Extended Leseprobe zu "Verbrechen ist Vertrauenssache"

Richard Stark
Verbrechen ist Vertrauenssache
Roman
übersetzt von Dirk van Gusteren
eISBN: 978-3-552-05558-2

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Paul Zsolnay Verlag, Wien

Eins
Als der Engel die Tür öffnete, trat Parker als erster in die Dunkelheit des Korridors unter der Bühne. Ein Kirchenlied drang disharmonisch durch die Mauern aus rauhen Hohlblocksteinen – ein Klangbrei aus Tausenden von Stimmen. Der Engel sagte: »Ich bin mir nicht sicher …«
»Wir schon«, sagte Parker. Er hielt die feuersichere Tür mit der gespreizten Hand auf und nickte Mackey und Liss zu, die mit ihren Seesäcken rasch an ihm vorbeischlüpften. Parker schloss die Stahltür und zog den Hebel hoch, um sie zu verriegeln, während Liss seinen Seesack mit einem gedämpften metallischen Klirren abstellte und die Schnur löste, mit der er zugebunden war. Mackeys Seesack war vollgestopft mit noch mehr Seesäcken und blieb vorerst auf seiner Schulter. Liss schob das grobe Segeltuch des Sacks so weit hinunter, dass die matt glänzenden Läufe zu sehen waren, zog die drei Schrotflinten hervor, reichte zwei davon an Parker und Mackey weiter und warf sich den leeren Sack über die Schulter.
Blinzelnd sah der Engel ihnen zu. In seinem schweren weißen Gewand und mit den auf den Rücken geschnallten Schwingen aus echten Federn war ihm sicher selbst in der klimatisierten Arena sehr warm; er schwitzte, so dass die weiße Schminke auf seinem Gesicht zerlief und er aussah wie einer, der schon lange tot war. Unter dem Kostüm, der Schminke und dem Schweiß war ihm die Angst anzumerken, und auch die Augen mit den winzigen Pupillen blickten ängstlich. »Es sind zu viele Wachen«, sagte er. Seine Stimme klang dünn, denn er strengte sich an, leise und gedämpft zu sprechen. »Zuviel los. Wir machen’s ein andermal. Wenn die Gelegenheit günstiger ist.«
»Wir ziehen das jetzt durch, Tom«, sagte Liss. »Du bist bloß nervös.« Er, Parker und Mackey hatten Patronen aus ihren Hemdtaschen gezogen, die Flinten aufgeklappt und luden sie.
»Aber ich will es nicht jetzt machen!« Die Stimme des Engels wurde immer schriller und hallte, vermischt mit dem fernen Gesang, von den Wänden des Korridors wider. »Die werden uns schnappen!«
Dieser Amateur, ihr Insider, war Liss’ Kontaktmann – sollte der sich um ihn kümmern. Parker sah, dass Liss’ Backenmuskeln auf der linken, gesunden Seite seines Gesichts arbeiteten. Liss gefiel es nicht, dass dieser Typ vor versammelter Mannschaft Schwierigkeiten machte. »Mach dir keine Sorgen, okay?« sagte er. »Zeig uns den Weg.«
Doch der Engel rührte sich nicht von der Stelle. Er blinzelte sich den Schweiß aus den Augen und rang die Hände, so dass sich die schlaffen Flügel auf seinem Rücken bewegten. »Wir können’s nicht machen«, sagte er. »Ich hab’s jemand erzählt.«
Es wurde ganz still. Sie sahen den Engel an – sein Name war Tom Carmody. Liss sagte: »Einer Frau?«
Der Engel machte ein verlegenes Gesicht. »Ja. Ich dachte, es wäre in Ordnung, aber –«
»Aber was?«
»Sie ist weg. Sie ist nicht zu Hause. Sie ist nicht in der Arbeit. Keiner weiß, wo sie ist.«
»Gehört sie auch zu diesem Verein?« fragte Parker. »Deinem Verein?«
»Nein, sie ist Lehrerin in einer Sonderschule. Die wissen auch nicht, wo sie ist.«
Mackey lehnte seinen Seesack an die Wand. »Wohnt ihr zusammen?« fragte er.
»Nein, eigentlich nicht. Sie hat ihre eigene Wohnung.« Dem Engel war jämmerlich zumute – er hatte Angst, er schämte sich, er war unglücklich. Außerdem war er ein Arschloch. Er sagte: »Ich weiß nicht, was sie vorhat.«
»Tom?« sagte Liss. »Habt ihr euch gestritten? Ist sie sauer auf dich? Geht sie vielleicht zu den Bullen?«
»Nein, nein, auf keinen Fall. Sie ist einfach verschwunden. Ich weiß nicht, warum.«
Liss sah seine Partner an. Er hatte sie mit ins Boot geholt, und jetzt musste eine Entscheidung getroffen werden. »Was meint ihr?«
»Wieviel hat er ihr erzählt?« sagte Parker. »Alles –«
»Nur ein bisschen!« rief der Engel.
