend. Ist das – das Komische und das Anrührende – das Wesen des Menschseins an sich?
Ob ein Mensch eine komische oder tragische Figur ist, liegt immer im Auge des Betrachters. In unserem Marzahner Studio kommt es zu sehr lustigen und zu sehr ergreifenden Szenen, manchmal alles gleichzeitig. Aus diesem Blickwinkel erzähle ich die Dinge, weil sie sich mir so zeigen.

Marzahn, mon amour ist auch ein Buch über die mittleren Jahre im Leben einer Frau. Hast du einen Tipp, wie man gut auf der anderen Seite dieser Jahre hinauskommt?
Nicht andauernd in den Spiegel blicken, lieber andere Leute anschauen. Täglich die Füße eincremen. Und in Abständen einen zwitschern. Genaueres weiß ich auch nicht.

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