Was zu dir gehört

Was zu dir gehört

Garth Greenwell

Ein Mann, gefangen in seinem Begehren für einen anderen – ein Roman, "so schön und rein wie Poesie" (Hanya Yanagihara).

Ein amerikanischer Expat betritt die öffentlichen Toiletten des Kulturpalasts von Sofia, Bulgarien. Dort unten, wo niemand einfach so hingeht, trifft er Mitko, der Charisma ausstrahlt und Gefahr. Der Amerikaner bezahlt Mitko für Sex und trifft ihn danach immer wieder, gefangen in seinem Begehren und in einer Beziehung, in der Zärtlichkeit umzuschlagen droht in Gewalt. Und während er sich seiner komplizierten Vergangenheit stellen muss, kann er weder seinem Verlangen entkommen noch den Privilegien als Ausländer, die ihn von Mitko trennen. "Was zu dir gehört" ist ein tiefberührender Roman über die Macht von Scham und Sehnsucht. Und über eine Liebe entgegen jeder Wahrscheinlichkeit.


Über den Autor

Garth Greenwell

Garth Greenwell

Garth Greenwell wurde 1978 in Louisville, Kentucky geboren. Er hat unter anderem an der Harvard University und am Iowa Writers’ Workshop studiert. "Was zu dir gehört" ist sein erster Roman. Er lebt in Iowa City.

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Was zu dir gehört

Presse

"Greenwell wurde mit James Baldwin und Alan Hollinghurst, mit Virginia Woolf und W.G. Sebald verglichen, und immer wieder heißt es: 'Der große schwule Roman unserer Zeit'." Hannah Lühmann, Welt am Sonntag, 28.01.18

"Ein Thriller ist dieses Buch in dem Sinn, dass latet etwas in der Luft liegt. Eine Gefahr, etwas Unangenehmes, das gleich über die Figuren hereinbrechen könnte … Die Gewalt zieht sich wie eine Ahnung durch das Buch, da war was, da ist was, da wird noch was kommen." Xaver von Cranach, Literaturspiegel, 27.01.18

"'Was zu dir gehört' ist ein eindringliches Buch über die Zweischneidigkeit von Begehren, die Unmöglichkeit von Erlösung und die Macht von Scham, Schuldgefühlen und Sehnsucht, die oft mit Liebe einhergehen. Es ist voller Mitgefühl, und seine Sprache ist so schön und rein wie Poesie." Hanya Yanagihara

5 Fragen an …

Garth Greenwell

Warum spielt Ihr Roman in Bulgarien?
2009 bin ich nach Sofia gezogen, um an einer weiterführenden Schule zu unterrichten; ich blieb bis 2013. Ich habe mich in den Ort verliebt – in seine schwierige, reiche Geschichte, seine aktuellen Widersprüche, seine Sprache. Und ich habe mich in meine Schüler verliebt. Ich glaube, dass man durch die Arbeit mit jungen Menschen eine bestimmte Beziehung zu einem Ort aufbaut, eine bestimmte emotionale Bindung entwickelt. Die wichtigste Inspirationsquelle für das Buch war die Stadt selbst; ich habe das Buch teilweise aus dem Versuch heraus geschrieben, intensiver über sie nachzudenken.

In Ihrem Roman entwickelt sich eine komplizierte Beziehung zwischen Ihren beiden Hauptcharakteren, dem Ich-Erzähler, einem amerikanischen Expat, der in Sofia unterrichtet, und Mitko, einem jungen Bulgaren, den der Amerikaner für Sex bezahlt. Können Sie zunächst etwas über die beiden und ihre Beziehung erzählen?
Am Anfang des Romans, als der Ich-Erzähler Mitko für Sex bezahlt – er sagt, dass er zum ersten Mal überhaupt jemanden für Sex bezahlt – stellt er sich das Ganze leicht, sauber und klar umrissen vor: Er glaubt, dass diese verworrene, schwierige, menschliche Gemengelage aus Anziehung und Sex durch den Akt der Bezahlung zu einer rein geschäftlichen Transaktion wird. Der Roman handelt von den folgenden drei Jahren ihrer Beziehung. Er versucht zu zeigen, wie aus einer scheinbar simplen Transaktion etwas Kompliziertes wird, in das der Ich-Erzähler hineingerät. Ich wollte auf eine Art über Sexarbeit schreiben, die sich nicht an irgendeine einfache, moralisierende Vorstellung hält, sondern zeigt, dass Sexarbeit persönliche Begegnungen miteinschließt und deshalb auch all jene Möglichkeiten mit sich bringt – sowohl Spannung als auch Wärme –, die Teil einer solchen Begegnung sind.

