Die Wurzel alles Guten

Die Wurzel alles Guten

Miika Nousiainen

"Es schrie danach, eingelesen zu werden. Zum Glück schrie es nach mir." Christoph Maria Herbst zu "Die Wurzel alles Guten" – ein origineller Roman aus Finnland

Schon bei der Anmeldung ist es Pekka Kirnuvaara aufgefallen: Sein neuer Zahnarzt trägt denselben ungewöhnlichen Nachnamen wie er. Und dann hat er praktisch die gleiche Nase. Auf Pekkas bohrende Fragen nach Herkunft und Familie antwortet Esko seinerseits mit unablässigem Bohren. Erst kurz vor Ende der Behandlung gibt er endlich zu, dass sie Halbbrüder sein müssen – und willigt ein, mit Pekka nach dem gemeinsamen Vater zu suchen. Auf ihrer Reise finden sie weitere Halbgeschwister; ihr Erzeuger hat eine Spur von Nachkommen durch die halbe Welt gelegt. Eine originelle Komödie aus Finnland über Herkunft, Identität und Vorurteile – und dazu die schönste Geschwistergeschichte südlich des Polarkreises.


Über den Autor

Miika Nousiainen

Miika Nousiainen

Miika Nousiainen, 1973 in Jyväskylä, Finnland geboren, ist Schriftsteller, TV-Journalist und Drehbuchautor. Die Wurzel alles Guten (im Original Juurihoito) ist sein vierter Roman und der erste, der auf Deutsch übersetzt wird.

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"Ich dachte, ein Buch, das berührt und belustigt, das spannend ist, ohne ein Krimi zu sein, und unterhaltsam, ohne sich anzubiedern, gebe es nicht. Hier ist es. Es schrie danach, eingelesen zu werden. Zum Glück schrie es nach mir." Christoph Maria Herbst

"Schräger Humor, gute Geschichte, Happy-End. Nur selten amüsiert man sich so köstlich beim Lesen und lernt gleichzeitig etwas über Zahnhygiene und Volksgesundheit wie hier." Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur "Neue Bücher", 29.08.17

"Der finnische Schriftsteller, 44-jährig, TV-Journalist und Drehbuchautor, legt mit seinem vierten Roman eine wunderbar schräge, spannende und hoffnungsvolle Familienkomödie vor, die Grenzen überwindet und immer wieder ganz famose Figuren auftauchen lässt. Ein tolles Buch" Heinz Storrer, Schweizer Familie, 10.08.17

5 Fragen an …

Miika Nousiainen

Stimmt das Gerücht, dass Sie die Idee zu Ihrem Roman bekamen, als Sie auf einem Zahnarztstuhl lagen, das Gesicht des Zahnarztes über sich anstarrten und versuchten, die Angst vor Schmerzen zu ignorieren?

Zumindest teilweise. Im Alter von siebzehn Jahren habe ich mir bei einem Unfall mit dem Fahrrad vier Vorderzähne abgebrochen. In der Folge musste ich Hunderte von Stunden im Zahnarztstuhl verbringen. Und ich hasse es heute noch jedes Mal. Aber ich habe währenddessen auch zu verstehen versucht, warum jemand einen Beruf wie den des Zahnarztes ergreift. Ich meine, man verursacht Schmerzen bei unschuldigen Menschen! Und ein Zahnarztstuhl ist ein sehr guter Ausgangspunkt für einen Roman; die Figur ist eingesperrt, sie kann erst mal nicht entfliehen. Im Fall meines Buches sind es zwei Brüder, der eine kommt nicht zu Wort, weil es ihm schwerfällt zu reden, der andere nicht, weil er den Mund voller Dentalwerkzeug hat.

Wie oft benutzen Sie, ganz ehrlich, selber Zahnseide?

Fast nie. Auch wenn mir natürlich klar ist, dass ich es täglich tun sollte.

Pekka und sein Bruder finden auf ihrer Reise mehr und mehr Verwandte. Am Ende ist es eine internationale Familie, die komplett vom selben Vater abstammt. Aber ist das auch als Modell zu verstehen? Könnten sie sich auch ohne genetische Verwandtschaft so nahestehen? Ist das im Grunde die Botschaft des Romans: Über familiäre Bande lässt sich erkennen, dass man mit vielen Menschen eine fast familienartig enge Bindung hat?

