Was zu dir gehört

Was zu dir gehört

Garth Greenwell

Ein Mann, gefangen in seinem Begehren für einen anderen – ein Roman, "so schön und rein wie Poesie" (Hanya Yanagihara).

Ein amerikanischer Expat betritt die öffentlichen Toiletten des Kulturpalasts von Sofia, Bulgarien. Dort unten, wo niemand einfach so hingeht, trifft er Mitko, der Charisma ausstrahlt und Gefahr. Der Amerikaner bezahlt Mitko für Sex und trifft ihn danach immer wieder, gefangen in seinem Begehren und in einer Beziehung, in der Zärtlichkeit umzuschlagen droht in Gewalt. Und während er sich seiner komplizierten Vergangenheit stellen muss, kann er weder seinem Verlangen entkommen noch den Privilegien als Ausländer, die ihn von Mitko trennen. "Was zu dir gehört" ist ein tiefberührender Roman über die Macht von Scham und Sehnsucht. Und über eine Liebe entgegen jeder Wahrscheinlichkeit.


Über den Autor

Garth Greenwell

Garth Greenwell

Garth Greenwell wurde 1978 in Louisville, Kentucky geboren. Er hat unter anderem an der Harvard University und am Iowa Writers’ Workshop studiert. "Was zu dir gehört" ist sein erster Roman. Er lebt in Iowa City.

Mehr über den Autor

Weitere Empfehlungen für Sie

Was zu dir gehört

Presse

„Greenwell wurde mit James Baldwin und Alan Hollinghurst, mit Virginia Woolf und W.G. Sebald verglichen, und immer wieder heißt es: 'Der große schwule Roman unserer Zeit'." Hannah Lühmann, Welt am Sonntag, 28.01.18

„In ‚Was zu dir gehört‘ wird der alte Mythos der verzehrenden Lust auf kunstvolle Weise aktualisiert. […] Die Körperlichkeit der Beziehung zwischen Mitko und dem Erzähler ist so intensiv inszeniert wie es sonst fast nur Filmen gelingt [...]. Es ist Garth Greenwells erster Roman, trotzdem hat er seine Sprache vollkommen unter Kontrolle. Obwohl in dieser Geschichte Exotik und Erotik zusammentreffen, gleitet sie nie ins Naheliegende, ins Schwülstige oder Kitschige ab.“ Karin Janker, Süddeutsche Zeitung, 21.03.2018

„Ein Thriller ist dieses Buch in dem Sinn, dass latet etwas in der Luft liegt. Eine Gefahr, etwas Unangenehmes, das gleich über die Figuren hereinbrechen könnte … Die Gewalt zieht sich wie eine Ahnung durch das Buch, da war was, da ist was, da wird noch was kommen." Xaver von Cranach, Literaturspiegel, 27.01.18

„Ein Debütroman von solcher Wucht und Größe ist eine Seltenheit im mit Büchern überfüllten Literaturbetrieb: Mit seinem Debüt ‚Was zu dir gehört‘ ist dem amerikanischen Schriftsteller Garth Greenwell ein großer Roman über das Menschsein und dessen Verwerfungen gelungen.“ Katja Engler, Hamburger Abendblatt, 06.03.2018

„Gleich in seinem ersten Buch überzeugt Greenwell von der ersten bis zur letzten Seite. Er hat ein tiefgründiges Werk geschaffen über falsche Schamgefühle, Einsamkeit und was es heißt, verliebt zu sein. […] Das schaffen nur die größten Romanciers. […] Daniel Schreiber hat das alles meisterhaft ins Deutsche übertragen.“ Schayan Riaz, Berliner Zeitung, 16.03.2018

„Greenwell gelingt es, seine Geschichte auf betörende Weise zu erzählen.“ Katharina Schmitz, der Freitag, 25.01.2018

„‚Was zu dir gehört‘ ist erstklassige Literatur darüber, welch kompliziert verschaltete Wesen wir doch sind, mit Wunden, die die Zeit zurzeit nicht heilt.“ Stefan Hochgesand, taz, 7./8. April 2018

„,Was zu dir gehört‘ ist nicht nur eine traurige Liebesgeschichte, sondern auch ein sehr poetisches Buch über Grenzen in Beziehungen und die seltenen Momente, in denen diese überschritten werden. Jutta Sommerbauer, Presse am Sonntag, 11.02.2018

„Großartiges Debüt. Die erste unschuldige Nacht, die der Ich-Erzähler mit einem Freund verbringt, gehört zu den anrührendsten Coming-of-Age-Momenten überhaupt. Herzzerreißend!“ Silvia Feist, emotion, 03/2018

