Zwei unter einem Schirm
Anton Badinger

Zwei unter einem Schirm

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Details zum Buch
Roman
  • Erscheinungsdatum: 23.07.2018
  • 480 Seiten
  • Deuticke Verlag
  • Paperback
  • ISBN 978-3-552-06376-1
  • Deutschland: 18,00 €
  • Österreich: 18,50 €

  • ePUB-Format
  • E-Book ISBN 978-3-552-06386-0
  • E-Book Deutschland: 13,99 €

Anton Badinger

Anton Badinger

Anton Badinger, 1969 in Salzburg geboren, studierte Gestaltungslehre an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Er ist Gewinner des Ö1 Literaturpreises 2017. Zwei unter einem Schirm ist sein erster Roman.

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Anton Badinger

Herr Badinger, was gab den Anstoß für Ihren Roman Zwei unter einem Schirm?
Am Anfang des Romans stand die Idee, eine Clash-of-Culture-Geschichte zu schreiben, die vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise spielt, ohne diese selbst zum Thema zu machen. Für mich war klar, dass eine der beiden Protagonistinnen eine gläubige Muslima sein muss. Die Rolle der Österreicherin wollte ich aber nicht mit einer typischen Vertreterin der „Willkommenskultur“ besetzen, bei der Migrantinnen sozusagen offene Türen einrennen – aus dem einfachen Grund, dass eine Erzählung Konflikte braucht, und zwar möglichst schwerwiegende. Lotta hat das Herz zwar am rechten Fleck, ihren Fokus bilden aber ganz andere Themen als Integration oder Assimilation, nämlich – zum Beispiel – mit welchem ihrer Abendkleider sie den Trafikanten Konrad am nachhaltigsten beeindrucken kann.

Wie kommt es, dass Sie sich so gut in Frauen hineinversetzen können?
Keine Ahnung, aber danke für das Kompliment! Eigentlich bin ich eher männlich sozialisiert, sprich in einem katholischen Internat aufgewachsen und ab zwölf im Prinzip von Männern/Priestern erzogen worden, also relativ abgeschottet vom weiblichen Geschlecht.
Ich habe das als Jugendlicher natürlich als Manko erlebt, und vielleicht hat diese Sehnsucht dazu geführt, dass ich Frauen insgeheim immer für die besseren Menschen gehalten habe. Frauen und Mädchen waren uns ja fast nur durch literarische Erfahrungen zugänglich, ich denke hier etwa an Hermann Hesse. Seither hatte ich natürlich Gelegenheit, die positiven Vorurteile ein wenig nachjustieren zu können.

Wenn man ein Thema wie Migration aufgreift, das durch aktuelle politische Debatten so stark aufgeladen ist, hat man dann eine „Message“?
Ich glaube, dass man als Romanautor gut daran tut, eher für sich selbst zu schreiben als für das Publikum, und zwar aus einem ganz praktischen Grund: Niemand kann seinen Leserinnen und Lesern vorschreiben, welchen Gebrauch sie von einem literarischen Text machen sollen. Wie sie ihn verstehen, bleibt ganz ihnen selbst überlassen. Das ist der Unterschied zu anderen Textgattungen wie etwa einem wissenschaftlichen Artikel oder einer Bedienungsanleitung, die auf eine ganz konkrete Art verstanden werden wollen. Bei literarischen Texten wäre es sehr unerfreulich, um nicht zu sagen banal, wenn ich eine politische Absicht so deutlich mittransportieren würde, dass der Leser nicht umhinkommt, sie wahrzunehmen.

Hatten Sie literarische Vorbilder?
Als ich schon begonnen hatte, erschien Die Hochzeit der Chani Kaufman von Eve Harris, ein Roman über eine orthodoxe Jüdin aus Brooklyn, die von ihren Eltern mit einem passenden Mann verheiratet werden soll. Harris zeigt, wie es sich für eine junge Großstadtfrau anfühlt, in einem so engen und teilweise absurd anmutenden Verhaltenskorsett zu leben, gerade in einer Zeit, deren Credo eigentlich lautet, möglichst viel auszuprobieren und sich keine Schranken aufzuerlegen. Auch der Kontrast zwischen introvertierter orthodoxer Tradition und dem extravertierten Schmelztiegel New York hat mich fasziniert, und ich dachte, das kann man vielleicht auch mit Istanbul und dem Islam probieren. Und dann ist eine Eheschließung in so einem Umfeld natürlich ein viel größeres Wagnis als in unserer Welt, wo man sie nach ein paar Jahren bei Bedarf stornieren kann. Das Thema Heirat ist hier noch so aufgeladen wie in einem Roman von Jane Austen, und das trägt sehr viel zur Spannung bei; es ist ja die allerwichtigste Entscheidung im Leben dieser Frauen – und trotzdem werden sie selber oft gar nicht gefragt.

Was würden Sie tun, wenn Sie in der Lotterie gewinnen?
Die Frage ist hochhypothetisch, denn ich habe noch nie Lotto gespielt und werde es auch nie tun. Es ist ein Lebensprinzip, dessen tieferen Sinn ich nicht ganz durchschaue, vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich mir nicht gerne etwas schenken lasse. Als ich die Lotto-Kapitel schrieb, stand ich allerdings zweimal knapp davor, für Recherchezwecke einen Lottoschein zu lösen, habe dann aber immer nur ein paar Fragen zum genauen Ablauf gestellt und bin wieder gegangen. Für den armen Trafikanten war das sicher ein wenig irritierend.

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