Parker sah ihn an. »Halt’s Maul.« Zu den anderen gewandt, fuhr er fort: »Alles, was sie wissen wollte. Sie weiß also, wie wir reinkommen, sie hat eine ungefähre Vorstellung davon, was dadrinnen abläuft, aber sie weiß nicht, wie wir verschwinden. Wir sind jetzt da – wenn’s Schwierigkeiten gibt, sind wir schon mittendrin.«
»Stimmt«, sagte Mackey. »Hat keinen Zweck, die Sache jetzt abzublasen.«
Liss drehte sich zu Carmody um und winkte mit der Flinte. »Zeig uns den Weg.«
»Bitte.« Carmody breitete die Hände aus, als wäre er ein Engel auf einem Grabmal. »Bitte lasst uns umkehren, es ist ein Fehler, es wäre besser, dieses verfluchte Geld zu verbrennen, als –«
Parker schloss die linke Hand um Carmodys rechten Daumen und bog ihn ganz leicht nach hinten. Carmodys Gesicht wurde beinahe so bleich wie die verschmierte Schminke. Er ging leicht in die Knie, und sein Mund öffnete sich zu einem großen O. »Halt’s Maul«, sagte Parker. »Was du zu sagen hattest, hast du gesagt. Jetzt zeig uns den Weg zum Geldraum.«
Carmody wollte etwas erwidern, doch Parker bog den Daumen ein wenig fester, und aus dem Mund des Engels kam nur ein zartes Wimmern. Gehorsam und mit großen Augen drehte er sich um, schlurfte in seinen Sandalen auf dem Betonboden, und dann gingen alle zusammen durch den in einem leichten Bogen verlaufenden Korridor; er wurde beleuchtet von Neonröhren, die in größeren Abständen an der Decke montiert waren. Es sah aus, als gingen Parker und der Engel Hand in Hand, flankiert von den anderen beiden – drei große, grobknochige, dunkelgekleidete Männer mit Gewehren hatten einen leicht ramponierten Engel in die Mitte genommen, der unter den nutzlosen Flügeln die Schultern hängen ließ.
Der Gesang wurde lauter, aggressiver, als wollte man die Welt vom Übel befreien, indem man es anschrie. Nach links zweigte ein Gang ab, und da blieben sie stehen.
Der Gang war dunkel und niedrig wie ein Tunnel und am Ende mit einem Drahtgitter versperrt. Jenseits des Gitters tauchte das Flutlicht die Arena in gleißendes Weiß, so dass man von da, wo Parker und die anderen standen, nicht genau erkennen konnte, was sich dort draußen auf dem Kunstrasen eigentlich abspielte. Da war eine Masse von Menschen, die ihnen den Rücken zuwandte, eine Masse, die hin und her wogte, so dass das Licht mal mehr, mal weniger stark reflektiert wurde. Das harte Weiß überstrahlte die Farben und machte die Schatten schwärzer als schwarz. Abgesehen vom brausenden Chor des Kirchenliedes, hätte das dadrinnen alles mögliche sein können: eine politische Kundgebung, ein Demolition Derby, ein Footballspiel. Das alles hatte hier schon stattgefunden, doch heute abend hieß die Attraktion, die zwanzigtausend Menschen in diese überdachte Arena im Herzen Amerikas gebracht hatte, William Archibald und sein Kreuzzug für Christus.
Der Gesang verstummte. Man hörte das Scharren vieler Füße, als die Leute sich auf ihren Plätzen zurechtsetzten, und dann erklang Archibalds vielfach verstärkte sonore Stimme von überall her, als spräche sie aus einer Wolke zu ihnen. »Brüder! Schwestern! Mitmenschen!«
»Komm«, sagte Parker und zog leicht an Carmodys Daumen.
Carmodys Widerstand war gänzlich erloschen. Gefolgt von den beiden anderen, schlurfte er neben Parker dahin und schüttelte langsam den Kopf. »Ich hasse diesen Schweinehund«, murmelte er, doch es klang erschöpft und ohne Leidenschaft. »Ich hasse seine lügnerische Stimme. Ich hasse alles, was er tut. Ich sollte das Geld verbrennen und ihn gleich mit. Ihn auf dem Scheiterhaufen seines schmutzigen Geldes verbrennen.«
Parker packte Carmodys Daumen ein wenig fester, gerade genug, um ihn wieder auf die Erde zu holen. »Wo ist der Geld-raum?«
»Geradeaus.« In Carmodys Stimme lagen Schmerz und Überraschung. Er hatte nicht gewusst, dass er eine Strafe verdiente. »Einfach geradeaus.«
»Konzentrier dich auf das, was wir tun.«
Sie setzten ihren Weg durch den Korridor fort, der weiter im Bogen verlief, vor ihnen auftauchte und hinter ihnen verschwand, bis sie an eine braune Stahltür auf der Innenseite des Bogens kamen, auf der KEIN ZUTRITT stand. Parker ließ den Daumen des Engels los, und Carmody schloss sogleich die andere Hand darum – es sah aus, als würden zwei kleine Tiere einander trösten. »Los«, sagte Parker und stupste ihn mit dem Lauf der Flinte in die Seite. Das bläulich schimmernde Metall stocherte in den weißen Falten des Gewandes.