„Eine Ballade sexueller Abhängigkeit mit dem Kaliber zu Mehr.“ Ute Büsing, rbb Inforadio, 25.02.2018

„So wie in diesen romantischen Schicksalsdramen muss man sich die langen, in großen lyrischen Bögen dahinfließenden Sätze von Garth Greenwells Prosa orchestriert denken: dolce e molto appassionato – sanft und sehr leidenschaftlich.“ Rolf Spinnler, Stuttgarter Nachrichten/Stuttgarter Zeitung, 28.02.2018

„Auch wenn der 1978 geborene Greenwell thematisch einen Pfad beschreitet, den vor ihm schon viele gegangen sind […], so tut er dies doch mit einer ungeheuren literarischen Eleganz. Ob für die Parallelwelt der Toiletten unter dem Kulturpalast oder den Austausch mit seinen Schwestern – seine Beschreibungen sind üppig und intensiv wie Gedichte.“ Axel Hill, Kölnische Rundschau, 02.03.2018

„Beim Lesen ist zu spüren, dass es ein autobiografisch geprägter Roman ist. In einer introvertierten Sprache reflektiert der Autor seine durch sein Schwulsein geprägte Welt, die Gewalt und das ihm begegnende Unverständnis. Sehr intensiv und ehrlich. Hat mich einfach überzeugt!“ Jörg Petzold, Flux FM, 19.02.2018

„Wie Greenwell diese erotischen Spannungen detailliert in langen durchkomponierten Sätzen schildert und dabei jede Faser der Empfindungen erkundet, verleiht dieser Prosa einen nachhaltig fesselnden Ton (und wurde von Daniel Schreiber nicht minder elegant übersetzt). Wie eindringlich und lebendig der 39-jährige Greenwell über schwulen Sex und Begehren schreibt, dürfte ziemlich einmalig sein.“ Axel Schock, Siegessäule, 02/2018

„Greenwell erzählt von dieser Amour fou direkt, ehrlich, schonungslos und trotzdem poetisch. Die in ihrer Schlichtheit grandiosen Schilderungen von Schauplätzen und Naturerscheinungen spiegeln die inneren Widersprüche des Erzählers und verstärken auf symbolische Weise die flirrend-spannungsvolle Atmosphäre aus Scham, Begehren, Lust und unterschwelliger Aggression. Ein großartiges, berührendes, in seiner Hoffnungslosigkeit aber auch sehr trauriges Buch.“ Isa Schikorsky, Lesart, 1/2018

„Was dieses Buch so spannend macht, ist, dass der Ich-Erzähler sich permanent selbst reflektiert. Wichtig ist, was in den Menschen passiert. Ein Roman, der viel mit Rückblenden arbeitet — er versucht eigentlich herauszufinden, wie bin ich der geworden, der ich eigentlich bin? – und das ist unglaublich spannend. Extrem kreativ formuliert. Das hat mir große Freude gemacht beim Lesen.“ Siglinde Geisel, SRF 2 Kultur, 29.03.2018

"'Was zu dir gehört' ist ein eindringliches Buch über die Zweischneidigkeit von Begehren, die Unmöglichkeit von Erlösung und die Macht von Scham, Schuldgefühlen und Sehnsucht, die oft mit Liebe einhergehen. Es ist voller Mitgefühl, und seine Sprache ist so schön und rein wie Poesie." Hanya Yanagihara

5 Fragen an …

Garth Greenwell

Warum spielt Ihr Roman in Bulgarien?
2009 bin ich nach Sofia gezogen, um an einer weiterführenden Schule zu unterrichten; ich blieb bis 2013. Ich habe mich in den Ort verliebt – in seine schwierige, reiche Geschichte, seine aktuellen Widersprüche, seine Sprache. Und ich habe mich in meine Schüler verliebt. Ich glaube, dass man durch die Arbeit mit jungen Menschen eine bestimmte Beziehung zu einem Ort aufbaut, eine bestimmte emotionale Bindung entwickelt. Die wichtigste Inspirationsquelle für das Buch war die Stadt selbst; ich habe das Buch teilweise aus dem Versuch heraus geschrieben, intensiver über sie nachzudenken.

