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Stefan Schulz

Not long ago, the press vaingloriously considered itself as the Fourth Estate – and was correspondingly critically monitored. Today there is cause for concern: How many news-pa-pers will still be around in ten years’ time? And what does it mean for the general public if free online services succeed in taking the place of professional journalism?

Stefan Schulz has first-hand experience of a highly respected paper being plunged into crisis through his time at Frakfurter Allgemeine Zeitung. He went on to investigate various internet companies which are busy dividing the spoils among themselves in the form of newsfeed devised not by sound judgement but by algorithms. What will the consequences be for the public in a free society? Stefan Schulz shows us how we can keep a cool head and deal with all the new information on offer in a competent and confident manner.

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5 Fragen an …

Stefan Schulz

Warum soll ich ein Buch über die Zukunft des Journalismus lesen?
Die Fragen nach der Zukunft des Journalismus behandeln auf kürzestem Wege auch die Fragen nach der Zukunft der Gesellschaft. Die Prämisse ist kurz aber unhintergehbar: Was wir über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. 20 Jahre nachdem der Soziologe Niklas Luhmann das sagte, stellen wir heute fest: Die Angebote der Massenmedien nutzen wir in jeder freien Sekunde. Nur wie viel Journalismus steckt noch in ihnen? Über die Welt wussten wir nie so viel wie heute. Aber können wir uns noch darüber verständigen, was uns betrifft? Der Journalismus selbst beantwortet diese Frage heute je nach Prägung mit digitaler Euphorie oder ökonomischem Wehklagen. Deshalb muss es ein Buch sein, als Angebot, sich frei von der tagesaktuellen Dramatik mit Journalismus zu beschäftigen und darüber zu verständigen, in welcher Welt wir leben.

Warum dieses Buch gerade jetzt?
Ein beliebiges Beispiel in Zahlen: Der britische „Guardian“ zählt zu den reichweitenstärksten Nachrichtenseiten im Netz. 2013 hat sich Edward Snowden das Blatt für den Start seiner Debatte ausgesucht. Im Frühjahr 2014 meldete der „Guardian“ für seine Onlineausgabe einen Umsatz von 70 Mio Pfund. Mit 150 Millionen Lesern sei die Zukunft des Blatts „auf 30 Jahre gesichert“, hieß es von den Gesellschaftern. Im Frühjahr 2016 meldete das Blatt 70 Millionen Pfund Verlust für das Vorjahr und kündigte einen Stellenabbau an. Dass wir in einem Medienwandel leben, wissen wir. Aber die Realität hinter diesen ökonomischen Kennzahlen, die kennen wir nicht. 2015 war das Jahr, in dem die Medienhäuser festgestellt haben, dass ihre 2014 getroffenen Entscheidungen falsch waren. Und sie erkannten, dass es dennoch nichts zu revidieren gibt. 2016 sollten die Debatten über die gesellschaftlichen Folgen des Medienwandels beginnen.

Ihre Prognose für die Zukunft des Journalismus?
Für die großen Medienhäuser, die Journalismus noch als klassische Berufe betreiben, wird es keine Rettung geben. Ihre Glaubwürdigkeitswerte fallen noch schneller als ihre Umsätze, noch immer hauptsächlich Werbeeinnahmen. Aber wer hat gesagt, dass Journalismus immer seriös sein muss und nur werbefinanziert funktioniert? Die Selbstverständlichkeiten stehen zur Disposition. Was wir heute schon wissen: Lustige Nachrichten können vortrefflich informieren. Ausgerechnet die glaubwürdigen Journalisten dürfen auch Aktivisten sein. Ein engagierter Leser zahlt zuweilen freiwillig mehr Geld für Journalismus, als sich mit zehntausenden Werbeklickern erwirtschaften lässt. Ich verdiene derzeit beispielsweise auch damit Geld, die öffentlich-rechtlichen Abendnachrichten zu schauen und sie Tage später in einem gesprächstherapeutischen Podcast (http://aufwachen-podcast.de/) zu besprechen.

Würden Sie noch jemandem raten, Journalist zu werden?
Wenn die Vorfreude auf den Beruf da ist, unbedingt. Ich rate es mir ja selbst. Die unter 40-jährigen sind ein wissenshungriges und vom etablierten Journalismus gänzlich unerreichtes Publikum. Wer Ihnen ein kluges Angebot macht, kann kaum scheitern. Es ist nur unabdingbar, sich mit der Funktionsweise der großen Wissenskonzerne (Google, Facebook, Amazon und Apple) zu befassen. Nicht um deren Funktionsweise als Vertriebsweg nutzen zu können, sondern um zu verstehen, wer der Gegner ist und was man ihm entgegensetzen kann. Je weniger man sich dagegen mit der Funktionsweise der alten Medienhäuser befasst, desto besser.

Wo informieren Sie sich über das Alltagsgeschehen?
Ich lasse mich treiben, so wie jeder normale Mensch mit Smartphone. Ich entdecke mit Facebook und Twitter die Welt, ich suche per Google nach den Themen, die mich interessieren und vertreibe mir die Zeit mit YouTube. Ich kenne allerdings die Anliegen und Limitierungen dieser Dienste. Also pflege ich auch eine Liste von Autoren und Adressen, deren Arbeiten und Empfehlungen ich nachrecherchiere, unabhängig davon, was Silicon-Valley-Mitarbeiter und deren Algorithmen von ihnen halten. Der Arbeitstitel meines Buches lautete „Nachrichtendiät“. Es ist ein facettenreiches Unterfangen, den Angeboten und Annehmlichkeiten der neuen Medien nicht zu erliegen. Aber die Mühe ist nötig.

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