Die drei Männer stellten sich in den Schatten rechts und links der Tür. Carmody stolperte einen Schritt voran, ließ zögernd den schmerzenden Daumen los und drückte auf den Knopf neben der Tür. Blinzelnd stand er da und glich im grellen Licht der Neonröhre über seinem Kopf eher einem Clown als einem Engel. Aus dem Gitter unter dem Klingelknopf ertönte eine rauhe Stimme. »Ja?«
»Hallo, Harry, ich bin’s, Tom Carmody.« Die Stimme des Engels klang beinahe normal; sie zitterte fast gar nicht.
»Hallo, Tom«, sagte die Stimme. »Komm rein.« Von der Tür her kam ein summendes Geräusch.
Carmody drückte mit der Hand, die nicht weh tat, gegen die Tür. Sie ging mit einem Klicken nach innen auf und gab den Blick frei auf den Gang, der zum Geldraum unter der Tribüne führte. Er hielt sie auf, sah Parker an und fragte: »Okay?«
Mackey trat vor und hielt die Tür fest. »Hast du gut gemacht«, sagte Parker und verpasste dem Engel einen Schlag mit dem Gewehrkolben.

Zwei
Es fing mit einem Anruf an. Parker hörte das Läuten nicht, denn er war auf dem See, im Boot, die Ruder hochgeklappt. Er tat nichts, er spürte nur den Puls der Wellen an den Planken des Bootes. Es war Anfang Mai, das Wasser dieses Sees im Norden von New Jersey war noch zu kalt zum Schwimmen, und die meisten Ferienhäuser am Ufer waren verschlossen und warteten darauf, dass ihre Besitzer aus der Stadt herkamen, wenn Luft und Wasser etwas wärmer waren. Parker und Claire gehörten zu den wenigen, die das ganze Jahr über hier wohnten. Claire nahm Anteil am Leben der Gemeinde, während Parker sich mehr zurückhielt – er war jemand, dessen Beruf von Zeit zu Zeit längere Reisen erforderte, es ihm aber auch erlaubte, ganze Wochen zu Hause zu verbringen. Claire war diejenige, die das Haus in Schuss hielt, und sie hieß Claire Willis, weil Parker vor langer Zeit, bevor sie sich kennengelernt hatten, Charles Willis geheißen hatte. Ihr gefiel der Gedanke, dass sie damit zurückgriffen auf eine Welt, in der sie einander noch nicht gekannt hatten, dass sie eine Verbindung herstellten, eine Wurzel in der Vergangenheit hatten.
Eine Bewegung. Er reagierte immer auch noch auf die kleinste Bewegung in seinem Gesichtsfeld. Jetzt rührte sich etwas halb hinter ihm, und als er den Kopf wandte, sah er Claire, die winkend auf dem Steg stand. Hinter ihr erstreckte sich der Rasen bis zum dunklen Haus. Er winkte ebenfalls und ruderte zurück, und als er aus dem Boot stieg, sagte sie: »Ein Mann hat angerufen. Von einer Telefonzelle. Er hat gesagt, er ruft in zehn Minuten noch mal an.« Sie sah auf die zierliche Uhr an ihrem zierlichen Handgelenk und korrigierte sich: »In sechs Minuten.«
»Hat er gesagt, wie er heißt?«
»George Liss.«
Parker runzelte die Stirn und band das Boot an einem Pfahl fest, und als sie zum Haus gingen, umschloss sie sein Handgelenk mit ihren kühlen Fingern. »Es klang, als würdet ihr euch kennen.«
»Bis zu einem gewissen Grad«, sagte Parker.
Parker und George Liss hatten noch nie zusammengearbeitet. Zweimal wäre es beinahe dazu gekommen, bei Sachen, die ein anderer geplant hatte und aus denen dann nichts geworden war. Zu George Liss hatte er eigentlich keine Meinung, außer dass er, wenn es hart auf hart ging, nicht auf ihn zählen wollen würde.
Die finanzielle Situation war im Augenblick nicht perfekt, aber in Ordnung. Er hatte hier und da Bargelddepots angelegt und konnte es sich leisten, auf etwas Verheißungsvolles zu warten. Selbst in einer Welt der elektronischen Transfers, der Kreditkarten und des im Cyberspace schwebenden Geldes gab es da draußen noch echte Beute zu machen.
Als das Telefon erneut läutete, stand Parker in dem Wintergarten mit Blick auf den Rasen, das Bootshaus und den See. Der Himmel war bedeckt; es sah kälter aus, als es tatsächlich war. Parker nahm den Hörer nach dem dritten Läuten ab und sagte: »George?«
»Ich hab was.« Er nuschelte ein wenig, und seine Stimme klang leicht belegt.