Ich bin mir nicht sicher. Für gewöhnlich schreibe ich über etwas, das ich für wichtig halte und von dem ich hoffe, dass es einen Sinn ergibt oder dass ein wichtiges Thema drinsteckt. Zumindest versuche ich zu erzählen, dass jeder jemanden braucht, dem er zugeneigt ist und um den er sich sorgen kann. Ein Schlüsselerlebnis für dieses Buch hatte ich in Thailand. Ich war auf einem Spielplatz mit meinem Sohn und begann mich mit einem chinesischen Vater zu unterhalten. Er fragte mich, ob ich noch mehr Kinder hätte. Ich verneinte, und er fragte, ob wir in Finnland nur ein Kind haben dürften. Das hat mich geschockt, obwohl ich von der Einkindpolitik in China wusste. Ich habe zwei Brüder, und mir wurde bewusst, dass die Regierung dort den Menschen einfach das Recht genommen hat, Geschwister zu haben, Schwestern, Brüder, Tanten, Onkel und so weiter.

Einer der sehr überzeugenden Stränge im Roman beginnt ziemlich am Anfang mit der ersten Schwester: Sie spiegelt die Hoffnung und die Schwierigkeiten des Zusammenlebens verschiedener Kulturen in einem Sozialstaat wider. Zeigt sie auf, wie einfach es eigentlich sein kann – oder ist sie vielmehr ein Beispiel dafür, dass Pragmatismus und Realismus die einzigen Mittel sind, um mit der Angst und den Vorurteilen gegenüber Immigranten umzugehen?

Die schwedische Schwester habe ich entwickelt, weil ich eine Figur wollte, die Rassist zu sein scheint, aber im Grunde eine herzliche und tolerante Person ist. Hier in Helsinki lebe ich in dem Viertel Kallio. Es wird auch die „rot-grüne Blase“ genannt. Das soll bedeuten, dass wir sehr tolerante Bewohner sind. Zumindest, solange alle unsere Ansichten teilen. Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass wir vielleicht doch nicht so tolerant sind.

Sind Sie zu all den Orten hingereist, die die Brüder aufsuchen – und falls ja, war die Reiseroute im Buch dann nicht vielmehr eine Ausrede dafür, dort überall hinreisen zu dürfen?

Tatsächlich bin ich an all diese Orte gereist. Und natürlich war es eine Ausrede. Aber ich hatte auch ein paar handfeste Gründe: Die Familie meiner Mutter ist in den frühen Sechzigern nach Australien ausgewandert, und ich habe über diese Seite viele Storys gehört. Mein Onkel hatte eine Aborigine zur Frau, und ich wollte seine Geschichte integrieren. Thailand habe ich gewählt wegen eines Vorfalls vor etwa zehn Jahren. Wir sind oft auf eine kleine Insel im Süden Thailands in die Ferien gefahren. Ein Kellner erzählte mir, dass er seit drei Jahren dort arbeite und jetzt so weit sei, sich seinen Lebenstraum zu erfüllen: Er würde seine Mutter aufs Festland bringen und mit seinem Ersparten dort ihre Zähne richten lassen. Das war berührend und hat mich auch beschämt. Wir hatten immer gratis Zahnpflege in Finnland, und uns ist überhaupt nicht bewusst, was das für ein Geschenk ist. Wir versuchen diesem Angebot aus dem Weg zu gehen, und irgendwo leben Menschen, die können sich nichts Schöneres vorstellen. Schweden ist ebenfalls ein wichtiger Ort für mich. Mein erster Roman handelt von einem Finnen, der Schwede sein will. Also habe ich die Reise in der Heimatstadt meiner Mutter begonnen, in Lieksa, und habe drei Länder auf drei Kontinenten besucht. Und dabei habe ich festgestellt, dass die Menschen überall ziemlich ähnlich sind. Überall stellen wir die Frage: Wer war als Erster hier? Dabei sollten wir vielmehr fragen: Was können wir gemeinsam erreichen?

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