So schön wie tot

So schön wie tot

Peter Haffner

Privatermittler Larry Hardy ahnt nichts Gutes, als eine junge Frau in sein Büro stürmt und verlangt, dass er ihren verschollenen Vater findet. Sie ist die Tochter des berühmten Autors Michael McCullen, der wie Larry selbst aus Amerika stammt und nun in Berlin lebt. Zunächst aber findet Larry nur die Ehefrau des Vermissten, und zwar tot in der Badewanne. Dummerweise gerät der Detektiv selbst in Verdacht. Larrys Probleme vermehren sich ebenso wie die Verdächtigen, und zu allem Überfluss setzen ihn auch noch russische Verbrecher unter Druck … Ein rasanter Hardboiled-Krimi, literarisch souverän und dramaturgisch geschickt.


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Peter Haffner, 1953 in Zürich geboren, hat als Journalist, Essayist und Buchautor viele Jahre in Amerika, Polen und Deutschland gelebt und gearbeitet. Für seine literarischen Reportagen wurde er unter anderem mit dem ...

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Presse

"Cool, schnell, sexy – wer auf Hardboiled steht, wird schon im ersten Kapitel Feuer fangen." Frank Schulz, Autor der Onno-Viets-Romane
"Ein rundum gelungener, mit sicherer Hand und köstlichem Humor geschriebener Roman." Manfred Papst, NZZ am Sonntag, 04.03.2018
"Der originelle und ordentlich verwickelte Plot nimmt immer wieder unerwartete Wendungen und hält die ebenso rasante wie charmante Geschichte leidlich spannend." Hanspeter Eggenberger, Tages-Anzeiger, 01.03.2018

5 Fragen an …

Peter Haffner

Die Hauptfigur Larry Hardy ist ein amerikanischer Ermittler in Berlin. Er ist deutlich dem Typ von Philip Marlowe oder Sam Spade nachempfunden. Warum dieser Anachronismus, dieses Hardboiled-Genre in heutiger Zeit?
Das Hardboiled-Genre ist ein etablierter Krimistil, ebenso wenig unzeitgemäß wie das traditionelle Erzählen in der Literatur, das auch schon vorzeitig verabschiedet wurde. In Amerika, wo ich lange gelebt habe und dessen Literatur mich geprägt hat, käme niemand auf die Idee, darin einen Anachronismus zu sehen. Mich reizt der Stil, weil ich sarkastische Typen mag, die im Grunde ihres Herzens sentimental sind. Scharfsinnig und schlagfertig, wissen sie auch mit der Waffe umzugehen; was sie tun, ist nicht immer legal, aber meistens legitim. Das hat Larry Hardy mit Philip Marlowe gemein. Doch Larry ist kein „Loner“ wie Marlowe. Er hat eine französische Freundin und eine deutsche Ex-Frau, die Polizistin ist und mit der er einen Sohn hat, um den er sich auch kümmert. So weit hätte es ein Marlowe nie kommen lassen.

Im Roman ist ein Mann verschwunden und wird gesucht. Es ist ausgerechnet ein Schriftsteller – dazu noch so erfolgreich und berühmt, wie es im wirklichen Leben gar nie vorkommt. Ist das Ironie: wenn schon nicht im wirklichen Leben, dann wenigstens im Roman?
Im wirklichen Leben gar nicht vorkommt? Jeder Flughafenkiosk voller Paperbacks mit Goldtiteln im Prägedruck widerlegt das. Die Thriller der Blockbuster-Autoren haben Millionenauflagen, werden in der ganzen Welt gelesen und von Hollywood verfilmt. Der Mann, der in meinem Roman verschwindet, ist einer von ihnen. Ein Arbeitersohn, der den amerikanischen Traum geträumt und wahr gemacht hat. Er könnte sich einen Butler leisten, der ihm die Schnürsenkel bügelt. Tut er auch, schikaniert ihn aber nicht mit solchen Snobismen.

Der Roman wird beherrscht von Frauenfiguren. Viele davon sind durch den Machoblick von Larry Hardy beschrieben. Sie scheinen am Ende aber doch die klügeren Charaktere zu sein.
Sie scheinen es nicht nur, sie sind es auch. Und sie sind so klug, dass sie Larry den Macho nicht abnehmen, der er vorgibt zu sein. Sie spielen ein Spiel mit ihm, und er muss es mitspielen, da kommt er nicht mehr raus. Nichts ist doch so eintönig wie die heutzutage populäre „Authentizität“ von Personen – eigentlich ein Synonym für die Faulheit, sich selbst in witzigen, ironischen und doppeldeutigen Wortgefechten zu behaupten. Und ja – Larry ist nicht der Typ, der einen Stringtanga trägt, vor dem Sex noch die Klangschalen holt und bei jedem Stellungswechsel fragt: „Ist es so schön für dich?“

Eine der wichtigsten Figuren ist die junge Maddie. Ein Punk, laut, frech und verletzlich. Sie macht die größte Veränderung durch. Ist sie die heimliche Hauptfigur?
Die wichtigste Figur im Krimi ist ja das Opfer. Und nicht immer ist das wahre Opfer die Person, die durch die Hand des Täters umkommt. In dem Sinne ist Maddie tatsächlich eine Hauptfigur. Ihr verschwundener Vater, ihr seltsamer Freund oder Larry Hardy, dessen Dienste sie in Anspruch nimmt – sie alle zeigen in der Art, wie sie auf Maddie reagieren, wer sie sind. Maddie ist der Spiegel, der die Männer gewissermaßen zur Kenntlichkeit verzerrt. Sie aber bleibt – wie jede Hauptperson, die diesen Namen verdient – ein Rätsel.

Wenn Journalisten Romane schreiben, dann genießen sie die große Freiheit, heißt es. Ist das bei Ihnen auch so – und warum dann Krimis, die doch viel Berechnung, Planung und unbedingt glaubwürdige Motive brauchen?
Das Genre Krimi erlaubt es, Konflikte unserer multikulturellen Gesellschaft freier von Zwängen und Ritualen politischer Korrektheit zu erörtern. So beschäftigt mich nicht die Frage, ob die Religion Menschen radikalisiert, sondern wie die Menschen Religion radikalisieren: Mit derselben perversen Logik, mit der Islamisten den Koran zu einer Waffe des Bösen schmieden, tut dies bei mir ein Christ mit der Bibel. Was die Freiheit der Fiktion betrifft: Ich komme vom „New Journalism“, der von Koryphäen wie Gay Talese, Tom Wolfe und Joan Didion in den 1960er-Jahren begründeten „literarischen Reportage“. Viele meiner Arbeiten unterscheiden sich nur insofern von Erzählungen, als sie zwar literarisch in Form und Stil sind, sich aber strikt an Fakten halten und nichts erfunden ist. Am Romanschreiben fasziniert mich weniger die Freiheit, etwas zu erfinden, als das Vergnügen, mich selbst zu überraschen. Als ich hinschrieb, wie Larrys Freunde ihm ein Geschenkpaket überreichen, realisierte ich, dass ich noch gar nicht wusste, was drin ist. Sich das passende Geschenk auszudenken, macht nicht weniger Freude, als über den Inhalt eines Paketes zu rätseln, das man selber bekommt.

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