Parker wartete. Liss konnte alles mögliche haben, unter anderem das Bedürfnis, jemanden ans Messer zu liefern, um sich Straffreiheit zu erkaufen.
»Anders als sonst, aber lohnend«, sagte Liss.
Immer war jeder Job anders, und immer war der Job lohnend, sonst würde man ihn ja nicht machen. Parker wartete.
»Bist du noch da?« fragte Liss.
»Ja.«
»Wir könnten uns irgendwo treffen und die Sache besprechen.«
»Vielleicht.«
»Du willst wissen, wer sonst noch dabei ist.« Wieder wartete Liss darauf, dass Parker etwas sagte, aber wieder sagte Parker nichts, und so fügte Liss schließlich hinzu: »Ed Mackey.«
Das war etwas anderes. Ed Mackey war jemand, den Parker kannte und mit dem er gearbeitet hatte. Ed Mackey war in Ordnung. »Wer noch?« sagte Parker.
»Drei reichen.«
Um so besser. Je weniger Beteiligte, desto weniger Komplikationen und desto mehr Profit. »Wo und wann?« fragte Parker.
Das erstemal trafen sie sich auf dem Parkplatz eines Hummerrestaurants an der Route 1, ein kleines Stück südlich von Auburn, Maine, wo ein paar Mietwagen vom Flughafen Logan bei Boston nicht weiter auffallen würden. Parker stieg aus seinem Impala und ging im Zickzack zwischen den anderen Wagen hindurch zu dem Century Regal mit dem vierschrötigen, wie immer schweigsamen Ed Mackey am Steuer. Seine Freundin Brenda war auf dem Beifahrersitz, und hinten saß George Liss. Parker setzte sich neben Liss, einen großen, schlanken, schwarzhaarigen Mann mit langem Kinn, der ihm zunickte, mit der Seite des Mundes, wo Nerven und Muskeln noch funktionierten, lächelte und sagte: »Guten Flug gehabt?«
Diese Frage tat nichts zur Sache. »Erzähl uns davon«, sagte Parker.
»Es geht um ein Stadion«, sagte Ed Mackey und drehte sich halb um, so dass seine Knie auf Brenda zeigten, als er Parker ansah. »Der übliche Sicherheitsdienst. Zwanzigtausend Leute.«
Parker schüttelte den Kopf. »Das einzige, was man da kriegt«, sagte er, »sind Kreditkartenquittungen.«
»Hier nicht«, sagte Liss, und jetzt lächelte die linke Seite seines Gesichts breiter. In einem Gefängnis in Wyoming hatte ihm einer vor elf Jahren mit einem spitzgefeilten Löffelgriff die rechte Gesichtshälfte aufgeschlitzt. Ein plastischer Chirurg hatte die Narben verschwinden lassen, doch die Muskeln und Nerven konnte niemand wiederherstellen. Im Umgang mit Normalbürgern achtete Liss darauf, sich immer ein wenig abzuwenden und möglichst nur die Seite zu zeigen, die funktionierte, aber unter Kollegen machte er sich diese Mühe nicht. Mit dem leichten Nuscheln, das seiner Stimme immer diesen eigenartigen Klang verlieh, sagte er: »Diesmal nur Bargeld, am Eingang bezahlt.«
»Sie nennen das Liebesgaben«, sagte Mackey, ohne die Miene zu verziehen.
Parker versuchte, in seinem Gesicht zu lesen. »Liebesgaben? Was für ein Stadion ist das denn?«
»Ein ganz normales Stadion«, erklärte Liss. »Aber die Hauptattraktion ist ein Typ namens William Archibald. Ein Fernsehprediger, du weißt schon. Einer von diesen Erweckungstypen.«
»Ich dachte, die wären alle im Knast«, sagte Parker.
»Nein, die Wälder sind voll davon«, sagte Liss, und Mackey fügte hinzu: »Hauptsächlich die Hinterwälder.«
»Und er predigt also in diesem Stadion?« fragte Parker.
»Und dreht einen Film darüber«, sagte Mackey, »den er dann später im Fernsehen zeigt.«
»Und alle, die hingehen«, sagte Liss und fuchtelte mit den Händen, »legen eine Zwanzig-Dollar-Liebesgabe hin, jeder einzelne, ausnahmslos. Zwanzigtausend Leute.«
Brenda machte zum erstenmal den Mund auf. »Vierhunderttausend Dollar«, sagte sie mit ihrer rauchigen Stimme und betonte jede Silbe.
»Brenda erledigt für mich das Kopfrechnen«, sagte Mackey.