Ihr Buch wird als der „große schwule Roman unserer Zeit“ beschrieben. Wie gehen Sie mit dem gay label um? Würden Sie Was zu dir gehört als schwulen Roman bezeichnen?
Ich wollte ein Buch schreiben, in dem schwule Leben im Mittelpunkt stehen, und ich wollte mich mit einer Tradition des queeren Schreibens auseinandersetzen: Mit Henry James, Thomas Mann, Virginia Woolf, James Baldwin. Tradition ist nichts anderes als ein Gespräch zwischen Schriftstellern über die Zeit hinweg, und jedes Buch nimmt gleichzeitig an mehreren Gesprächen teil. Eine meiner grundlegendsten Überzeugungen ist, dass Literatur zu etwas Universellem wird, indem sie sich dem Besonderen verschreibt. In meinem Roman geht es um bestimmte Menschen in bestimmten Gemeinschaften an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit. Ich hoffe, dass Was zu dir gehört gerade deswegen – und nicht trotzdem – ein Buch für jeden ist.

Sie schreiben sehr explizit über Sex. Welche Funktion erfüllt Sex in Ihrem literarischen Schreiben?
Ich halte Sex für den kompliziertesten Akt der zwischenmenschlichen Kommunikation, und das macht ihn für Schriftsteller besonders brauchbar. Sex setzt alles in einem Menschen unter Druck; er ist eine Art Feuerprobe der Menschlichkeit. Nie sonst sind wir so entblößt und so performativ; nie sonst stehen wir so mit unserem animalischen Körper in Verbindung und sind uns zugleich etwas bewusst, das über diesen Körper hinausgeht; nie sonst sind wir so in Einklang mit unserer eigenen Erfahrung und gleichzeitig so mit der Erfahrung einer anderen Person beschäftigt. Ich glaube, dass uns Literatur Möglichkeiten bietet, über Sex nachzudenken, die wir zurzeit dringend brauchen. Wir leben zwar in einem Zeitalter mit einem noch nie dagewesenen Zugang zu Bildern von Sex und sexualisierten Körpern – wir können ins Internet gehen und uns alles anschauen, was wir uns vorstellen können. Aber trotz dieser Abbildungen von Körpern fehlt es meiner Meinung nach an Darstellungen von embodiedness – von Innerlichkeit beim Sex, von der Erfahrung, ein Körper mit Bewusstsein zu sein. Noch eine weitere grundlegende Überzeugung: Nichts eignet sich besser als Literatur, um die Bewusstseinserfahrung eines anderen Menschen darzustellen. Das macht Literatur zu einem besonders dringlichen Mittel, um zum jetzigen Zeitpunkt über Sex nachzudenken.

Bevor Sie Literatur studiert haben, haben Sie eine Ausbildung zum Opernsänger gemacht. Hat diese Arbeit Ihr Sprachgefühl beeinflusst und die Art und Weise, wie sie über den Klang Ihrer Sätze nachdenken?
Ich wusste das damals noch nicht, aber die Zeit meiner Gesangsausbildung war gleichzeitig meine Ausbildung zum Schriftsteller. Klassischer Gesang bringt einem unglaublich gut bei, welches emotionale Potential darin liegt, Sprache in der Schwebe zu halten. In den Jahren, in denen ich klassischen Gesang studiert habe, habe ich eine Faszination für die weitreichenden Möglichkeiten der englischen Syntax entwickelt. Ich glaube, dass die Syntax helfen kann, die menschliche Psychologie zu ergründen (so wie auch die Ausgestaltung einer Klavierbegleitung in einem Schubert- oder Wolf-Lied die menschliche Psychologie ergründen kann).

Termine

Garth Greenwell: "Was zu dir gehört" mit Karsten Kredel und dem Übersetzer Daniel Schreiber Dt. Stimme: Marc Oliver Schulze | Zur Veranstaltungs-Website

Frankfurt
Literaturhaus Frankfurt,
Schöne Aussicht 2,
60311 Frankfurt

Garth Greenwell: "Was zu Dir gehört" Moderation: Knut Cordsen Deutsche Lesung: René Dumont | Zur Veranstaltungs-Website

München
Literaturhaus, Foyer-Bar,
Salvatorplatz 1,
80333 München

Garth Greenwell: " Was zu Dir gehört" Moderation: Susanne Weingarten Deutsche Lesung: Julian Greis | Zur Veranstaltungs-Website

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22087 Hamburg

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