Atemschaukel

Atemschaukel

Herta Müller

Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. "Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15º C." So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. In Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen neuen Roman geformt hat. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu machen.


Über den Autor

Herta Müller

Herta Müller, 1953 in Nitzkydorf/Rumänien geboren, lebt seit 1987 als Schriftstellerin in Berlin. Ihr Werk erscheint bei Hanser. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und ist die Literaturnobelpreisträgerin 2009.

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Herta Müller liest aus "Atemschaukel"

Presse

"Ein überwältigender, ergreifender, demütig machender Roman, die vielleicht nachhaltigste Leseerfahrung dieses Herbstes." Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.09

"Ein sprachliches Kunstwerk, wie es das in diesem Herbst kaum ein zweites Mal geben dürfte. Wer es schafft, Herta Müllers bestürzenden, bedrückenden und - wegen seiner sprachlichen Kraft - beglückenden Roman zu Ende zu lesen, wird dieses Buch nie wieder vergessen." Hajo Steinert, Focus, 10.08.09

"Dass eine so arme Geschichte, dass ein so armes Lebensstück mit so viel Schönheit erzählt wird, ohne jeden Schnörkel, ganz der Wahrhaftigkeit verpflichtet, das macht nicht zuletzt die Größe dieses Romans aus." Jochen Jung, Der Tagesspiegel, 19.08.09

"Ein kühnes Sprachkunstwerk, das seinesgleichen sucht in der europäischen Literatur unserer Zeit." Karl-Markus Gauß, Süddeutsche Zeitung, 20.08.09

"Ein atemberaubendes Meisterwerk." Michael Naumann, Die Zeit, 20.08.09

"Die Lager sind ja eine menschliche Grenzerfahrung, die wir in ihrer Andersartigkeit gern in einem Dachspeicher unseres kollektiven Gedächtnisses verstauben lassen. Müller holt sie aus dieser Verdrängung heraus, gliedert sie mit ihrer Sprachkunst in unsere Kultur ein und macht sie der Trauer zugänglich." Ruth Klüger, Die Welt, 15.08.09

"Das Unsägliche von alltäglicher Angst in diktatorischer Gesellschaft, von Arrest, Folter und Mord auf eigentümliche Weise buchstäblich zur Sprache zu bringen ist die Kunst dieser Autorin." Michael Naumann, Die Zeit, 20.08.09

"Mit seinem dichten Motivnetz schafft der Roman eine Intensität und Präsenz, die ihresgleichen in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur nicht haben. Ein Manifest der Erinnerung und der Sprache, deren komplexes Verhältnis es auf ergreifende Weise bezeugt. Ein Meisterwerk." Michael Lentz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.09"Das macht 'Atemschaukel' so brillant: Müller verknappt die historischen Hintergründe zugunsten der Gedankengebilde. Ein relevanter und sprachlich furioser Roman." Nora Reinhardt, KulturSpiegel, 26.09.09

"Ein politischer Roman von bemerkenswerter psychologischer Subtilität, der den Nullpunkt der Existenz nachvollziehbar macht." Stefana Sabin, Neue Zürcher Zeitung, 27.09.09

"Ihr Werk, dessen Kraft sich aus dem Schrecken speist, ist zugleich reich an Schönheit und für den Leser ein großes Glück. So spricht Erinnerung, wenn sie lebendig ist. Es schnürt einem die Kehle zu und macht Luftsprünge aus Wörtern. Und es ist neben all dem Hunger, dem Elend, dem Sterben im Lager unglaublich viel vom Glück die Rede." Volker Weidermann, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.10.09

"Das eine Werk, das in dieser Saison alle anderen überragt; eine herzzerreißende, demütig und bescheiden machende Lektüre. Wer nicht immun ist gegen Wahrhaftigkeit und Poesie, dem schenkt dieses Buch das Erlebnis großer Literatur; das Zeugnis einer Menschlichkeit, die den Einzelnen transzendiert. Solch tiefe Wirkung lässt sich nicht beabsichtigen oder gar planen; sie ist die Essenz großer Kunst – und ihre Erkenntnis steht jedem zu Gebote. Der Eindruck, den 'Atemschaukel' hinterlässt, ist ein bleibender. Der Nobelpreis für Herta Müller hat das auf triumphale Weise nur bestätigt." Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.09

Kommentare

Werner Toporski, Fohrenweg 15, 88400 Biberach
21.04.2010

Ich wage es, mich der Kritik, die die „Atemschaukel“ hoch gepriesen hat, entgegenzustellen. Diese ist nicht Herta Müllers stärkstes Buch. Ihre Einzigartigkeit liegt doch darin, scheinbar fernliegende Einzelheiten zu verschränken, unseren Blick mit weit gefächerten Assoziationen aufzuweiten, Bilder zu wählen, die uns die Situation, den inneren Zustand einer Person schlagartig verdeutlichen, gerade weil sie uns überraschen. Ich kenne niemanden, der die Komplexität eines inneren Geschehens durch seine Bildsprache so überzeugend darzustellen vermag. Sowohl in ihren Kurzgeschichten als auch in ihren Romanen, insbesondere in „Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet“, bleibt die alles durchdringende Angst in jeder Zeile spürbar, steht sie auch in den scheinbar heiteren Szenen unausgesprochen ständig im Hintergrund. Und es wird die Kraft deutlich, die jede Gegenwehr kostet, gerade weil sie inmitten der Permanenz jener Angst zu geschehen hat. Viel von dem vermisse ich in „Atemschaukel“. Richtig, auch hier wird die permanente Bedrängnis spürbar, die ständige Ungewissheit des Überlebens. Und vielleicht unterscheidet sich die Situation in einem Lager ja tatsächlich von der in einem totalitären Staat dadurch, dass sie mehr zu allgemeiner Abstumpfung und Gleichgültigkeit führt als zu konkreter Angst. Aber nichts hat mich beim Lesen in diese Abstumpfung hineingezogen, und dort, wo ich Angst hätte empfinden sollen, ist sie mir seltsam fern geblieben. Vielleicht liegt es an der klareren und damit einfacheren Struktur, die sich an Einzelthemen orientiert, dass die Komplexität des seelischen Zerbrechens weniger deutlich wird als in Herta Müllers anderen Büchern. Vielleicht ist „Atemschaukel“ ja wirklich ein hervorragendes Buch. Man sollte es nur nicht an Herta Müllers anderen Werken messen. Und insofern ist diese Kritik im Grunde eine Lobrede…


Karin Wurzbacher
23.02.2010

Danke, Herta Müller! Danke für die exzellente Sprache. Danke für die Bewahrung historischer Schicksale. Ihr Buch bewegt mich sehr und beschäftigt mich fast täglich. Als ehemaliger DDR-Bürger bin ich dankbar, dass dies heute veröffentlicht werden kann. Ich grüße Sie herzlich!


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