»Außerdem«, sagte Liss, »stehen da diese Tonnen vor der Bühne, und wenn man ganz beseelt ist vom Heiligen Geist und dem Reverend helfen will, die Frohe Botschaft im Fernsehen zu verbreiten, geht man hin und schmeißt sein Geld in eins von den Fässern.«
»Und das wird dann gefilmt«, sagte Mackey, »und auf der großen Leinwand hinter dem Prediger gezeigt. Ich hab’s gesehen, Parker, es ist wie Hypnose. Diese Leute stehen darauf, sich auf dieser Riesenleinwand zu sehen, wie sie zu dem Fass gehen und ihr Geld reinwerfen. Und einen Monat später sitzen sie zu Hause vor dem Fernseher und sehen es sich noch mal an. Um den Augenblick zweimal zu erleben. Den Tag, an dem sie die Miete dem lieben Gott gegeben haben.«
»Wir schätzen, dass das die Beute verdoppelt«, sagte Liss.
Brenda wollte etwas sagen, doch Mackey zeigte auf sie und sagte: »Brenda, das kriegt er hin.«
»Bei so viel Bargeld wird’s mehr als den üblichen Sicherheitsdienst geben«, sagte Parker.
»Ja«, sagte Liss. »Und Archibald hat seine eigenen Leute. Aber wir kriegen Hilfe von drinnen. Dadurch ist das Ganze überhaupt erst ins Rollen gekommen.«
»Keiner von uns«, sagte Parker.
»Nein, ganz und gar nicht«, sagte Mackey.
»Er arbeitet für den Prediger«, sagte Liss. »Und jetzt ist er sauer auf ihn.«
»Ist er gierig? Will er ein größeres Stück vom Kuchen?«
»Ganz im Gegenteil«, sagte Liss, und sein halbes Gesicht lachte. »Tom hat zum wahren Glauben gefunden.«
»Erzähl’s mir einfach«, sagte Parker.
Mackey klopfte auf den oberen Rand der Rückenlehne, als wollte er ein Pferd beruhigen. »Es ist eine gute Geschichte, Parker«, sagte er. »Wart ab, bis du sie gehört hast.«
Jeder musste seine Geschichte auf seine Art erzählen, mit allen Einzelheiten, die nichts zur Sache taten. »Na dann«, sagte Parker, lehnte sich zurück und wartete.
»Als sie mich das letztemal rausgelassen haben«, sagte Liss, »hatte ich noch neunundzwanzig Monate auf Bewährung. Es war leichter, einfach rumzuhängen und es durchzuziehen, als für den Rest meines Lebens vor einem Haftbefehl davonzurennen. Eine von den Nummern, die dieser Archibald laufen hat, geht so: Seine Leute melden sich freiwillig, um Exknackis zu beraten. Das ist alles ein großer Beschiss, und jeder weiß es – es geht bloß darum, neue Idioten zu finden und Steuern zu sparen.«
»Wenn er so viel Bargeld kassiert«, sagte Parker, »braucht er sich um die Steuern sowieso nicht viel Sorgen zu machen.«
»Ja, klar. Aber William Archibald ist einer von denen, die immer durstiger werden, je mehr man ihnen zu trinken gibt. Die haben mir also diesen Tom Carmody zugeteilt, der kam einmal die Woche da vorbei, wo ich gewohnt hab. Und wenn er dann sein Formular ausgefüllt hat, hieß das, dass ich nicht zu meinem Bewährungshelfer gehen musste, und alle waren zufrieden. Nach den ersten paar Wochen haben wir dann aufgehört, uns was vorzumachen, und uns nur noch im Fernsehen Basketballspiele oder so angesehen oder in der Kneipe um die Ecke ein paar Bier getrunken. Ich meine, er wusste, was ich war, und hatte kein Problem damit, und ich wusste, was für ein Trottel er war, und damit hatte sich’s. Nur manchmal musste er mit auf einen von diesen Kreuzzügen –«
»Kreuzzüge?« sagte Parker.
»So nennen sie das, wenn Archibald mit seinem Zirkus auf Tournee geht«, erklärte Liss. »Er mietet eine Halle, ein Kino, ein Stadion, irgendwas Großes, zieht drei-, viermal seine Nummer ab, nimmt ein paar Millionen ein und fährt wieder nach Hause. Tom war einer von denen, die er mitgenommen hat, und darum kriegte ich in dieser Zeit eine Vertretung, einen übereifrigen Jungspund aus der Zentrale, und musste dann unheimlich ernst und strebsam und rehabilitiert sein und unentwegt Jesus danken. Wenn Tom wieder da war, haben wir darüber gelacht. Aber im letzten halben Jahr wurde das anders – zwei Jahre lang waren wir ganz entspannt, aber auf einmal, im letzten halben Jahr, fing er an, ganz andere Töne zu spucken. Nicht dass er versucht hätte, mich auf den rechten Weg zu führen. Nein, er hat sich über Archibald aufgeregt.«
Wieder sagte Brenda etwas, diesmal ganz trocken. »Er hat bemerkt, dass Mr. Archibald es nicht ernst meint.«
»Es ging um das Geld«, sagte Liss. »Darum, dass Archibald all dieses schöne Geld einsackt und nichts Gutes damit tut. Ich weiß nicht, Parker, es war nicht der Beschiss, über den Tom sich aufgeregt hat, bis heute nicht, sondern das, was mit dem Geld passiert, nachdem Archibald abkassiert hat. Er redete immer davon, wieviel Gutes man damit tun könnte – du weißt schon: Essen für die Obdachlosen, Wohnungen für die Hungrigen und so weiter, und irgendwann hat er mich dann gefragt, ob ich nicht eine Idee hätte, wie er sich einen Teil davon unter den Nagel reißen könnte. Nicht für sich selbst, wohlgemerkt, sondern um Gutes damit zu tun.«
»Es war seine Idee?« fragte Parker.
