Wir sehen uns am Ende der Welt

Wir sehen uns am Ende der Welt

Miek Zwamborn

Eine Geschichte vom Suchen, vom Abschiednehmen und vom Zauber der Berge.

Jens, der Wandergefährte und Freund der Erzählerin, ist spurlos verschwunden. Ein Rätsel, niemand weiß etwas. Sie sucht seine Lieblingsorte auf, wandert gemeinsam begangene Routen ab und stößt dabei auf die Arbeiten des bedeutenden Schweizer Alpengeologen Albert Heim (1879–1937). Seinen Anspruch, aus den Gesteinsschichten der Berge die Geschichte der Menschheit herauszulesen, nimmt sie auf, um Spuren vom Verbleib ihres Freundes freizulegen. Am Ende bleibt Jens unauffindbar, aber die Reise befreit die Erzählerin von ihrer Trauer und führt sie zu ihrer eigenen, verschütteten Sehnsucht. Eine ungewöhnliche Expedition durch die Schweiz, England und Berlin, hinein in eine wundersame Berg- und Erinnerungslandschaft.


Über den Autor

Miek Zwamborn

Miek Zwamborn

 Miek Zwamborn ist 1974 in Südholland geboren. Sie lebte längere Zeit im Engadin und ist Übersetzerin des Schweizers Arno Camenisch, Dichterin, Schriftstellerin und bildende Künstlerin. Zwamborn lebt und arbeitet in Amsterdam. Wir ...

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Wir sehen uns am Ende der Welt

Presse

"In ihrem eindrücklichen Roman ´Wir sehen uns am Ende der Welt´ gelingen der Niederländerin Miek Zwamborn berührende und sehr genaue Bilder einer Spurensuche, in der alles mit allem verbunden ist und auch kleinste Veränderungen von Bedeutung sind. (…) Miek Zwamborns ungewöhnlicher Roman ist nicht nur reich an Fotos und geologischen Abbildungen, er ist vor allem reich an einer Poesie, die sich selbst an unscheinbaren Steinen entzünden kann.“
Martin Zingg, Neue Zürcher Zeitung, 28.01.2016

"Was das Buch bis in den unscheinbarsten Satz hinein beweglich hält, ist die tiefe Lust, sich nicht mit den bekannten Einteilungen der Welt zu begnügen, sondern ´Neuland zu betreten´ (…) ´Wie kann man sich etwas immer wieder mit einem frischen Blick ansehen?´, fragt sich Albert Heim am Ende. Indem man Miek Zwamborns Sätzen folgt, zum Beispiel. Sie erweckt Heim für uns zum Leben, folgt seinem Denken, das genauso in Bewegung ist wie die Landschaft, die er erforscht. (...) Und paradoxerweise entsteht gerade so derselbe Eindruck, den Albert Heim beim Betasten einer alten Karte hat: ´Bei ihrer Betrachtung bekommt man das Gefühl, die Landschaft wirklich zu betreten.´“
Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung, 1.12.15

"Ein wunderbares Buch über Berge und über die Kunst der Erinnerung: innig und tröstend.“
Deutschlandradio Kultur, Lesart – Februar-Lesetipps der Literaturredaktion, 01.02.2016

"Ein ausserordentlicher Roman. Ein faszinierend poetischer Versuch, den Prozess des Trauerns so präzise einzufangen wie es geologische Messungen mit jeder Erhebung der Alpen machen."
Julia Bendlin, SRF Kulturplatz, 4.11.15

"Hier ist eine Entdeckung zu machen: Vielleicht möchten Leser zuerst nur hineinblättern in dieses Buch mit Fotos aus den Bergen, Fundstücken und geologischen Abbildungen. Und dann plötzlich ist es unmöglich, es wieder aus der Hand zu legen und nicht weiter zu lesen, so intensiv ist dieser Text. ... Ein wirklich schönes Buch. Leise kommt es daher, wie um Murmeltiere und Gemsen nicht zu verjagen und der Trauer die Zeit zu geben, die sie braucht."
Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur, 27.10.15

"Zwamborns Roman – mit geologischen Abbildungen und Bergfotos angereichert – ist gleichsam langsam und still wie wort- und bildgewaltig. Zwamborn fängt die kleinen und vielen Momente der Trauer ein, die ein Abschied mit sich bringt, und zelebriert die großen Momente, wenn der Blick in die Ferne schweift."
Tiroler Tageszeitung, 03.03.2016

"Eine Collage aus Geschichten, Orten, historischem Bildmaterial, wissenschaftlichen Schriften, Berichten und Artefakten. All diese Fragmente werden von der jungen Autorin und bildenden Künstlerin (!) kunstvoll zusammengesetzt und verwoben. (…) Da sind ihre unbändige Neugier auf das Weltliche und die Faszination, die das Zeitliche auf sie ausübt, sowie ein beinahe kindliches Staunen über die Landschaft. Durch ihre suggestive klare Sprache übertragen sich die Empfindungen auf den Leser, kein Wort ist zu viel, keines zu wenig."
Karoline Pilcz, Buchkultur, 19/2015

