Nächtliche Wege

Nächtliche Wege

Gaito Gasdanow

Paris bei Nacht – das schönste Buch von Gaito Gasdanow, dem Autor von "Das Phantom des Alexander Wolf"

Tagsüber studiert er, nachts arbeitet der Erzähler als Taxichauffeur. Er verkehrt mit Dieben und Zuhältern, Selbstmördern und Clochards, Verrückten und Alkoholikern. Drei Halbweltdamen haben ihn zu ihrem Vertrauten gemacht: Raldy, die ehemalige Luxusprostituierte, Alice, ihre untreue Schülerin, und Suzanne mit dem Goldzahn. Sie hat den Sprung ins bürgerliche Leben geschafft und hätte mit Fedortschenko fast ihr Glück gefunden. Gasdanow, der im Exil sein Geld als Taxifahrer verdiente, erzählt vom Leben der Emigranten im Paris der dreißiger Jahre, zwischen brennender Nostalgie und einer heillosen Gegenwart. "Nächtliche Wege" ist ein Meisterwerk der literarischen Moderne.


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Gaito Gasdanow

Gaito Gasdanow

Gaito Gasdanow, 1903 in St. Petersburg geboren und 1971 in München gestorben, gilt als einer der wichtigsten russischen Exilautoren des frühen 20. Jahrhunderts. Seit 1923 lebte er im Exil in Paris, wo er begann, regelmäßig ...

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Nächtliche Wege

Presse

"Dieses fabelhaft deprimierende und gründlich niederziehende Buch entzieht noch einer anderen Illusion den Halt: dass sich dem Leben immer, über alle Schicksalsschläge hinweg, ein sinnvolles Muster aufprägen ließe.“ Jens Jessen, Die Zeit, 26.07.18

"Unglaublich tröstlich und zugleich ein unheimlicher Lesegenuss.“ Werner Bartens, Süddeutsche Zeitung, 31.07.18

"Dieses große Buch läßt einen nicht mehr los. Mit den ersten Sätzen verfällt man dem elegischen Sog dieses Erzählens, seinen starken, sinnlichen Bildern, seinem lakonischen Humor." Nicole Henneberg, Der Tagesspiegel, 11.06.18

"Es ist die Verbindung von Distanz und Empathie, «Verachtung und Mitleid», die «Nächtliche Wege» zu einem Meisterwerk der literarischen Moderne macht." Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung, 10.04.18

"Gasdanow hat uns mit seinem auch stilistisch brillanten Roman ein Bild der Zwischenkriegsgesellschaft von Paris hinterlassen, das die große Verzweiflung und Entwurzelung ihrer Protagonisten unvergessen macht." Dorothee Wahl, Frankfurter Rundschau, 10.07.18

5 Fragen an …

Christiane Körner

Welche Stellung hat dieses Buch in Gasdanows Werk?
Eine ganz besondere: es ist sein persönlichstes und sein ehrlichstes Buch, in dem er ungeschönt seine nächtlichen Taxierfahrungen mitteilt und auch seine Verzweiflung an der Welt des Exils. Gleichzeitig ist es poetologisch sein gewagtester Text, weil aus dem Taxifahren ein erzähltechnisches Verfahren wird.

Gasdanow verwendet keine Gattungsbezeichnung. Dennoch sprechen Sie im Nachwort (meiner Ansicht nach zu Recht) von einem Taxiroman. Warum?
So autobiographisch der Text auch ist – er wird durch feinverästelte Reflexion transzendiert, durch ein dichtes Netz von Verweisen literarisch strukturiert, und an einigen Hauptfiguren entlang entwickelt sich eine spannungsgeladene, dramatische Handlung. Mit anderen Worten: als gestaltetes Erzählwerk verdient er die Bezeichnung Roman.

Wie setzt Gasdanow seine Erfahrungen als Nachttaxifahrer literarisch und stilistisch um?
Das Buch ist stark episodisch, wie das Taxifahren, das nur kurze Zufallsbegegnungen ermöglicht. Das Kreisen durch das nächtliche Paris spiegelt sich in fantastischen, endlos wirkenden Satzschlaufen und in der rhythmischen Wiederholung von Motiven. Das erzeugt beim Lesen ein Gefühl von Ziellosigkeit und Unentrinnbarkeit. Und alles in nächtlicher Dunkelheit …

Welche Rolle spielen Emigration und Exil in diesem Buch?
Entwurzelung, Scheitern, bittere Armut, Fremdheit, Depression: Nächtliche Wege zeigt das russische Exil von ganz unten, unbarmherzig, bis an die Schmerzgrenze. In seinen Grunderfahrungen von Orientierungs- und Werteverlust, Instabilität und Vereinzelung ähnelt der Emigrant allerdings den deklassierten Vertretern der französischen Zwischenkriegsgesellschaft, denen er in seiner nächtlichen Welt begegnet. Insofern steht das Exil auch für eine existenzielle Erschütterung.

Was Gasdanow hier beschreibt, sind ja zentrale Erfahrungen der Moderne. Liegt es daran, dass uns dieses Buch trotz seiner Entstehungszeit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg heute noch so frisch erscheint?
Oh ja. Mehr noch, es ist verblüffend dicht am heutigen Erfahrungshorizont – vertraut ist uns zum Beispiel der plötzliche Verlust von Gewissheiten, der Verfall von Autoritäten oder das Empfinden, dass eine Zeitenwende bevorsteht. Und dass das Schreiben für Gasdanow auch eine Art Therapie war, macht den Roman darüber hinaus besonders eindringlich.

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