»Absolut. Der Typ ist ein Zivilist, ich kenne ihn erst seit zwei Jahren, er arbeitet mit der Bewährungshilfe zusammen. Werde ich zu so einem sagen: ›He, Tom, lass uns ein Ding drehen?‹ Auf keinen Fall.«
»Aber du warst interessiert.«
Liss schüttelte den Kopf. »Anfangs nicht. Eins der wenigen großen Wörter, die ich kenne, ist Provokation. Also hab ich zuerst bloß genickt und gesagt: ›Ja, das ist echt scheiße‹ und so weiter. Und als er schließlich damit rausgerückt hat – ›He, George, lass uns das zusammen machen, du mit deinem Fachwissen und ich mit meinen Insiderinformationen‹ –, hab ich nein gesagt. Ich hab gesagt: ›Ich mach so was nicht mehr. Nicht dass ich ein guter Mensch geworden wäre, aber ich will einfach nicht wieder in den Knast.‹ Was übrigens beinahe die Wahrheit war.«
Parker nickte. Für viele Menschen war das beinahe immer beinahe die Wahrheit.
»Außerdem«, fuhr Liss fort, »habe ich ihm gesagt, dass es mir ziemlich egal ist, wo irgendwelches Geld landet, solange es nicht bei mir landet, und dass es mir völlig egal ist, ob dieses Geld Archibald oder andere Leute fett macht, und er hat gesagt, dass er das versteht. Dass ich diese Sache eher geschäftlich sehe. Also hat er vorgeschlagen, dass wir halbe-halbe machen: Ich stecke meinen Anteil ein, und er verteilt seinen an die Armen.«
»An uns Arme«, sagte Mackey.
Parker wusste, was Mackey meinte. Er sah ihn an und sagte: »Wenn.«
»Natürlich.«
Liss erzählte weiter. »Schließlich sagte ich, ich würde ihn an jemand weiterreichen, der noch aktiv ist, aber er sagte, nein, er würde keinem anderen trauen. Da dachte ich dann, ich könnte das Risiko eingehen. Wenn er jemand hätte schnappen wollen, wär’s ihm ja egal gewesen, wen er da schnappt, oder? Er hätte sich an irgendeinen anderen weiterreichen lassen und sein Spiel abgezogen. Aber da er das nicht wollte, stimmte seine Geschichte wohl. Da fingen wir dann ernsthaft an zu reden. Er erzählte mir die Einzelheiten, und ich sah, wie man es machen könnte. Und jetzt sind wir soweit.«
»Und der Plan ist, dass der Insider die eine Hälfte kriegt und wir uns die andere teilen«, sagte Parker. »Ganz gleich, wie viele wir sind.«
»Das ist der Plan.«
»Denkt er das?« Parker schüttelte den Kopf, nicht zufrieden mit seiner Frage, und formulierte sie neu. »Ich meine: Glaubt er das wirklich?«
»Dass er seine Hälfte kriegt?« Liss lächelte sein schiefes Lächeln. »Das ist die große Frage, nicht? Seit er sich so verändert hat, ist er ziemlich schwer zu durchschauen. Früher war er ein ganz lockerer Bursche, aber jetzt ist er immer so angespannt. Entspannte Leute kann man nicht so leicht reinlegen, aber aus angespannten wird man nicht so leicht schlau.«
»Außerdem«, sagte Mackey, »was soll er schon tun, wenn er’s nicht glaubt? Wir sind diejenigen, die das Geld raustragen, nicht er. Will er’s uns dann wieder wegnehmen? Wohl kaum.«
Parker ignorierte den Einwand. Zu Liss sagte er: »Mit wie vielen anderen, die auf Bewährung draußen sind, trinkt er Bier?«
Liss runzelte halb die Stirn. An sein Gesicht musste man sich erst gewöhnen. Er sagte: »Du meinst, er stellt eine zweite Truppe zusammen, die uns das Geld abnimmt? Aber wieso sollte er, Parker? Wenn er Angst hat, dass wir ihn übers Ohr hauen, was ist dann mit der zweiten Truppe? Braucht er für die dann noch eine dritte?«
»Ich glaube«, sagte Mackey, »der Typ ist auf seine eigene Geschichte reingefallen. Er fällt nicht auf uns rein, sondern auf sich selbst.«
»Hast du diesen Wunderknaben schon kennengelernt?« fragte Parker ihn.
