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Margrit Schriber

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Details zum Buch
  • date of publication: 29.01.2018
  • 176 Pages
  • Nagel & Kimche
  • hardcover
  • ISBN 978-3-312-01062-2
  • Deutschland: 19,00 €
  • Österreich: 19,60 €


“The whole world is condensed into Pia’s gas station!”
Milena Moser

A village is up in arms: tank attendant Pia is building the biggest car wash for miles around. And everyone around her wants a piece. – Once again, Margrit Schriber’s independent, evocative storytelling proves that she is one of the most important female writers in Switzerland.


Since the death of her father, Pia has run the local village gas station on her own, offering gasoline, diesel, simple repairs, and a kiosk with snacks. But since the beginning of the eighties, modern do-it-yourself stores have become fashionable and the customers prefer to drive to large filling stations. Pia’s most loyal customers are her friend Luisa and her ex-boyfriend Luc; he, however, constantly harasses Pia and wants to be around when she is faced with selling her business. Others interested in the deal are the gasoline company and her neighbour Gigi, who wants to expand his used-car trade. But the gas station is Pia’s life, and that’s why she seizes the initiative: she buys the largest car wash available, complete with multi-stage wash, colourful cleaning brushes and fragrant spray. The big opening develops into a heated, erotic party - and everything is turned upside down. – Margrit Schriber’s heroines are strong and original, and the plot is based on her own experience: Schriber herself had a gas station and risked everything, like her heroine, when she built a huge car wash.

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5 Fragen an …

Margrit Schriber

Die Heldin Ihres neuen Romans ist eine Einzelgängerin, eine Tankwartin. Ist das eine Art Versuchsanordnung? Die Außenseiterin in einer klassisch männlichen Rolle?
Die Tankwartin in der Latzhose ist interessant, weil sie sich souverän und kompetent in einer Männerdomäne bewegt. Sie will nichts beweisen, sie macht einfach ihre Arbeit, und zwar mit einem Service, wie man ihn gemeinhin von Frauen erwartet. Dazu ist sie eine Einzelgängerin, die außerhalb des Dorfes lebt, mit den Sternen und ihrem Plüschhund Waldi redet. Das verhilft ihr zu einem eigenwilligen Blick auf die Welt.
Einen Roman mit diesem Ort und dieser Heldin zu schreiben, war eine echte Herausforderung. Aber es bot auch die Möglichkeit, etwas Ungewöhnliches und Unerwartetes daraus zu machen. Allerdings sind mir in der Historie als Stoff immer wieder Frauen begegnet, die im Beruf ihres Mannes oder Vaters tätig waren. Sie waren Gesellen, Krieger, Landwirte, auch wenn sie „Hausfrauen, Witwen, Jungfern“ genannt wurden.

Die Grundidee des Romans stammt aus eigener Anschauung: Sie hatten selbst vor einigen Jahrzehnten eine Tankstelle und haben eine Waschanlage dazugekauft. Was war das für eine Erfahrung?
Dieses Erlebnis war sehr prägend. Tatsächlich habe ich eine solche Autowaschanlage in Mailand gekauft. Naiv, unwissend, aber forsch wie meine Tankwartin Pia. Und genau wie sie wurde auch ich vom Fachmann im Stich gelassen, zog allein los und fragte mich im Gotthardzug, was ich hier mache. Ich habe mir das Werk in Mailand angeschaut. Nichts als Eisen, Bürsten, Verbindungen und Knöpfe. Man hat mir alles erklärt, dann die farbigen Bürstenfransen vor mich hingelegt und meine Antwort erwartet. Fasziniert haben mich nur die Fransenfarben. Und die Beimischung von Duft. Und da habe ich Ja gesagt. Diese ungeheure Anlage wurde in die Schweiz gekarrt und hinter einer Tankstelle in der Nähe der Autobahn eingerichtet – sie war die größte im Schweizer Mittelland! Ich war sehr stolz, der Tankwart war sehr skeptisch. Das Ganze wurde ein Fiasko. Ob es am Material lag oder an der mangelnden Erfahrung oder an der Bedienung, wurde nie ganz klar. Eine Freundin rannte schreiend aus dem Tunnel, weil es knallte und schepperte und Material umherflog. Sie stieß den Tankwart zur Seite und verbreitete überall, dass man sein Auto nicht in dieser Anlage waschen könne. Die Autos würden zu Wracks, es sei lebensgefährlich. Natürlich war es übertrieben. Doch das Gerücht verbreitete sich in Windeseile. Und der Autowaschsalon war wegen Reparaturarbeiten mehrmals geschlossen. Am Ende wurde die Anlage abgebaut.

Als ich Bildmotive für den Umschlag suchte, fiel mir auf, wie sehr – auch jenseits des Pirellikalenders – der Vorgang des Autowaschens mit erotischen Bildern verknüpft ist. Frauen – Autos – gut: Männerfantasien. Aber waschen?
Wie immer beim Schreiben habe ich mich auch in diesen Roman hineingelebt. Die Liebe, zumindest die Sehnsucht danach, gehört zur Tankwartin und auch zu ihrer Freundin. Männerfantasien sind sehr auf schwungvolle Formen gerichtet, Autos, Busen, Glätte, auch auf den Rausch der Geschwindigkeit. Auch Frauen träumen von einer Art Kurven, wollen rund gebettet werden. Wie könnte Erotik vor dem Hintergrund eines Autowaschsalons aussehen? Indem meine Figuren das Vollprogramm nicht nur zum Autowaschen verwenden, sondern zum Verzaubern.

Sie sagten selbst, diese Heldin sei die erste in Ihrem Werk – immerhin weit über ein Dutzend Romane mit weiblichen Hauptfiguren –, die sich wehrt. Wie kommt das?
Der Roman spielt im Jahr 1980. Da wehrten sich die Frauen. Sie reihten sich ein im Arbeitsmarkt und erkannten ihre Möglichkeiten und Beschränkungen. Sie verglichen und merkten und traten mit Forderungen an die Öffentlichkeit. Das Leben der Frauen war plötzlich anders. Sie konnten etwas erschaffen. Doch dafür mussten sie sich durchsetzen. Gut sein, die Beste sein, kämpfen, einstecken.

Nach einigen historischen Romanen ist der neue bei Nagel & Kimche wieder einer, der in jüngster Geschichte spielt. Wie entscheidet sich diese zeitliche Folge jeweils in Ihrer Arbeit?
Meine Romane thematisieren Frauenleben während der letzten 250 Jahre. Ich habe im Jahr 1755 angefangen und bin chronologisch fortgefahren. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, dankbar zu sein für das Glück, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Zuvor wurden den Frauen Schranken gesetzt. Jeder Höhenflug wurde bestraft. Man verurteilte die Hexen, machte aus Frauen Jahrmarktsstücke, nutzte ihre Schönheit als Einnahmequelle oder verbannte sie an den Herd. Sie waren Objekte. Sie hatten keine Wahl. Und jetzt bin ich mit meinen Romanen an einem historischen Punkt angelangt, an dem den Frauen viele Möglichkeiten offenstehen. Sie können erreichen, was sie wünschen. Doch geschenkt wird ihnen nichts. Meine Tankwartin wird sich ihrer Fähigkeiten bewusst. Erschafft sich ihren Traum und kämpft um ihr Leben. Sie ist eine allmählich erstarkende Frau.

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