Dreamland Germany?

Dreamland Germany?

Antonie Rietzschel

The brothers Mohanad and Yousef from Syria made it to safety. They have lived in Oelde, a small town in Germany, for the past year. Antonie Rietzschel has been with them from the beginning. She witnessed what happens when the talk of and about refugees turns into real life. The biography of the two Syrian brothers turned into a portrait of Germany in 2016, a country of immigration.

t seems forever ago these two young men made a daring escape on a dinghy over the Mediterranean. Yet there is the span of only one year between the trauma of war and nights in the disco in a small German city. The big question comes up: as a newcomer, how do you become a part of German society? How do you keep on living with the know-ledge that the rest of your family is still living in a war zone, fearing for their lives? Yousef and Mohanad tell us how they had they had to fight for their right to stay, how they found support, and how they experiences the political turn to the right. What is more, they do not only speak for themselves: For what started as a human emergency will impact our way of life for a long time. This is an impressive snapshot of Germany 2016, a country of immigration, between »We Can Make IT« and »We Are The People«.

Dreamland Germany?

5 Fragen an …

Antonie Rietzschel

Wie geht es Yousef und Mohanad heute?

Mohanad hat mittlerweile über sein Praktikum neue Freunde gefunden, mit denen er ab und zu Playstation spielt oder ins Fitnessstudio geht. Doch ihn zieht es in eine größere Stadt. Er hat sich jetzt an mehreren Unis beworben, um weiterzustudieren. Möglicherweise wird er im September in Darmstadt anfangen. Yousef ist mittlerweile im Rathaus von Oelde als Übersetzer angestellt. Er ist viel unterwegs in den umliegenden Flüchtlingsheimen.

Ihr habt viel Zeit zu dritt verbracht, welcher Moment war prägend?
Das war der Moment auf der Flucht, als die Polizei in den Zug einstieg. Mohanad griff immer panisch nach meinem Arm und fragte verzweifelt, wann wir endlich die deutsche Grenze erreichen würden. Als Journalist muss man ja immer versuchen neutral zu sein, aber in diesem Moment ist mir das sehr schwer gefallen. Ich kannte ja ihre Ängste und wollte nicht, dass die beiden Brüder erwischt würden. Ich habe kurz überlegt, ob ich eine Zeitung aufschlagen und näher zu Mohanad rücken soll, damit es so aussieht, als gehörten wir zusammen.

Was hat den Neubeginn in Deutschland für die beiden am meisten erleichtert?
Die Leute, denen sie begegnet sind. Sie hatten Menschen, die ihnen auf unterschiedliche Weise geholfen haben. Da war Michael, ein freiwilliger Helfer, der für sie am Anfang wie ein Vater war. Der sie in den Arm genommen und bei Behördengängen unterstützt hat. Dazu kam die Deutschlehrerin Naima, die aus Marokko stammt, ihre Kultur versteht und selbst nach Deutschland eingewandert ist. Mit ihr konnten sie ihre vielen Fragen teilen, die sie zu Deutschland hatten. Gleichzeitig hat sie die beiden angespornt zu lernen.

Was war am schwierigsten und wieso?
Anfangs war nicht klar, ob die beiden überhaupt in Deutschland bleiben können oder ob sie nach Italien abgeschoben werden. Besonders Mohanad hat der Gedanke der Abschiebung extrem belastet, er hat viel gegrübelt. Das ging über Wochen so. Als er dann den Bescheid bekommen hat, dass er nicht bleiben darf, ist er ausgerastet. Mohanad hat sich mit einer Rasierklinge den Arm aufgeschnitten. Für seinen Bruder Yousef war es schrecklich zu sehen, wie sein Bruder leidet.

Kann Oelde, die Kleinstadt, in der die beiden Brüder ihr erstes Jahr verbracht haben, stellvertretend für das Integrationsland Deutschland stehen?
Nein. Ich würde Deutschland nicht als Integrationsland bezeichnen, denn es wird noch viel zu wenig getan, um Flüchtlinge oder andere Migranten zu integrieren. Ob Integration gelingt, hängt immer noch zu oft vom Zufall ab. So war es auch im Fall der Brüder. Mohanad und Yousef sind innerhalb kürzester Zeit sehr weit gekommen: Sie sprechen gut deutsch, haben Arbeit. Das verdanken sie ihrem eigenen Ehrgeiz, aber auch den Menschen, denen sie in Oelde glücklicherweise begegnet sind, die ihnen im Dschungel der Bürokratie den Weg gewiesen haben. Es gibt eine große Hilfsbereitschaft, das hat Oelde mit vielen anderen deutschen Städten und Gemeinden gemein. Gleichzeitig unterscheidet sie sich aber wiederum von Städten wie Freital oder Hamburg-Blankenese, wo Geflohenen Hass entgegenschlägt.

Termine

Dreamland Deutschland? Das erste Jahr nach der Flucht.

Weißenburg
Buchhandlung Meyer,
Rosenstraße 11,
91781 Weißenburg

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