»Noch nicht.«
»Aber das lässt sich arrangieren«, sagte Liss. »Das einfachste von der Welt. Ich rufe ihn heute abend an und sage ihm, wir –«
»Nein«, sagte Parker. »Du hast gesagt, er geht mit seinem Prediger auf Kreuzzug. Wann ist der nächste?«
»In ein paar Wochen. Ich dachte, das wäre eine gute Gelegenheit.«
»Nein. Wohin wollen sie gehen? Die ganze Tour.«
Wieder verzog Liss schief das Gesicht. »Keine Ahnung. Aber das kann ich rausfinden.«
»Gut«, sagte Parker. »Irgendwo unterwegs, ohne irgendwelche Pläne oder Absprachen, werden wir kommen und hallo sagen, Mackey und ich.«
»Und Brenda«, sagte Mackey.
Parker sah Brenda an. »Natürlich«, sagte er.

Drei
In einem nicht besonders guten Restaurant in St. Louis mit gelangweilten alten Kellnern und einer altmodischen Einrichtung in Dunkelrot und Braun aßen Parker, Mackey und Brenda zu Abend. Sie ließen sich Zeit. Liss hatte gesagt, er werde seinen Mann zwischen acht und zehn Uhr herbringen, und jetzt war es bereits halb zehn. »Ich muss schon wieder auf die Toilette«, sagte Brenda und schwenkte ihre Kaffeetasse, »dabei weiß ich genau, sobald ich vom Tisch aufstehe, kommen die beiden hereinspaziert.«
»Dann tu es«, sagte Mackey. »Hauptsache, sie kommen dann endlich.«
»Nur dir zuliebe«, sagte sie und entschwand, und eine Minute später trat Liss in Begleitung eines aschblonden, nervös wirkenden Mannes Ende Zwanzig ein, der eine khakifarbene Hose und ein kariertes Hemd trug.
»Siehst du?« sagte Mackey. »Darum hab ich Brenda so gern dabei. Sie hat Zauberkräfte.«
Parker sagte nichts. Er wusste, warum Mackey Brenda so gern dabeihatte – sie war sein Gehirn –, und sein Interesse galt dem Mann, der mit Liss gekommen war. Und denen, die womöglich noch kommen würden.
Doch es kam niemand. Wenn jemand Carmody an der Leine hatte, dann war es eine sehr lange Leine. Es wäre auch nicht möglich gewesen, einen Beobachter vorauszuschicken, denn Liss hatte Tom garantiert nicht gesagt, wohin sie fuhren. »Das da sieht gut aus, Tom. Ich könnte was zu essen vertragen – wie wär’s?«
Und warum sollte irgendein Beschatter draußen warten, wenn der ganze Sinn des Beschattens doch darin bestand, den Beschatteten im Auge zu behalten und zu sehen, wer sonst noch da war und was passierte? Tom wurde also nicht überwacht. Was nicht hieß, dass er kein Lockvogel war, sondern nur, dass sie ihn, falls er einer war, selbständig handeln ließen. Dass er, mit anderen Worten, nicht so wichtig war – noch nicht. Erst wenn er jemanden aufgetan hatte.
Liss setzte sich auf einen Platz, wo er dem tatterigen Kellner die gesunde Seite seines Gesichts zeigen konnte, für das dieser sich jedoch kein bisschen interessierte. Tom Carmody saß gegenüber von Liss. Er wirkte zurückhaltend, gab seine Bestellung leise auf und machte den Eindruck, als hätte er gar keine Lust, etwas zu essen. Dann sah er bedrückt vor sich hin. Liss redete ein, zwei Minuten lang munter auf ihn ein und machte sich dann über die Brötchen im Korb her.
Brenda kehrte an den Tisch zurück, und Mackey sagte: »Dein Zauber hat gewirkt.«
»Das sehe ich.«
Während Mackey dem Kellner winkte, er solle die Rechnung bringen, musterte Brenda den Mann, der da drüben an Liss’ Tisch saß. Mackey wiederholte seine Geste – er machte eine schreibende Bewegung in der Luft – und wandte sich dann wieder zu ihr. »Na, was meinst du?«
»Er wirkt zu trübsinnig.«
»Du sollst ja auch nichts mit ihm anfangen, Schatz.«
»Und du solltest auch nichts mit ihm anfangen«, sagte sie. »Das meine ich ja. Er ist zu trübsinnig.«
Parker hörte zu. Auf der anderen Seite des Gangs bekamen Liss und Carmody den Salat serviert. Liss langte zu, während Carmody die Salatblätter und Tomatenscheiben in der flachen Schüssel hin und her schob.
»Das musst du mir erklären«, sagte Mackey, und Brenda sagte: »Er hat schon aufgegeben. Sieh ihn dir an, Ed. Es ist ihm egal, ob irgendwas Gutes passiert oder nicht. Weißt du, was ein Typ wie der macht, wenn es Schwierigkeiten gibt? Er zieht den Kopf ein.«
»Gut«, sagte Mackey, »dann ist er uns wenigstens nicht im Weg.«
Der Kellner brachte die Rechnung und blieb neben dem Tisch stehen, als Mackey die Brieftasche hervorzog und trotz der zuvor gemachten Geste in bar bezahlte. Währenddessen sagte Brenda zu Parker: »Wie geht’s Claire?«
Im Gegensatz zu Mackey brachte Parker seine Freundin nicht mit zur Arbeit. »Gut«, sagte er.
