Versteckte Jahre

Versteckte Jahre

Anna Goldenberg

Wien, 1942: Ein Mann schützt einen Jungen vor der Deportation, indem er ihn jahrelang versteckt – Anna Goldenberg auf Spurensuche über die Rettung ihres Großvaters

Wien-Leopoldstadt, September 1942: Hansis Eltern und sein jüngerer Bruder müssen ins Sammellager, um nach Theresienstadt umgesiedelt zu werden. Gleichzeitig verlässt der 17-jährige Hansi das Haus. Im Flur nimmt er den gelben Stern ab, steigt in die Straßenbahn und fährt zum Kinderarzt Josef Feldner. Seine Familie wird Hansi nie mehr wiedersehen. Bis zum Ende des Krieges versteckt und versorgt „Pepi“ den jungen Mann in seiner Wohnung. Auch später bleibt Hansi mit seinem Retter verbunden, sie frühstücken täglich miteinander, fahren gemeinsam auf Urlaub. Hans‘ Enkelin, Anna Goldenberg, die Enkelin von Hans und Helga Feldner-Bustin, rekonstruiert diese singuläre Familiengeschichte als große Reportage und als Porträt eines Helden, der nie einer sein wollte.


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Anna Goldenberg

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Anna Goldenberg, geboren 1989 in Wien, studierte Psychologie an der Universität von Cambridge sowie Journalismus an der Columbia University und war anschließend Redakteurin der Wochenzeitung Jewish Daily Forward in New York. ...

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Presse

„Goldenberg hat ein großes, ein wichtiges, ein ruhiges und ein aufwühlendes Buch geschrieben. Es ist schonungslos und präzise, ehrlich und neugierig.“ Julya Rabinowich, Falter, 25.07.18

5 Fragen an …

Anna Goldenberg

Frau Goldenberg, was war der ausschlaggebende Grund für Sie, sich mit der eigenen Familiengeschichte zu beschäftigen?
Es war das Interesse der anderen. Mir war lange nicht bewusst, dass meine Familiengeschichte außergewöhnlich war. Meine Großeltern haben immer über das Erlebte gesprochen, aber es war nicht etwas, das sie nach außen trugen. Während meines Journalismus Studiums in den USA wurde uns beigebracht, in unseren Reportagen die erste Person nur sehr gewählt anzuwenden. „Jeder von euch trägt eine ‘Ich-Geschichte’ mit sich herum”, sagte eine Professorin. Also fing ich an zu suchen. Ich war überrascht, auf wie viel Interesse meine Familiengeschichte stieß.

Hatte das damit zu tun, dass Sie als jüdische Studentin aus Wien gewissermaßen als „historische Anomalie” gesehen wurden?
Genau. Viele zweifelten, dass so etwas möglich sein kann. Das hat mich zunächst geärgert. Oft schwang da ein Überlegenheitsgefühl mit, à la „die Familien deiner Großeltern haben es verabsäumt, auszuwandern“, und ein Vorwurf, „wie konnten sie in einem so grausamen Land leben”. Diese Sätze wurden selten ausgesprochen, aber ich hatte das Gefühl, dass sie im Raum standen. Vielleicht weil das Dinge waren, die ich mich selbst gefragt habe. So haben mich die Zweifel der anderen motiviert, meine Familiengeschichte zu erklären und sie schließlich zu der „Ich-Geschichte” zu machen, die ich mit mir herumtrage und erzählen will.

Wie präsent war das Schicksal Ihres Großvaters und Ihrer Großmutter innerhalb der Familie?
Ich kann mich nicht erinnern, nicht vom Holocaust gewusst zu haben. Wenn meine Mutter von ihrer Kindheit erzählt, kommt Pepi (Anm.: das ist der Lebensretter von Anna Goldenbergs Großvater) ständig vor. Und so erfuhr ich früh, welche Rolle er im Leben meines Großvaters spielte. Dazu kommt: Meine Familie ist zwar nicht religiös, aber uns gefällt die jüdische Tradition, Kindern die Namen von verstorbenen Familienmitgliedern zu geben. Zwei meiner Cousins heißen mit zweitem Vornamen Josef. Und wäre ich ein Bub geworden, hätten meine Eltern mich Moritz genannt, nach meinem ermordeten Urgroßvater.

Was kann man sich Ihre Recherche für Versteckte Jahre vorstellen?
Ich hatte gedacht, dass ich über das Schicksal meiner Großeltern Bescheid wusste. Erst bei der Recherche fielen mir meine Wissenslücken auf. In einigen Archiven habe ich bisher unbekannte Dokumente gefunden. Meiner Großmutter konnte ich die Fragen glücklicherweise selbst stellen. Beim „Anschluss“ 1938 war sie neun Jahre alt; die Entscheidungen damals trafen ihre Eltern, die nicht mehr am Leben sind. Was die Geschichte meines Großvaters betraf, musste ich mich auf seine Aufzeichnungen verlassen, die er während seiner letzten Lebensjahre anfertigte. Er starb zu früh. Ich hätte so viele Fragen an ihn!

Die letzten unmittelbaren Zeugen des Holocaust werden in absehbarer Zeit nicht mehr als Auskunftspersonen zur Verfügung stehen. Wie wird das die Erinnerung an die Geschehnisse beeinflussen?
In den vergangenen Jahren habe ich meine Großmutter öfters zu ihren Vorträgen als Zeitzeugin begleitet. Dort wird immer deutlich, wie wichtig ihr die unbedeutend scheinenden Taten und Entscheidungen der anderen waren und sind: eine unverdiente Ohrfeige, ein geschenktes Schmalzbrot, tröstende Worte, Gemeinheiten. Davon erzählt sie oft, und das berührt die Zuhörersichtlich. Diese Aspekte muss man weitergeben, auch wenn Zeitzeugen nicht mehr unter uns sind.

Termine

Anna Goldenberg: „Versteckte Jahre“

Wien
BUCH WIEN, Mastercard-Bühne Wien

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Wien
Zentrum im Werd,
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1020 Wien

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