Dreamland Deutschland?

Dreamland Deutschland?

Antonie Rietzschel

Wie gelingt Integration in Deutschland? Antonie Rietzschel verbindet den Schicksalsbericht zweier syrischer Flüchtlinge mit politischer Analyse.

Yousef und Mohanad, zwei Brüder aus Syrien, haben es geschafft. Ein Jahr lang sind sie nun in Deutschland. Antonie Rietzschel hat sie von Anfang an begleitet: Sie hat dabei erlebt, was passiert, wenn Debatten um Flüchtlinge und Willkommenskultur auf das echte Leben treffen. Wie wird man Teil der deutschen Gesellschaft? Wie lebt man weiter, wenn die Familie noch immer im Kriegsgebiet ist? Die Brüder erzählen, wie sie um das Bleiberecht kämpfen mussten, Unterstützung bekamen und den Rechtsruck erlebten. Dabei sprechen sie nicht nur für sich selbst. Denn was als Ausnahmezustand begann, wird unsere Gesellschaft nachhaltig verändern. Das eindrucksvolle Porträt des Einwanderungslandes Deutschland im Jahr 2016.


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Antonie Rietzschel arbeitet für die Politikredaktion von SZ.de, wo sie in den vergangenen Monaten die Berichterstattung über Flüchtlinge mitkoordinierte. Sie wuchs in einem kleinen Dorf nahe der Sächsischen Schweiz auf, einer ...

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"Antonie Rietzschel erzählt überzeugend und nachvollziehbar die Geschichte des ersten Jahres in Deutschland, einschließlich der recht unterschiedlichen Erfahrungen mit der Helferszene. Die Geschichte des Bruderpaars reichert sie mit kurzen Sachinformationen zu den Themen an, die in den einzelnen Kapiteln in Frage stehen. Durch diese Verbindung zwischen konkreten Schicksalen und verallgemeinerten Informationen entsteht ein anschauliches Bild des Einwanderungslandes Deutschland zu Beginn des Jahres 2016. Lesenswert!" Conrad Lay, "Andruck" - Deutschlandfunk, 13.06.16

"[...] ein Buch, dessen Lektüre sich lohnt." Felix Simon, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.16

5 Fragen an …

Antonie Rietzschel

Wie geht es Yousef und Mohanad heute?

Mohanad hat mittlerweile über sein Praktikum neue Freunde gefunden, mit denen er ab und zu Playstation spielt oder ins Fitnessstudio geht. Doch ihn zieht es in eine größere Stadt. Er hat sich jetzt an mehreren Unis beworben, um weiterzustudieren. Möglicherweise wird er im September in Darmstadt anfangen. Yousef ist mittlerweile im Rathaus von Oelde als Übersetzer angestellt. Er ist viel unterwegs in den umliegenden Flüchtlingsheimen.

Ihr habt viel Zeit zu dritt verbracht, welcher Moment war prägend?
Das war der Moment auf der Flucht, als die Polizei in den Zug einstieg. Mohanad griff immer panisch nach meinem Arm und fragte verzweifelt, wann wir endlich die deutsche Grenze erreichen würden. Als Journalist muss man ja immer versuchen neutral zu sein, aber in diesem Moment ist mir das sehr schwer gefallen. Ich kannte ja ihre Ängste und wollte nicht, dass die beiden Brüder erwischt würden. Ich habe kurz überlegt, ob ich eine Zeitung aufschlagen und näher zu Mohanad rücken soll, damit es so aussieht, als gehörten wir zusammen.

Was hat den Neubeginn in Deutschland für die beiden am meisten erleichtert?
Die Leute, denen sie begegnet sind. Sie hatten Menschen, die ihnen auf unterschiedliche Weise geholfen haben. Da war Michael, ein freiwilliger Helfer, der für sie am Anfang wie ein Vater war. Der sie in den Arm genommen und bei Behördengängen unterstützt hat. Dazu kam die Deutschlehrerin Naima, die aus Marokko stammt, ihre Kultur versteht und selbst nach Deutschland eingewandert ist. Mit ihr konnten sie ihre vielen Fragen teilen, die sie zu Deutschland hatten. Gleichzeitig hat sie die beiden angespornt zu lernen.

Was war am schwierigsten und wieso?
Anfangs war nicht klar, ob die beiden überhaupt in Deutschland bleiben können oder ob sie nach Italien abgeschoben werden. Besonders Mohanad hat der Gedanke der Abschiebung extrem belastet, er hat viel gegrübelt. Das ging über Wochen so. Als er dann den Bescheid bekommen hat, dass er nicht bleiben darf, ist er ausgerastet. Mohanad hat sich mit einer Rasierklinge den Arm aufgeschnitten. Für seinen Bruder Yousef war es schrecklich zu sehen, wie sein Bruder leidet.

Kann Oelde, die Kleinstadt, in der die beiden Brüder ihr erstes Jahr verbracht haben, stellvertretend für das Integrationsland Deutschland stehen?
Nein. Ich würde Deutschland nicht als Integrationsland bezeichnen, denn es wird noch viel zu wenig getan, um Flüchtlinge oder andere Migranten zu integrieren. Ob Integration gelingt, hängt immer noch zu oft vom Zufall ab. So war es auch im Fall der Brüder. Mohanad und Yousef sind innerhalb kürzester Zeit sehr weit gekommen: Sie sprechen gut deutsch, haben Arbeit. Das verdanken sie ihrem eigenen Ehrgeiz, aber auch den Menschen, denen sie in Oelde glücklicherweise begegnet sind, die ihnen im Dschungel der Bürokratie den Weg gewiesen haben. Es gibt eine große Hilfsbereitschaft, das hat Oelde mit vielen anderen deutschen Städten und Gemeinden gemein. Gleichzeitig unterscheidet sie sich aber wiederum von Städten wie Freital oder Hamburg-Blankenese, wo Geflohenen Hass entgegenschlägt.

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Dreamland Deutschland? Das erste Jahr nach der Flucht.

Weißenburg
Buchhandlung Meyer,
Rosenstraße 11,
91781 Weißenburg

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