»Wird sie auch dabeisein?«
»Ich glaube nicht.«
Mackey gab dem Kellner ein kleines Trinkgeld und sagte: »Dann wollen wir uns den Jungen mal aus der Nähe ansehen.«
Parker ließ Ed und Brenda vorausgehen; sie verstanden sich besser auf Umgangsformen, zum Beispiel auf das Heucheln freudiger Überraschung beim Anblick von Liss: »George! Mensch, wie geht’s, alter Freund?«
»Hallo, Ed! Wie geht’s dir? Und Brenda!« Liss erhob sich, schüttelte Ed die Hand, küsste Brenda auf die Wangen und sah Parker aufmerksam, aber ohne ein Zeichen des Wiedererkennens an.
Mackey sagte: »Das ist George Liss. Und das ist Jack Grant, ein alter Freund von uns.«
»Wie geht’s, Jack?« sagte Liss grinsend und streckte Parker die Hand hin.
»Gut«, sagte Parker und schüttelte sie kurz. Die Schauspielerei gehörte nicht zu seinen Stärken.
Liss dagegen war ganz in seinem Element. »Und das ist ein Freund von mir«, verkündete er und wies mit großer Gebärde auf seinen Begleiter. »Tom Carmody. Tom, das sind Ed und Brenda Fawcett und ein Kumpel von ihnen.«
Tom Carmody war gut erzogen worden, und so stand er auf, lächelte Brenda verlegen an und murmelte ein paar Worte. Mackey gab ihm einen festen Händedruck, grinste leutselig und sagte: »Ich bin Verkäufer, aber das haben Sie bestimmt gleich erkannt. Die meisten merken mir das sofort an. Aber bei Ihnen bin ich mir nicht sicher. Sind Sie Lehrer?«
»Eigentlich nicht.« Carmody war es offensichtlich unangenehm, über sich selbst sprechen zu müssen. »Ich habe mit Resozialisierung zu tun.«
Mackey verstand ihn absichtlich falsch, und er machte das gut. Er verzog teilnahmsvoll das Gesicht und sagte: »Oh, tut mir leid. Wovon werden Sie denn resozialisiert?«
»Nein, ich bin … ich …« Carmody errötete verlegen. »Ich arbeite für einen Seelsorger«, brachte er schließlich heraus. »Wir kümmern uns um die Resozialisierung von … Leuten.«
»Na, das ist doch gut«, erwiderte Mackey. »Es gibt eine Menge Menschen, die so was brauchen.« Mit einem breiten Grinsen fuhr er fort: »Und was ist mit dem lieben alten George? Wollen Sie den auch resozialisieren?«
Wieder begann Carmody zu stottern, doch diesmal kam ihm Liss zu Hilfe: »Mich nicht. Ich bin ein hoffnungsloser Fall.«
»Ja, wir gesetzestreuen Bürger sollten uns lieber nicht mit dir sehen lassen, was?« sagte Mackey und knuffte im Spaß gegen Liss’ Arm. »Bis bald mal, George.«
Man verabschiedete sich, Carmody setzte sich deutlich erleichtert wieder auf seinen Stuhl, und Parker, Mackey und Brenda gingen hinaus auf den Parkplatz, wo Mackey einen Lachanfall bekam und sich auf die Kühlerhaube seines Wagens stützen musste. Als er sich wieder gefasst hatte, sagte er: »Das war echt rührend, Parker. Hast du das gemerkt? Wir sollten nicht wissen, dass George auf Bewährung draußen ist. Ich finde das rührend.«
»Er ist ein sehr braver Bürger«, pflichtete Parker ihm bei.
Mackey lehnte sich an den Wagen, wischte sich die Tränen aus den Augen und sagte zu Brenda: »Na, was meinst du? Immer noch zu trübsinnig?«
»Ich glaube, du kannst dich darauf einlassen«, sagte sie. »Wenn alles andere in Ordnung ist. Wenn Parker mitmacht.«
»Ja?« Mackey sah sie interessiert an. »Woher der Meinungswandel?«
»Er ist kein Lügner«, sagte Brenda. »Der Typ stellt einem keine Falle, er betrügt keinen, er legt keinen rein, denn er könnte einem nicht mal die falsche Uhrzeit sagen, ohne dass man’s ihm gleich am Gesicht ansehen würde.«
»Stimmt.« Mackey nickte, dachte darüber nach, grinste und sah Parker an. »Hast du schon mal mit einem zusammengearbeitet, der solche Empfehlungen hatte? Er kann nicht lügen. Parker, unser neuer Kumpel heißt George Washington.«

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