In Ihrem Roman entwickelt sich eine komplizierte Beziehung zwischen Ihren beiden Hauptcharakteren, dem Ich-Erzähler, einem amerikanischen Expat, der in Sofia unterrichtet, und Mitko, einem jungen Bulgaren, den der Amerikaner für Sex bezahlt. Können Sie zunächst etwas über die beiden und ihre Beziehung erzählen?
Am Anfang des Romans, als der Ich-Erzähler Mitko für Sex bezahlt – er sagt, dass er zum ersten Mal überhaupt jemanden für Sex bezahlt – stellt er sich das Ganze leicht, sauber und klar umrissen vor: Er glaubt, dass diese verworrene, schwierige, menschliche Gemengelage aus Anziehung und Sex durch den Akt der Bezahlung zu einer rein geschäftlichen Transaktion wird. Der Roman handelt von den folgenden drei Jahren ihrer Beziehung. Er versucht zu zeigen, wie aus einer scheinbar simplen Transaktion etwas Kompliziertes wird, in das der Ich-Erzähler hineingerät. Ich wollte auf eine Art über Sexarbeit schreiben, die sich nicht an irgendeine einfache, moralisierende Vorstellung hält, sondern zeigt, dass Sexarbeit persönliche Begegnungen miteinschließt und deshalb auch all jene Möglichkeiten mit sich bringt – sowohl Spannung als auch Wärme –, die Teil einer solchen Begegnung sind.

Ihr Buch wird als der „große schwule Roman unserer Zeit“ beschrieben. Wie gehen Sie mit dem gay label um? Würden Sie Was zu dir gehört als schwulen Roman bezeichnen?
Ich wollte ein Buch schreiben, in dem schwule Leben im Mittelpunkt stehen, und ich wollte mich mit einer Tradition des queeren Schreibens auseinandersetzen: Mit Henry James, Thomas Mann, Virginia Woolf, James Baldwin. Tradition ist nichts anderes als ein Gespräch zwischen Schriftstellern über die Zeit hinweg, und jedes Buch nimmt gleichzeitig an mehreren Gesprächen teil. Eine meiner grundlegendsten Überzeugungen ist, dass Literatur zu etwas Universellem wird, indem sie sich dem Besonderen verschreibt. In meinem Roman geht es um bestimmte Menschen in bestimmten Gemeinschaften an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit. Ich hoffe, dass Was zu dir gehört gerade deswegen – und nicht trotzdem – ein Buch für jeden ist.

Sie schreiben sehr explizit über Sex. Welche Funktion erfüllt Sex in Ihrem literarischen Schreiben?
Ich halte Sex für den kompliziertesten Akt der zwischenmenschlichen Kommunikation, und das macht ihn für Schriftsteller besonders brauchbar. Sex setzt alles in einem Menschen unter Druck; er ist eine Art Feuerprobe der Menschlichkeit. Nie sonst sind wir so entblößt und so performativ; nie sonst stehen wir so mit unserem animalischen Körper in Verbindung und sind uns zugleich etwas bewusst, das über diesen Körper hinausgeht; nie sonst sind wir so in Einklang mit unserer eigenen Erfahrung und gleichzeitig so mit der Erfahrung einer anderen Person beschäftigt. Ich glaube, dass uns Literatur Möglichkeiten bietet, über Sex nachzudenken, die wir zurzeit dringend brauchen. Wir leben zwar in einem Zeitalter mit einem noch nie dagewesenen Zugang zu Bildern von Sex und sexualisierten Körpern – wir können ins Internet gehen und uns alles anschauen, was wir uns vorstellen können. Aber trotz dieser Abbildungen von Körpern fehlt es meiner Meinung nach an Darstellungen von embodiedness – von Innerlichkeit beim Sex, von der Erfahrung, ein Körper mit Bewusstsein zu sein. Noch eine weitere grundlegende Überzeugung: Nichts eignet sich besser als Literatur, um die Bewusstseinserfahrung eines anderen Menschen darzustellen. Das macht Literatur zu einem besonders dringlichen Mittel, um zum jetzigen Zeitpunkt über Sex nachzudenken.

Bevor Sie Literatur studiert haben, haben Sie eine Ausbildung zum Opernsänger gemacht. Hat diese Arbeit Ihr Sprachgefühl beeinflusst und die Art und Weise, wie sie über den Klang Ihrer Sätze nachdenken?
Ich wusste das damals noch nicht, aber die Zeit meiner Gesangsausbildung war gleichzeitig meine Ausbildung zum Schriftsteller. Klassischer Gesang bringt einem unglaublich gut bei, welches emotionale Potential darin liegt, Sprache in der Schwebe zu halten. In den Jahren, in denen ich klassischen Gesang studiert habe, habe ich eine Faszination für die weitreichenden Möglichkeiten der englischen Syntax entwickelt. Ich glaube, dass die Syntax helfen kann, die menschliche Psychologie zu ergründen (so wie auch die Ausgestaltung einer Klavierbegleitung in einem Schubert- oder Wolf-Lied die menschliche Psychologie ergründen kann).

Leseproben

Ihr Kommentar

* Diese Angaben sind verpflichtend