Leben spielen

Leben spielen

Jan Kossdorff

Jan Kossdorff erzählt von den feinen Zwischentönen, die unser Leben, unsere Lieben und unsere Träume begleiten.

Der Schauspieler Mischa hat die Leidenschaft fürs Theater gegen die Liebe zu Valerie eingetauscht. Doch als sein Freund Sebastian mit einer grandiosen Geschäftsidee auftaucht, kann er nicht widerstehen: Es geht um Inszenierungen, in denen die Kunden selbst, ganz nach Wunsch, eine Rolle spielen. Die Auftraggeber zahlen für die Darstellung privater Wünsche und Träume, für „Leben spielen“. Ausgerechnet Valerie zieht den ersten Auftrag an Land. Im Mittelpunkt der Szene, die in Wien im Österreich der Nachkriegszeit spielt, steht eine junge Frau, der Valerie verblüffend ähnlich sieht … Eine Geschichte über Liebe, Freundschaft und das Spiel, das kaum jemandem so einfach gelingt: das Leben.


Über den Autor

Jan Kossdorff

Jan Kossdorff

Jan Kossdorff, geboren 1974, lebt in Wien und Altmünster. Er ist ausgebildeter Drehbuchautor und arbeitet als Journalist und Werbetexter. Bisher erschienen die Bücher: Sunnyboys (2009), Spam! - ein Mailodram (2010); für Kauft Leute ...

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Presse

„Das Spiel mit den Fiktionsebenen beherrscht Kossdorff exzellent und mit Witz.“ Antonia Löffler, Ö1 ex libris, 28.02.16

„Kossdorff täuscht Klischees an, um sie elegant auszulassen. 'Leben spielen' ist schön beobachtet und flott geschrieben. Ein Wohlfühlroman.“ Dominika Meindl, Falter, 06.03.16

5 Fragen an …

Wie sind Sie auf das Thema „Leben spielen“ gekommen?
Nach „Kauft Leute“, in dem es um einen modernen Sklavenmarkt geht, hatte ich Lust auf einen weniger düsteren Stoff. Ich erinnerte mich daran, wie mir ein Schauspieler erzählt hatte, dass er früher bei Bar-Mizwa-Feiern und Kindergeburtstagen auftrat, um so einigermaßen über die Runden zu kommen. Ich überlegte, was Schauspieler noch so anstellen würden, wenn die Engagements ausblieben, und entwickelte die Idee einer Theatertruppe, die nicht auf der Bühne (oder vor der Kamera), sondern im echten Leben agiert: mit maßgeschneiderten Inszenierungen für zahlende Kunden. Als ich zu schreiben begann, merkte ich, dass die Realität der Schauspieler mindestens genauso spannend ist wie die Fiktion, in die sich ihre Kunden begeben. Denn was für sie leicht darzustellen ist, erweist sich in Wirklichkeit als ziemlich schwierig: Beziehungen zu managen, mit Erfolgen und Misserfolgen klarzukommen, die großen Lebensentscheidungen zu treffen. „Leben spielen“, schien mir, war der einzig richtige Titel.

Haben Sie selbst Erfahrungen als Schauspieler?
Wenn man davon absieht, dass ich bei meinen Lesungen versuche, den Text nicht nur herunterzulesen, sondern lebendig zu präsentieren, nein. Schauspieler ist auch einer der wenigen Berufe im Film- oder Theaterbereich, den ich selbst nie ausüben wollte, während mir viele andere Berufe – vom Dramaturgen, über den Regisseur bis hin natürlich zum Autor – über alle Maßen spannend erschienen. Insofern habe ich mich über Literatur und Gespräche mit Schauspielern dem Thema angenähert. Anstatt wie Hermann Vaske, der Künstlern von Salman Rushdie bis Steven Spielberg die Frage stellte: „Why are you creative?“, fragte ich: „Warum spielst du?“ Interessant fand ich, dass es häufig Introvertiertheit ist, die die Sehnsucht nach der Bühne weckt.

Welche der Beziehungen in diesem Buch ist für Sie die interessanteste?
Ich mag zum Beispiel die Beziehung zwischen der weiblichen Hauptfigur Valerie und dem ersten Kunden ihrer Truppe, dem alten Exilamerikaner Freedman. Sie erinnert ihn an seine große Liebe, die er im Wien der Nachkriegszeit für sich gewinnen wollte. Als die Ereignisse jener Zeit von den Schauspielern rekonstruiert werden, verliebt sich der alte Mann neu in das Mädchen von damals – oder doch in Valerie? Als er sich ein „Happy End“ wünscht, auch wenn es sich vor Jahrzehnten anders zugetragen hat, kann Valerie es ihm nicht verschaffen. Die alternative Wirklichkeit ist „unspielbar“, sein Wunsch bleibt auch sechzig Jahre später unerfüllbar. Letztlich bietet ihm Valerie gerade damit aber die Möglichkeit, mit dem letzten ungeklärten Kapitel seines Lebens abzuschließen.

Wenn Sie selbst eine Szene bei Mischa, Sebastian und Valerie in Auftrag geben könnten – was würden Sie wählen?
Aufdrängen würde sich die Inszenierung: „Wie wäre es, Bestsellerautor zu sein?“ Ich glaube aber, ich gehe lieber den umständlichen Weg … Ansonsten gäbe es da ein paar Jugendträume abzuarbeiten: Tierschützer in Afrika zu sein wie Bernhard Grzimek; Mittelerde zu retten; Grunge-Rock-Star zu werden – alles eher aufwendige Jobs. Ich fände es aber auch spannend zu erleben, wie mein Leben in dreißig, fünfunddreißig Jahren aussehen könnte. Was es heißt, im letzten Lebensviertel angekommen zu sein. Es gibt ein hinreißendes YouTube-Video eines jungen Paares, das in der Maske schrittweise um Jahrzehnte älter gemacht wird und so die eigene Zukunft miteinander im Schnelldurchlauf erlebt (einfach nach „couple aging“ suchen). Es ist nur ein Spiel mit Verkleidung und Schminke, aber die Gefühle, die es weckt, sind unglaublich real – so geht es auch den Kunden in „Leben spielen“.

„Leben spielen“ ist Ihr erstes Buch in einem größeren Verlag. Was erwarten bzw. erhoffen Sie sich davon?
Einige Erwartungen – zum Beispiel an das Lektorat und die Covergestaltung – haben sich schon vor der Veröffentlichung des Buches erfüllt. Ansonsten versuche ich, der Veröffentlichung ohne allzu große Erwartungen entgegenzusehen. Wie die Leser und Leserinnen das Buch aufnehmen, ist – nicht anders als bei einem kleinen Verlag – ohnehin unkalkulierbar.

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