5 Fragen an …

Miek Zwamborn

Miek Zwamborn, Ihr Buch »Wir sehen uns am Ende der Welt« handelt von einer Frau, die sich auf eine Suche begibt: nach Jens, ihrem verschwundenen Wanderfreund. Die Suche wird zu einer Reise, unter anderem in die Alpen und auf einige Schweizer Berggipfel. Im Verlauf der Suche scheint sich das Ziel aber zu ändern, Jens tritt immer mehr in den Hintergrund. Wen sucht die Frau eigentlich genau, ihren ehemaligen Wanderfreund oder doch etwas anderes?
Seit meiner Kindheit bin ich fasziniert von der Geologie. In Wir sehen uns am Ende der Welt bin ich von der Vorstellung ausgegangen, dass Sedimente versteinerte Zeitschichten sind. Ich wollte einen Roman schreiben, in dem Lebensgeschichten wie solche versteinerten Schichten übereinander gelagert sind. Wenn man eine Bohrung vornehmen würde, sähe man manche Schichten einfach verschwinden, andere würden einander überlappen. Ich wollte herausfinden, ob ich von Jens langsam zu einer anderen Person in einer anderen Zeitschicht durchstoßen könnte. Wen die Erzählerin am Ende gesucht hat? Eine Verbindung mit dem Leben und der Welt vielleicht, eine Möglichkeit, um zu existieren.

Während ihrer Suche stößt die Erzählerin auf den Geologen Albert Heim, der im 19. Jahrhundert in Zürich lebte. Es ist wie ein Orientierungswechsel: von nun an folgt sie den Spuren Heims statt denen von Jens. Ist Heim als eine solche nächste Zeitschicht dann auch emotional eine Art Folge- oder Ersatzliebe?
Heim gab mir Gelegenheit, mich in die Geologie vertiefen. Seine Aufzeichnungen sind so lebendig, dass ich nicht aufhören konnte, sie zu studieren. Es war für mich eine neue Form, mit bewegenden Geschichten, die schon vorhanden sind, einen Roman zu bauen, um meine Sammelleidenschaft ins Schreiben zu integrieren, um zu teilen und mitzuteilen, was mir zu schön scheint, um es nur für mich allein zu behalten. Ich glaube, die größte Liebe im Buch ist diejenige zu der Landschaft, und zu den Steinen, die von ihr kommen.

Sie sind Holländerin und haben viele Jahre in den Schweizer Alpen gelebt. Damit sind Sie nicht allein; es gibt viele Holländer, die für lang oder kurz in den Alpen leben. Was fasziniert Sie persönlich so an den Bergen?
Ich habe ein großes Bedürfnis nach Weite. Ich brauche einfach einen fernen Horizont, ich brauche das Panorama, um das Leben in der Stadt auszuhalten. Wenn man in Bergen ist, wandert man über den Boden des Meeres.

Das Leben in der Stadt bietet ja auch nicht diese Art existenzieller körperlicher Erfahrung, die man in den Bergen immer wieder erleben kann, etwas Archaisches. Selbst auf relativ einfachen Wanderungen kann man, durch Wetter oder das Terrain, an Grenzen gelangen. Spielt das in Ihrer Faszination auch eine Rolle: die Grenzen, die Gefahr, das Kribbeln dabei?
Das ist sicher so. Allerdings würde ich diese Art von Gefahr direkt neben die Liebe stellen. Während des Wanderns erlebe ich eine sehr intensive Ruhe, und auch einen Trost. In diese wilde Landschaft gehöre ich; wenn etwas passieren würde, bin ich an dem Ort, wo ich am liebsten bin.

In dem Buch gibt es viele Abbildungen, ganz unterschiedlicher Art. Sie arbeiten als Künstlerin viel mit Bildmaterial. Was bedeuten diese Bilder neben dem Text für Sie, ist es vor allem Illustration, oder ist es eine eigenständige Geschichte?
Die Bilder sind nicht nur als Begleitung gedacht. Sie haben eine eigene Kraft, bringen den Leser in eine besondere Stimmung. Sie lassen ein anderes Tempo entstehen: Der Text wird abgeschnitten, er zerbröckelt ein bisschen, im Kopf kommt dann beides wieder zusammen, Text und Bild, aber nicht zur selben Zeit. Erinnerungen an den Text werden so zum Teil der Lektüreerfahrung, aber auch eigene Erinnerungen kommen auf. Es muss ein Raum bleiben zwischen den Sätzen – so reagiert der Leser unweigerlich damit, dass er zusammen mit mir die Geschichte fertigstellt.

Termine

Miek Zwamborn liest aus ihrem Roman "Wir sehen uns am Ende der Welt" | Zur Veranstaltungs-Website

Sils Maria
Hotel Waldhaus,
Via da Fex 3,
7514 Sils Maria

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Bad Urach
Ermstäler Literatur- und Kulturtage,
Graf-Eberhard-Platz 10,
72574 Bad Urach

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